Ortsporträt Wolpertshausen Wie auf einem fliegenden Teppich

03.12.2018
Manfred Reinhardt sitzt auf einer Enduro-Maschine, einer Zero FX. Foto: gm
Manfred Reinhardt sitzt auf einer Enduro-Maschine, einer Zero FX. Foto: gm

Mobilität Elektroautos gelten für viele als Fortbewegungsmittel der Zukunft, während E-Motorräder im Schatten stehen. Manfred Reinhardt möchte die leisen und pfeilschnellen Bikes ins Rampenlicht rücken.

Von Gottfried Mahling

Für die allermeisten sparsamen und umweltbewussten Menschen steht beim Kauf eines Elektroautos der Fahrspaß eher weniger im Vordergrund. Doch wie ticken Motorradfahrer, für die ihr Gefährt meist weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand des Alltags ist, und vielmehr Freizeitspaß und ein besonder
es Lebensgefühl vermitteln soll? Kann Motorradfahren auch ohne den charakteristischen Sound beim Beschleunigen und ohne Benzingeruch Spaß machen? Manfred Reinhardt beantwortet die Frage mit einem klaren „Ja“. „Ich vermisse den Krach und das Vibrieren überhaupt nicht“, sagt der 56-Jährige aus Wolpertshausen, der früher über Jahrzehnte nur benzinbetriebene Maschinen fuhr. Seit Sommer 2016 bietet er E-Roller und E-Motorräder zum Verkauf an. Momentan betreibt er sein Unternehmen „Elektromobilität Hohenlohe“ im Nebenerwerb. Hauptberuflich ist Reinhardt seit 1980 – mit kurzen Unterbrechungen – für das Baustoffunternehmen Maas in Ilshofen tätig.

Als er vor einigen Jahren täglich mit dem Auto zur Arbeit zur Maas-Niederlassung nach Dörzbach pendeln musste, kam Manfred Reinhardt der Gedanke: Jede Woche eine ganze Tankfüllung zu verfahren, ist schon ganz schön kostspielig. Beim Surfen im Internet stieß er auf die E-Motorräder von Branchenführer Zero Motorcycles – und kaufte sich 2015 in Stuttgart seine erste Maschine, eine SR Max Performance.

"Ich vermisse den Krach überhaupt nicht."

Beim E-Mobilitätstag 2016 auf dem Gelände des BESH-Regionalmarktes war Wolfgang Reinhardts E-Motorrad eine der Hauptattraktionen. „200 Leute wollten es sehen und haben Fragen gestellt“, erinnert er sich an das Rieseninteresse. Mittlerweile ist der Familienvater auf zahlreichen Motorradmessen vertreten. Im Angebot hat er unterschiedlichste Modelle – angefangen vom zahmen Elektroroller im Retro-Look über wendige Enduro-Maschinen bis hin zu leistungsstarken Touring-Motorrädern.

Sämtliche Modelle, untergebracht in einem Lager im Ökopark, können auf Anfrage Probe gefahren oder auch gemietet werden. Einige sind im Motorradladen von Michael Lederer in der Haller Straße ausgestellt. Dort besteht zudem die Möglichkeit, die bei Manfred Reinhardt gekauften E-Motorräder zu warten und zu reparieren. Bevor sich ein Probefahrer auf den Weg macht, gibt es zunächst eine intensive Einweisung, dann geht es im Eco-Modus bei gedämpfter Leistung und Energierückgewinnung behutsam los. Dem an herkömmliche Maschinen gewöhnten Motorradfahrer fehlen einige Hand- und Fußgriffe. Man muss sich erst daran gewöhnen.

Zwar besitzen die alternativen Bikes in Deutschland nach wie vor einen geringen Marktanteil von unter einem Prozent und fristen ein Nischendasein, doch Manfred Reinhardt glaubt an ihr Potenzial: „Sie sind umweltfreundlich, man kann mit ihnen jede Menge Geld sparen und sie vermitteln Fahrspaß“, ist er überzeugt. In kaum mehr als 3 Sekunden beschleunigen einige E-Motorräder von 0 auf 100 Stundenkilometer. Das Drehmoment des elektrischen Antriebsstrangs mit bis zu 144 Newtonmetern entspricht dem eines benzinbetriebenen Motorrads mit 120 PS.

"Nie wieder Zündkerzen und Motoröl wechseln."

Die Reichweite beträgt mehr als 200 Kilometer und der Aufwand für die Wartung ist gering. „Es gibt viele Dinge, die man nie wieder tun muss: zum Beispiel Zündkerzen wechseln und Motoröl prüfen“, betont Manfred Reinhardt.

Hinzu kommt der Sparaspekt. E-Motorräder und -Motorroller seien aktuell zehn Jahre steuerfrei. Die Energiekosten lägen bei lediglich 1,5 Cent pro gefahrenem Kilometer. Aufgeladen werden können die Akkus an E-Tankstellen oder an der Steckdose in der heimischen Garage.

Die enorme Beschleunigung, kombiniert mit dem Fehlen von Lärm, Hitze und Abgasen, vermittele beim Fahren ein Gefühl des Fliegens. Oft seien Passanten völlig überrascht, so Reinhardt. „Wer rechnet schon mit einem Motorrad, das man nicht hört.“

Noch ist für ihn das Geschäft mit den lautlosen Fahrzeugen kaum mehr als ein Hobby. „Ich möchte das Unternehmen stabilisieren, nicht von heute auf morgen ganz viel machen“, sagt er über seine mittelfristigen Pläne. Eine weitere Leidenschaft, die Musik, hat Manfred Reinhardt zumindest vorerst hintangestellt. Früher leitete er gleich mehrere Chöre: die Posaunenchöre Gnadental und Wolpertshausen, den Liederkranz Reinsberg und den Gemischten Chor Wolpertshausen.

Die jüngste Gemeinde im Landkreis

Demografie Mit lediglich 39,1 Jahren hat Wolpertshausen einen ungewöhnlich niedrigen Altersdurchschnitt.

Wolpertshausen. Die jüngsten Zahlen des Landesamtes für Statistik Baden-Württemberg machen deutlich: Wolpertshausen wächst kontinuierlich weiter. Im ersten Quartal 2018 zählte die Gemeinde 2229 Einwohner. Davon sind 1142 männlich und 1087 weiblich. Die Einwohnerzahl stieg innerhalb der letzten fünf Jahre um 8,4 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wuchs die Bevölkerung des Landkreises Schwäbisch Hall nur halb so schnell. Der Ausländeranteil liegt in Wolpertshausen aktuell bei etwa elf Prozent. Mit einem Altersdurchschnitt von 39,1 Jahren ist Wolpertshausen die jüngste Gemeinde im Landkreis Schwäbisch Hall, dessen Bevölkerung ein Durchschnittsalter von 43,1 Jahren aufweist. Die Bevölkerung im Land ist im Schnitt sogar noch älter – 43,4 Jahre.

Bürgermeister Jürgen Silberzahn, bereits seit 28 Jahren im Amt, sieht als Hauptgründe ein hervorragendes Betreuungsangebot für Kinder, die verkehrsgünstige Lage und das gute Arbeitsplatzangebot im Ort. 2017 waren 1200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Wolpertshausen tätig. 965 Erwerbstätige wohnen in der Gemeinde. 776 Personen arbeiten als Berufspendler außerhalb von Wolpertshausen und 1011 Beschäftigte kommen als Einpendler in die Gemeinde.

Die Gemeinde Wolpertshausen hat eine Gesamtfläche von 27,42 Quadratkilometern und umfasst elf Dörfer, Weiler und Höfe: Wolpertshausen, Cröffelbach, Haßfelden, Hörlebach, Hohenberg, Hopfach, Reinsberg, Rudelsdorf und Unterscheffach, Heide und Landturm. gm

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