Sonderveröffentlichung

Start ins Berufsleben Digitalisierung bestimmt die Berufsbilder

Ausbildung an einer virtuellen Schweißmaschine. Die Digitalisierung erfordert ganz neue inhaltliche und pädgogische Konzepte. Foto: dpa.
Ausbildung an einer virtuellen Schweißmaschine. Die Digitalisierung erfordert ganz neue inhaltliche und pädgogische Konzepte. Foto: dpa.

Inhalte vieler Berufe werden derzeit weiter entwickelt und das Profil der jeweiligen Ausbildung geschärft. Wirtschaft muss in Teilen sehr schnell auf die rasanten technologischen Herausforderungen reagieren.

Von Heribert Lohr  

Die Kammern in Baden-Württemberg stellen sich verstärkt den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung. Das gilt gleichermaßen für Industrie, Handel und Handwerk. Mit gezielten Weiterentwicklungen von Berufen, Zusatzqualifikationen und einem neuen Ausbildungsberuf sollen junge Menschen auch in den Unternehmen in der Region für den digitalen Wandel fit gemacht werden.

Die Industrie- und Handelskammern reagieren damit in Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, Gewerkschaften, Bund und Ländern sowie der Berufsausbildungsforschung auf den fortwährenden Entstehungs- und -modernisierungsprozess. „Die Betriebe wissen am besten, welche Herausforderungen die zunehmende Digitalisierung mit sich bringt. Deshalb sind die Arbeitgeber, neben den weiteren Fachexperten, wichtige Impulsgeber für die Modernisierung der Berufe“, erklärt etwa Marjoke Breuning, Vizepräsidentin des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK).

Ausbildungsstart 2020: Bundesweites Bildungsportal

Parallel dazu arbeiten die IHKs mit Hochdruck daran, die Abläufe für die Ausbildungsbetriebe, die Auszubildenden und die Prüfer zu digitalisieren. So wird bis zum Ausbildungsstart 2020 ein bundesweites Bildungsportal zur Verfügung stehen. Dort soll auch ein bundesweit einheitliches elektronisches Berichtsheft für Azubis und Betriebe nutzbar sein. Schon vergangenes Jahr wurde im kaufmännischen Bereich mit dem Ausbildungsberuf Kaufmann im E-Commerce bundesweit ein vollständig neuer Beruf eingeführt. Betriebe, die Waren oder Dienstleistungen online vertreiben, können so ihre Fachkräfte im Bereich E-Commerce erstmals selbst ausbilden.

Bei den industriellen Metall- und Elektroberufen sowie beim Ausbildungsberuf Mechatroniker wurden Ausbildungsinhalte angepasst. Neu sind Zusatzqualifikationen unter anderem in den Bereichen Fertigungsverfahren, Programmierung, IT-Sicherheit, Digitale Vernetzung, Prozess- und Systemintegration. Die ersten Auszubildenden im Land haben bereits in diesem Sommer eine Prüfung in einer solchen Zusatzqualifikation erfolgreich abgelegt. Mit Hilfe von weiteren Anpassungen der Ausbildungsordnungen sollen bis August nächsten Jahres auch die vier IT-Berufe grundlegend modernisiert werden. Bis zum Jahr 2020 wird auch der Beruf Bankkaufmann modernisiert, indem er konsequenter am Kunden ausgerichtet wird. So sollen digitale Geschäftsprozesse stärker berücksichtigt werden. Ebenfalls bis dahin werden die Laborberufe Biologielaborant, Chemielaborant und Lacklaborant an die neuen technologischen Entwicklungen angepasst.

Auch in der höheren Berufsbildung, der so genannten Aufstiegsfortbildung, werden die Berufsprofile erneuert und ganz neue Profile entstehen, wie zum Beispiel der geprüfte Meister – Vernetzte Industrie. Schließlich wirkt sich die Digitalisierung auch auf die Erstellung der Prüfungsaufgaben aus. Die IHK Stuttgart erstellt einen Großteil aller technischen Prüfungsaufgaben in der Ausbildung für die Mehrheit der IHKs und auch für das Handwerk bundesweit. Auch im Ausland gibt es inzwischen nicht wenige Abnehmer. „Betriebe können sich mit ihrem Qualifizierungsbedarf und ihren Modernisierungs-Hinweisen an ihre IHK wenden“. Ihre Anforderungen werden entweder in die Verfahren auf Bundesebene eingespeist oder geprüft, ob eine regionale Entwicklung möglich ist.

Neue Ausbildungsordnungen und ganz neue Berufe

Auch das Projekt „Digiscouts“ stößt bei immer mehr Betrieben auf Interesse. Dabei spüren junge Menschen in Ausbildung Digitalisierungspotenziale im Unternehmen auf und setzen diese in die Praxis um. Schon über 18 Auszubildende in acht Digiscout-Projekten haben das im letzten Jahr unter Beweis gestellt. Für Herbst 2019 stehen weitere 20 Plätze zur Verfügung.

Daneben gibt es aber auch mahnende Worte, dass der Umbau der Ausbildungsberufe nicht schnell genug voranschreitet. Fast die Hälfte der Auszubildenden sieht sich nicht genügend auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien vorbereitet. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2019 der Jugend-Abteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervor. Demnach sehen sich viele Auszubildende durch ihre Berufsausbildung nur unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet.

Zwar geben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur 54 Prozent der Jugendlichen sehen sich während ihrer Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien auch zu nutzen. Mit der Dauer der Ausbildung sinken diese Werte sogar noch. Während im ersten Lehrjahr noch mehr als drei Viertel (75,3 Prozent) der Auszubildenden optimistisch sind, was ihre Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt angeht, sind es kurz vor der Abschlussprüfung nur noch 60 Prozent (60,4 Prozent).

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sagte: „Diese Zahlen machen uns Sorge. Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen. Überdies gilt es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren. Die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) sollte dafür dringend modernisiert werden.“ DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte sagte: „Zu einer guten Ausbildung gehören eine bessere technische Ausstattung und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen ebenso dazu, wie besser qualifiziertes Lehrpersonal und Breitbandanschlüsse für die Berufsschulen“. Nur ein Drittel (34,9 Prozent) der Auszubildenden beurteilt die digitale Ausstattung ihrer Berufsschule als sehr gut oder gut. Ebenfalls ein Drittel (32,7 Prozent) sieht sich durch den Berufsschulunterricht nur ausreichend oder mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien gerüstet.

Auszubildende fühlen sich schlecht vorbereitet

Enorme Unterschiede gibt es offenbar zwischen großen und kleinen Betrieben. Während 70 Prozent der Auszubildenden in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sagen, sie werden gezielt für digitale Technologien qualifiziert, sind es in kleinen Betrieben mit 5 bis 10 Mitarbeiter nur 45 Prozent.

Zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt sagte Hannack: Der Ausbildungsmarkt zerfällt zunehmend in parallele Welten. Auf der einen Seite steigt die Zahl der unbesetzten Plätze – es sind mittlerweile fast 58 000 –, auf der anderen bleiben die Regionen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt. Zu einer besseren Ausbildungsqualität müsse auch die Politik ihren Teil beitragen, sagte Bundesjugendsekretärin Manuela Conte, der vorliegende Gesetzentwurf für die Novelle des Berufsbildungsgesetzes müsse dringend nachgebessert werden. Die DGB-Jugend fordert zudem, die Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule abzuschaffen, die Azubis außerdem für die Prüfungsvorbereitung freizustellen und die Ausbildung generell kostenfrei zu gestalten – auch was die Ausstattung mit Laptops, Tablets und anderen mobilen Endgeräten angeht. Erstmals waren bei der Umfrage weniger als 70 Prozent der Auszubildenden (69,9 Prozent) mit ihrer Ausbildung zufrieden. Allerdings gibt es bei den Bewertungen jedoch zum Teil ganz erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen.

So sind etwa Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker und Industriekaufleute in der Regel über den Durchschnitt mit den Gegebenheiten in ihrem Ausbildungsbetrieb zufrieden. Dagegen bewerten Hotelfachleute, Köche sowie Auszubildende in einigen Teilen des Handwerks ihre Betriebe häufig als mangelhaft. Negative Bewertungen können schnell auf die Firmen, ja sogar auf die ganze Branche durchschlagen. Manuela Conte: „Wo die Ausbildungsbedingungen und die Vergütung schlecht ist, sind in der Regel auch die Abbruchquoten hoch und die Arbeitgeber haben dann häufig auch große Schwierigkeiten ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.“

Die Ergebnisse der Studie haben durchaus Gewicht, denn an der repräsentativen Befragung haben sich insgesamt 16 181 Auszubildende aus dem gesamten Bundesgebiet in den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt.

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