Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Fichtenau „Die Chance mussten wir nutzen“

Fichtenau wächst nach wie vor zusammen – das zeigt besonders ein Projekt, an dem gerade gearbeitet wird. Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann erklärt, warum ihre Gemeinde trotz finanzieller Sorgen auf einem guten Weg ist.

Von rechts: Das Fichtenauer Rathaus, die Martinskirche und das Schloss in Wildenstein. Foto: Luca Schmidt

13.11.2020

Eine Gemeinde der Grenzen, so könnte man Fichtenau beschreiben. Da gibt es zum einen die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden- Württemberg am östlichen Rand der Kommune, wobei einige Teilorte mal zur einen, mal zur anderen Seite gehörten. Zum anderen gibt es kulturell-sprachliche Grenzen zwischen Ostalbkreis, Franken und Hohenlohe, die sich auf die Gemeinde auswirken. Durch Fichtenau ziehe sich eine unsichtbare Linie, erklärt Bürgermeisterin Anja Schmidt- Wagemann. Sie teile die Kommune in eine Nordhälfte, die sich in Richtung Hohenlohe orientiert, und eine Südhälfte, die in Richtung Ostalbkreis ausgerichtet ist.

In Fichtenau sind aber auch Grenzen gefallen: Mit der Kreisreform im Jahr 1973 vereinigten sich die vier Altgemeinden zu einer Kommune (siehe Info). Auch wenn alte Rivalitäten nicht sofort verschwanden, wie sich beispielsweise beim ein oder anderen Fußball- Derby zeigte, wuchs die neue Gemeinde doch immer mehr zusammen. Heute gibt es sogar eine Spielgemeinschaft im Jugend- und Frauenbereich.

Dass dieser Prozess noch im Gange ist, verdeutlicht ein Projekt besonders: Das zentrale Feuerwehrhaus in Wildenstein, das ab 2021 gebaut und die bestehenden Magazine in den Ortsteilen ersetzen soll.

„Näher geplant“ wird es seit 2018, sagt Schmidt-Wagemann. Gleich zu Beginn habe man die Feuerwehrleute mit ins Boot geholt, indem man ein Gremium aus ihnen und Gemeinderäten gründete. „Die Planung hat richtig Spaß gemacht“, sagt die Bürgermeisterin. Die Floriansjünger seien die Sache mit viel Engagement angegangen. Auch wenn es darum ging, die Kosten für das Gebäude zu senken, seien sie immer kooperativ gewesen.

Vor einigen Jahren sei das noch undenkbar gewesen, erklärt Schmidt-Wagemann. Doch für die Wehren sei es zunehmend schwierig geworden, im Notfall die Autos voll zu bekommen – viele Mitglieder arbeiten außerhalb der Gemeinde. Seit ein paar Jahren rücken die verschiedenen Abteilungen der Altgemeinden deshalb häufig gemeinsam vom alten Wildensteiner Magazin aus – und bald vom Neuen.

Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann. Foto: privat
Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann. Foto: privat

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Gemeinde auf einem guten Weg ist, ist laut Schmidt-Wagemann das neue Gesundheits- und Gemeinschaftshaus in Unterdeufstetten mit drei Ärzten und einer Bücherei. „Das ist eine glückliche Entwicklung, da staunen andere Gemeinden nur“, so die Bürgermeisterin. Im März sollen hier die ersten Patienten behandelt werden.

Hinzu kommen weitere Projekte, die viel Geld kosten oder kosteten, wie Straßenbaumaßnahmen und die Sanierung der jetzigen Grundschule. Finanziell bereite ihr das zwar Sorgen, so Schmidt-Wagemann. Allerdings sei zum Beispiel das neue Ärztehaus ein Glücksgriff für die Gemeinde. Auch wenn viel Geld in die Hand genommen werden müsse, „die Chance mussten wir nutzen.“ Außerdem: Wenn die öffentliche Verwaltung derzeit keine Aufträge vergebe und die Wirtschaft ankurble, wer dann?

Wichtig ist der Bürgermeisterin, dass die Infrastruktur der Gemeinde auch künftig gleich auf die größeren Wohnorte verteilt ist. Das gelinge zwar nicht zu einhundert Prozent, aber zumindest ein Stück weit, so Schmidt-Wagemann: mit dem Sportzentrum in Matzenbach, dem Gesundheits- und Gemeinschaftshaus sowie den Schulen in Unterdeufstetten und der Verwaltung sowie Einkaufsläden in Wildenstein.

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Zusammenschluss aus vier Gemeinden

Fichtenau entstand mit der Kreisreform am 1. Januar 1973 durch den Zusammenschluss der heutigen Ortsteile Lautenbach, Matzenbach, Unterdeufstetten und Wildenstein.

4 569 Einwohner leben derzeit in Fichtenau. Die Kommune hat eine Fläche von 3 128 Hektar, davon 1 083 Hektar Wald- und 62 Hektar Wasserfläche.

Es gibt 31 Vereine sowie zwei Schulen: Die Christoph-von-Pfeil-Grundschule und die Oberlin-Schule, ein staatliches sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum. In drei Kindergärten gibt es 184 Plätze sowie 20 Krippenplätze.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der Zauberwald und der Spielplatz der Riesen in Wildenstein sowie die Bildkapelle in Matzenbach. Partnergemeinde ist Bad Schandau. Das Wappen zeigt eine Fichte für Wälder, einen Wellenschildfuß für Gewässer und einen Bussardkopf für Greif vögel der Gemeinde.