Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Fichtenau Schnelle Lösungen für Mittelständler

Danny Denk, Gründer des Fichtenauer Unternehmens Ecosphere Automation, über die Entwicklung von Automatisierungsrobotern, seine langfristigen Ziele und warum er den Weg zur Selbstständigkeit einem Buch verdankt.

Maximilian Kröper, Danny Denk und Simon Rögele (von links) bei der Fertigung eines Baukastens. Diese verkaufen sie vor allem an mittelständische Unternehmen in ganz Deutschland. Foto: Jonas Krauthansl

13.11.2020

Was zählt im Leben? Finde ich Erfüllung, wenn Arbeit nur noch Stress, Druck und Unausgeglichenheit bedeutet? Mit solchen und ähnlichen Gedanken sah sich Danny Denk noch vor wenigen Jahren tagtäglich konfrontiert. „Ich hatte einen gut bezahlten Posten bei einem größeren Unternehmen in der Region. Irgendwann wollte ich aber nicht mehr jeden Tag acht, neun Stunden in der Produktionshalle stehen, um abends unzufrieden nach Hause zu kommen“, erklärt der 36-Jährige. Daher peilte der Fichtenauer schon länger die Selbstständigkeit an.

Den letztlichen Anstoß zu diesem Schritt gaben ihm 256 Seiten, verpackt in ein Taschenbuch, das ihm ein guter Freund aus Mexiko schickte. „The Big Five for Life“, steht auf dem Einband in großen Buchstaben. „Danach hat es Klick gemacht, das hat den Schalter bei mir umgelegt”, sagt Denk.

Heute kann sich der Jungunternehmer seine Arbeitszeiten selbst einteilen. Er sitzt am eigenen Schreibtisch im ersten Stock der Produktionshalle von Lindner Verbindungstechnik in Unterdeufstetten. Hier hat das Start-up einige Räumlichkeiten angemietet. Alles wirkt noch frisch und zweckmäßig, aber trotzdem hochmodern.

Über die Treppe entlang des Bereichs zum Entspannen, wo mehrere Hängesessel von der Decke baumeln, geht es runter zum eigentlichen Herzstück von Ecosphere Automation. „Hier unten bauen wir unsere Roboterzellen zusammen“, erklärt Denk. Das Unternehmen hat Denk im April vergangenen Jahres zusammen mit Maximilian Kröper und Simon Rögele gegründet (unsere Zeitung berichtete).

In den anderthalb Jahren hat sich vieles verändert. „Wir haben gemerkt, dass uns der demografische Wandel vor große Aufgaben stellen wird“, so der 36-Jährige. Fachkräftemangel und ein immer höherer Altersdurchschnitt sind für ihn zwei entscheidende Faktoren. „Künftige Generationen wollen aber auch nicht mehr das machen, was unsere Eltern früher gearbeitet haben. Immer wieder der gleiche Prozess, jeden Tag. Das ist einfach nicht mehr attraktiv“. Ecosphere Automation versucht deshalb, mit der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter den Erwartungen an die Zukunft gerecht zu werden.

„Wir entwickeln Baukästen mit Sechsachsrobotern“, so Denk. Vorteile solch fertiger Baukästen gegenüber herkömmlichen Industrierobotern gebe es mehrere: „Wir benötigen nur wenige Wochen für die Produktion einer Roboterzelle“, erläutert Denk. Eine weitere Besonderheit ist die Flexibilität der Roboterarme. „Einer wiegt nur zwischen 30 und 40 Kilo. Wenn wir zu einem Kunden gehen, können wir einfach einen Schau-Roboter in den Kofferraum werfen und ihn direkt vor Ort unter realen Bedingungen vorführen“, erklärt er. Auch die Programmierung sei kinderleicht – im Gegensatz zu komplizierten Industrierobotern. In nur wenigen Minuten programmiert Denk mehrere Arbeitsschritte auf dem angeschlossenen Tablet und speichert diese anschließend.


"Wir benötigen nur wenige Wochen für die Produktion einer Roboterzelle."

Danny Denk Firmengründer aus Fichtenau


„Unsere Roboterzellen können einen oder mehrere Arbeitsabläufe hintereinander erledigen, die vorher von Hand gemacht werden mussten“, sagt der Gründer. Zwar seien die Roboterarme nicht ganz so präzise wie die deutlich teureren Industrieroboter und sie können nicht mehr als 20 Kilogramm stemmen. Dennoch ersetzen sie laut Danny Denk problemlos die Arbeit eines menschlichen Arms.

Dabei betont der 36-Jährige, dass Innovationen wie diese keine Arbeitsplätze vernichten sollen, sondern vielmehr als Chance zur Umstrukturierung von menschlichem Einsatz dienen. „Die Arbeiter können dort eingesetzt werden, wo sie mehr gebraucht werden. Zum Beispiel bei der Qualitätskontrolle.“

Als reine Vermietung gestartet, verkauft Ecosphere Automation mittlerweile auch Roboterzellen an lokale und überregionale Unternehmen. Langfristig sei das Ziel, mittelständische Unternehmen mit Lösungen bei Automatisierungen zu unterstützen. „Da geht es nicht nur darum, die Hardware zu verkaufen, sondern den Kunden auch das nötige Know-how zu vermitteln“, meint Denk und denkt dabei an das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Auch deshalb wollen die Jungunternehmer den Schwerpunkt ihres Start-ups in Richtung Beratung und Service verschieben.

Ziel ist eine eigene Online-Plattform namens Ecosphere Robot Shop, wo Unternehmen eigene Robotersysteme zusammenstellen und konfigurieren können. Ergänzend dazu sollen Infokanäle, Erklärvideos und Vermittlungsplattformen entstehen – alles mit einem Account abrufbar. „Wir wollen einen ganz eigenen Marktplatz erschaffen, eine Art Amazon für Automatisierungsroboter“, sagt Denk.

Corona stoppt die Firma nicht

Die Coronapandemie hat das junge Unternehmen noch mehr gefestigt. „Natürlich herrschte auch bei uns kurz Unsicherheit, weil viele Kunden erschreckt waren“, so der Gründer. Mittlerweile sei aber ein deutlicher Schwung Richtung flächendeckende Automatisierung erkennbar. „Die Firmen wollen schnelle Lösungen“, meint Denk.

Mit den weltweiten Einschränkungen werden auch wichtige Lieferketten aus dem Ausland unterbrochen. „Ich denke, dass in Zukunft wieder mehr im Inland produziert wird“, vermutet Denk. Neben den drei Gründern ist bei Ecosphere Automation mittlerweile ein weiterer Mitarbeiter beschäftigt sowie mehrere Minijobber und einige freie Mitarbeiter, sogenannte Freelancer. Aktuell liege die Auslastung bei mehr als 150 Prozent. „Wir haben auch schon einige Aufkaufangebote erhalten“, sagt Danny Denk. Noch aber sehe keiner der Gründer den Bedarf, das Unternehmen aus der Hand zu geben. „Das ist genau das, was wir wollten: unser eigener Chef sein.“ Von Jonas Krauthansl