Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Kreßberg Firma verwandelt sich in einen Ort zum Feiern

Die Linus-Event-Halle in Marktlustenau dient seit vier Jahren als Location für Hochzeiten und andere Veranstaltungen. Besitzer Oliver Lins blickt auf ein unvorhersehbares Jahr zurück und berichtet von einem Vorfall, den er keinem Brautpaar wünscht.

Die Halle bietet Platz für 130 Gäste. Ohne Corona wäre von April bis November eigentlich alles ausgebucht gewesen. Fotos: privat  

16.10.2020

Wer wochentags durch Marktlustenau fährt, könnte meinen, dass es sich bei dem länglichen Bau am Rande des Gewerbegebietes um ein Wohnhaus oder Bürogebäude handelt. Das Doppeldach mit seinen grauen Ziegeln und die schlichte Außenfassade in weiß mit den fünf Rundsäulen lassen ein eher ruhiges und einfaches Innenleben vermuten. Desto überraschender dürfte der Anblick an einem Samstagabend sein: Volle Hütte, roter Teppich vor der gläsernen Eingangstür, edle Beleuchtungen, die das Gebäude innen wie außen in ein angenehm warmes Licht werfen. Und aus dem Inneren tönt feierliche Musik. Wo unter der Woche für Lins Software Systeme gearbeitet wird, feiern am Wochenende ausgiebig Hochzeitsgesellschaften – eigentlich.
     

Oliver Lins, Geschäftsführer der Lins Software Systeme GmbH und Vermieter der Linus-Event-Halle, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als er vom vergangenen Wochenende berichtet. „Am Freitag bekam ich um 23 Uhr einen Anruf, dass sich ab dem Folgetag nur noch 50 statt 100 Personen in geschlossenen Räumen aufhalten dürfen“, berichtet der 53-Jährige. Das Problem: Für Samstag war der Veranstaltungsraum der Halle für eine Hochzeit mit genau 100 Personen gebucht. „Ich habe sofort das Brautpaar kontaktiert. Die Braut ist in Tränen ausgebrochen, das war eine Katastrophe“, erzählt Lins. Nach einer schlaflosen Nacht und schier unendlichen Telefonaten organisierte das Paar zusammen mit Lins in nur zwölf Stunden eine Notlösung.

Nach der Trauung am Samstagmittag feierte das Brautpaar zunächst mit den ersten 50 Gästen bis zum frühen Abend. Danach mussten sie verabschiedet werden und Platz für den zweiten Teil der Hochzeitsgesellschaft machen, welcher das Brautpaar dann bis in die frühen Morgenstunden hochleben lassen durfte. „Unter diesen schwierigen Umständen war es das Beste, was wir zusammen auf die Beine stellen konnten“, meint Lins. Auch besagtes Brautpaar war am Montagmorgen froh, die Hochzeit doch noch gerettet zu haben.


"Viele Brautpaare verschoben ihre Hochzeit auf den Herbst, jetzt müssen sie erneut umplanen."

Oliver Lins Vermieter der Linus-Event-Halle


Das Coronavirus legt die Hochzeitsbranche und alles, was damit in Verbindung steht, erneut fast vollständig lahm. „Viele Brautpaare verschoben ihre Hochzeit vom Frühjahr auf den Herbst, jetzt müssen sie erneut umplanen“, sagt Lins. Die letzte für dieses Jahr noch ausstehende Hochzeit wurde gerade abgesagt.

Oliver Lins, der seit mehr als 20 Jahren mit seiner Frau Manuela in Marktlustenau lebt, ist gelernter Fliesenleger und stammt ursprünglich aus Norddeutschland. Vor mehr als 30 Jahren machte er sich mit einer Softwarefirma für Handwerker selbstständig. Mit dem Bau der Linus-Event-Halle 2016 schuf Lins, der als Kellner zu Studentenzeiten erste Erfahrungen in der Gastronomie sammelte, einen neuen Firmensitz und zusätzlich einen Veranstaltungsraum für private Feiern. Seither werden die Räumlichkeiten insbesondere für Hochzeiten, aber auch Geburtstage und Messen in stilvollem Ambiente vermietet.

Die Halle bietet Platz für 130 Gäste, die es in diesem Jahr jedoch noch kein einziges Mal gab. „Von Ende März bis Anfang September war der Veranstaltungsraum komplett geschlossen“, berichtet Lins, obwohl die Halle während der Hauptsaison für jedes Wochenende ausgebucht war. „Im Regelfall werden die Hochzeitsfeiern schon gut zwei Jahre im Voraus gebucht. Von April bis November ist eigentlich immer alles voll“, sagt er.

„Die Hauptkraft hinter der Arbeit für die Veranstaltungen ist meine Frau Manuela“, betont Lins. „Sie trifft sich mit den Brautpaaren, bespricht die genauen Vorstellungen mit ihnen und sorgt dafür, dass alles reibungslos abläuft.“ Als Veranstalter stellen die beiden den Raum und das nötige Equipment zur Verfügung. Darüber hinaus vermitteln sie auf Wunsch Catering-Services, Deko- Firmen oder Trauredner. „Seit letztem Jahr dürfen Brautpaare sogar hier getraut werden“, fügt Lins hinzu. „Letztendlich sorgen wir dafür, dass alles nach den Vorstellungen der Vermählten abläuft und aufgebaut wird.“ Bei der Feier selber ist Oliver Lins nicht vor Ort, aber stets auf Abruf bereit: „Sollte der Strom mal ausfallen, bin ich in zwei Minuten da.“

Viel geht über Mundpropaganda

Freuen sich über das positive Feedback: Oliver (links) und Manuela Lins sowie ihr Sohn Dominique Nunner.
Freuen sich über das positive Feedback: Oliver (links) und Manuela Lins sowie ihr Sohn Dominique Nunner.

Sein zweites Standbein neben der Softwarefirma lebe vor allem von Mundpropaganda. „Die meisten Paare, die hier ihre Hochzeit feiern, waren vorher selbst Gäste“, erklärt Lins. Er bekomme aber auch zunehmend Anfragen von Brautpaaren aus dem größerem Umkreis. „Wir sind sehr froh über und auch ein wenig stolz auf das viele, positive Feedback, das wir bekommen“, betont Lins. Die Leute schätzten vor allem die edle Einrichtung und das insgesamt hohe Niveau des Veranstaltungsraums. Zudem legten seine Frau und Schwiegertochter sehr viel Wert auf Sauberkeit.

Auch im nächsten Jahr will Familie Lins wieder Brautpaare und Hochzeitsgesellschaften glücklich machen, obwohl man aktuell keine Woche, geschweige denn ein ganzes Jahr im Voraus planen könne. „Der Nervenkrieg für Brautpaare geht weiter“, meint Manuela Lins.

Das Ehepaar ist froh, nicht von der Halle abhängig zu sein. „Viele der Unternehmen, die wir in den vergangenen Jahren für die Hochzeiten vermittelt haben, mussten bereits schließen“, berichtet die 55-Jährige besorgt. Vielen sei gar nicht klar, was für eine große Branche das Hochzeitsgeschäft ist. „Das zieht einen riesigen Rattenschwanz nach sich.“  Von Jonas Krauthansl