Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Kirchberg Artenschützer auf vier Beinen

Schafe und Ziegen halten die Jagsttalhänge frei von Büschen. Für Bruno Fischer ist sein Hobby ein echter Beitrag zur Naturerhaltung.

Bruno Fischer kümmert sich mit seinen Walliser Schwarznasenschafen um die Erhaltung der Landschaft in und um Kirchberg. Foto: Thorsten Hiller

19.11.2021

Kirchberg. Bruno Fischer ist mit seinem Landrover jeden Vormittag rund um Kirchberg unterwegs. Aus entgegenkommenden Autos heraus wird er von Menschen freundlich gegrüßt – er ist bekannt. Mit dem allradgetriebenen Fahrzeug fährt er die verschiedenen Weiden ab, auf denen seine rund 80 Schafe und Ziegen stehen: Die Tiere sind im Auftrag des Naturschutzes unterwegs und halten die Hänge frei von Sträuchern und Büschen.

Die Böschungen im Jagsttal sind nur deshalb nicht bewaldet, weil der Mensch sie seit Jahrhunderten zur Weidetierhaltung genutzt hat. Das Bewirtschaften der Hänge mit Maschinen ist beschwerlich oder gar unmöglich, „manuell ist es nicht bezahlbar“, betont Fischer. Die biologisch vielfältige Kulturlandschaft kann nur mithilfe von Tieren erhalten werden. Seit zehn Jahren kümmert er sich mit seinen Schafen, darunter Walliser Schwarznasen, Merino und das Coburger Fuchsschaf, um den Landschaftsschutz. „Früher machte das ein Wanderschäfer, der mit seinen Tieren durch die Gegend zog.“

Die Hänge sind zum Teil nur über steile Wege oder über eine Furt durch die Jagst zu erreichen – darum auch der Geländewagen. Dass sich die Arbeit lohnt, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen: Die Böden an den exponierten Südhängen sind überwiegend biologisch wertvolle Halbmagerstandorte mit einem reichen pflanzlichen und tierischen Leben. An der ehemaligen Erlebnisherberge haben Zoologen 35 verschiedene Schmetterlingsarten nachgewiesen.


"Das muss man gerne machen und ein Verhältnis zu den Tieren aufbauen können."

Bruno Fischer
Schäfer und Naturschützer


Dass Fischer auch noch Vorsitzender der Kirchberger Ortsgruppe des Naturschutzbund Deutschland (NABU) ist, kommt seiner Tätigkeit im Auftrag der Stadt entgegen: Ein Hang bei Mistlau mit seinem kalkigen Untergrund hat den größten Artenreichtum in der Gegend. Die Pflanzen, die die Schafe nicht fressen, werden einmal pro Jahr bei einem Arbeitseinsatz der NABU-Mitglieder mit Sägen entfernt. „Die meisten Tier- und Pflanzenarten findet man nicht im Wald, sondern auf offenen Flächen und Streuobstwiesen“, erklärt Fischer.

Während die Schafe die warme Jahreszeit überwiegend im Freien verbringen, sind sie im Winter in der städtischen Schafscheune auf dem Breitloh untergebracht. Manche Rassen können dank ihres dichten Fells den Winter auch nur durch ein Zelt geschützt draußen verbringen.

Seit 35 Jahren hält Fischer Schafe. „Das muss man gerne machen und ein Verhältnis zu den Tieren aufbauen können“, erzählt der Lehrer. „Es darf nicht zur Last werden.“ Denn um die Tiere muss er sich jeden Tag kümmern, ob es regnet, schneit, stürmt oder die Sonne scheint. Derzeit unterrichtet der Pädagoge nur noch Arbeitsgemeinschaften, „so kann ich das machen, was mir Spaß macht“. Thorsten Hiller