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Sou, bisch trotzdemm doa? - Muswiesen-Sonderbeilage 2021 Bürgermeister Dr. Sebastian Kampe: „2022 gibt es eine ganz normale Muswiese in Rot am See“

  

So sieht der neue Muswiesen-Taler aus. Im Rathaus gibt’s ihn zu kaufen. Grafik: Koval

19.10.2021
Walder-Technik GmbH

Dr. Sebastian Kampe hätte sich einen anderen Start ins Bürgermeisteramt von Rot am See gewünscht. Aber: Er steht zur Entscheidung, den Jahrmarkt abgesagt zu haben. Und: Er blickt sehr optimistisch ins nächste Jahr. 
   

Der neue Muswiesen-Taler zeigt nicht das, was uns alle krankmacht – in diesem und in jenem Sinne: „Wir wollten kein Virus abbilden, nicht schon wieder, das haben wir jetzt oft genug gesehen“, sagt Bürgermeister Dr. Sebastian Kampe. „Es ging uns vielmehr darum, die Sache positiv zu wenden.“ Also setzte sich Künstler Darius „Koval“ Kowalik im Auftrag der Gemeinde hin und entwarf die Markise eines Marktstands, welche zur Sprungschanze in eine bessere Zukunft wird: „Anlauf zur Muswiese 2022“. Na, wenn das kein gutes Motto ist!

Zunächst jedoch noch mal zum Schlechten, zur Muswiesen-Absage 2021, die Kampe schon deshalb extrem schwerfiel, weil er, der Schwäbisch Haller, gerade einmal ein paar Wochen im Amt war, als er sie gemeinsam mit dem Gemeinderat zu treffen hatte – und alles lieber wollte, als seinen Bürgern ins geliebte Jahrmarktshandwerk zu pfuschen. Aber was hätte er denn tun sollen? 
    

BDS Rot am See

„Machen wir uns nichts vor“, sagt der Bürgermeister heute. „Selbst wenn wir uns gegen die Realität gestemmt hätten, wäre eine normale Muswiese nicht genehmigungsfähig gewesen. Alle Veranstaltungen einer ähnlichen Größenordnung sind abgesagt worden. Und ein Jahrmarkt mit 3G- oder 2G-Regel würde bedeuten, dass man Musdorf komplett umzäunen müsste.“ Was dann? „Ich kann nicht 100 000 Leute auf ihren Impfpass hin kontrollieren. Das ist ausgeschlossen.“ 
    

Massenhaft Lebensfreude in Musdorf soll es im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder geben. Foto: Ufuk Arslan
Massenhaft Lebensfreude in Musdorf soll es im kommenden Jahr auf jeden Fall wieder geben. Foto: Ufuk Arslan

Für Kampe bleibt die Absage die bedauerliche, aber richtige Entscheidung. Besonders pikant war indes, dass sie just zu einem Zeitpunkt gefällt werden musste, als die Inzidenz rapide nach unten ging und alles nach Öffnung strebte. Dieser Umstand machte die Debatte im Gemeinderat nicht leichter, und die Reaktionen von außen waren gemischt. „Aber überwiegend gab es schon Verständnis für die Entscheidung“, sagt der Rathaus-Chef.

Kampe wird bereits anderthalb Jahre an der Zukunft der Gemeinde Rot am See gewerkelt haben, bis er erstmals deren fünfte Jahreszeit in der Praxis kennenlernt: „Das ist natürlich schade zum Einstieg. Mein Ankommen ist dadurch einfach unvollständig“, sagt er. Wie viel Arbeit die Muswiese rathausintern macht, auch wenn sie nicht stattfindet, hat er indes bereits gelernt: „Die Organisationsplanung, die hier läuft, ist so vielfältig – einfach Wahnsinn.“ Man darf sich Kampe ein bisschen vorstellen wie einen Fahrschüler, der in den vergangenen Monaten von morgens bis abends Theorie gebüffelt hat, aber nie ans Steuer durfte. Die praktische Fest-Prüfung muss warten.

Und 2022 – da kann ihm dann ganz sicher der Muswiesen-Führerschein ausgestellt werden? „Ich bin optimistisch“, sagt Kampe. „Einschränkungen sind spätestens ab dem nächsten Frühjahr politisch nicht mehr gegenüber der Gesellschaft durchsetzbar. Wir leben schon so lange mit Einschränkungen, Impfstoff ist vorhanden, wir kommen zum Ende der Pandemie.“ Das heißt? „2022 gibt es eine ganz normale Muswiese.“ Eine Muswiese, wie es sie 2019 gab? „Ich spreche von einer traditionellen Muswiese mit allem Drum und Dran.“ Ohne Abstand, ohne Maskenpflicht? „Ohne Abstand, ohne Maskenpflicht.“


"Kampe ist ein bisschen wie ein Fahrschüler, der Theorie büffelt, aber noch nicht ans Steuer darf."


Genau diese Überzeugung ist es, die sich auf dem Taler spiegelt. Die eigentlichen Ehrengäste der Eröffnung bekommen ihn zum Muswiesen-Termin zugeschickt. Und auch die Bürger müssen 2021 nicht auf eine Ergänzung ihrer Sammlung verzichten, sondern können sich den Taler im Rathaus für vier Euro besorgen – bevor es das Nachfolgemodell im kommenden Jahr dann wieder am Gemeindestand im Gewerbezelt gibt. Ganz bestimmt. Sebastian Unbehauen