Sonderveröffentlichung

Zehn Jahre Netzwerk der Palliativversorgung Lebensqualität am Lebensende – zehn Jahre Palliativnetz Ulm

Das Palliativnetz Ulm (PNU) betreut seit zehn Jahren Patienten mit schweren, unheilbaren Erkrankungen in ihrem gewohnten Umfeld.

Petra Nadja Dukal, Frank Junginger und Martina Seng vom Koordinationsteam stehen stellvertretend für die über zwei Dutzend Palliativ-Care-Pflegefachkräfte und Ärzte der PNU. FOTO: LARS-ERIC HERFURTH

16.11.2020

Menschen mit nicht heilbaren weit fortgeschrittenen Erkrankungen und einer begrenzten Lebenserwartung soll es ermöglicht werden, die letzte Phase ihres Lebens gut versorgt selbstbestimmt in der häuslichen Umgebung zu verbringen, wenn sie dies wünschen. Schwerstkranken ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung zu ermöglichen war das Ziel der 28 Gründungsmitglieder, die am 11. November 2009 den gemeinnützigen Verein „Ambulante Palliativversorgung Ulm APU e.V.“ aus der Taufe hoben.

Binnen eines Jahres formierte sich aus der APU mit dem Palliativnetz Ulm (PNU) ein multiprofessionelles Team zur Umsetzung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), die bereits seit dem Jahr 2007 im Sozialgesetzbuch V gesetzlich verankert ist und damit von den Kostenträgern übernommen wird.

Ambulante Palliativversorgung Ulm e. V.

Mit dabei waren die Allgemeinärztin Stephanie Rapp, die zur ersten Vorsitzende gewählt wurde. Die Oberärztin in der Hämatologie/Internistische Onkologie und im Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) des Universitätsklinikums Ulm – als Bindeglied zwischen stationärer Hochleistungsmedizin sowie ambulanter Versorgung – Dr. Regine Mayer-Steinacker, wurde zweite Vorsitzende. Weitere palliativmedizinisch engagierte niedergelassene Haus- und Fachärzte, spezialisierte ambulante Pflegedienste, der Hospizverein sowie das Universitätsklinikum mit der Brückenpflege und dem CCCU gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Sehr früh erhielt das PNU tatkräftige Unterstützung durch den Apotheker Timo Ried.

Im Verbund mit den Krankenkassen

Vor zehn Jahren, am 11. November 2010, unterzeichnete das Palliativnetz Ulm mit den Krankenkassen den Vertrag zur spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Er regelt seitdem die Versorgung von Patienten mit einer schweren, unheilbaren Erkrankung im weit fortgeschrittenen Stadium, die aufgrund besonders belastender oder komplexer Symptome eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, und die in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld oder in ihrer Pflegeinrichtung verbleiben möchten. Die SAPV ergänzt das bereits bestehende Versorgungsangebot.

Das Team des PNU besteht aus hochspezialisierten Pflegekräften und Ärzten, einer Psychoonkologin und Seelsorgern. Der Fokus liegt auf der palliativen Pflege und medizinischen sowie psychosozialen Betreuung von unheilbar und fortgeschritten erkrankten Menschen mit ihren Angehörigen. Da diese Dienste oft Menschen mit ganzheitlich schwierigen Bedürfnissen betreuen, besitzen alle Beteiligte ein hohes Maß an Aus-und Weiterbildung in „Palliative Care“.

Im Palliativnetz Ulm sind das CCCU, die Palliativstation des Universitätsklinikums Ulm, die Brückenpflege sowie das ambulante und stationäre Hospiz Ulm e.V. direkt verbunden mit den im Palliativnetz aktiven ambulanten Pflegediensten St. Anna Stift Ulm, der Alten- und Krankenpflege AK Ulm, der freien Pflegepraxis Ulm sowie dem PGS Pflegedienst Beimerstetten und Blaustein. Zwischenzeitlich versorgen sie annähernd 300 Patienten pro Jahr.

Um die Lebensqualität und auch die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern, ist es ein wichtiges Vereinsziel, Patienten und ihre Angehörigen umfassend und detailliert über palliative Einrichtungen und deren Leistungsangebote zu informieren. Außerdem wird die vernetzte Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure durch gemeinsame Fortbildungen gefördert. Beispielsweise organisiert der Anästhesist und Schmerztherapeut Dr. Jens Hauke die vierteljährlich stattfindende Ulmer Palliativkonferenz für interessierte ärztliche Kollegen aus Ulm und Umgebung. Ein interdisziplinärer Qualitätszirkel wird regelmäßig aller zwei Monate vom Gastroenterologen, Hämatologen und Onkologen Dr. Volker Kächele organisiert.

Konkreter Ablauf der Betreuung

Nach Voranmeldung und Verordnung durch die betreuenden Haus-, Fach- oder Klinikärzte nehmen die Koordinatoren Kontakt mit den Betroffenen oder ihren Angehörigen auf und erfassen die individuellen Probleme, die Rahmenbedingungen und die eingebundenen Personen und Einrichtungen. Im Rahmen regelmäßiger – oft auch gemeinsamer – Hausbesuche durch die spezialisierten Pflegefachkräfte und Ärzte des PNU werden dann detaillierte Behandlungs- und Notfallpläne erstellt um besonders belastende Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Angst zu verhindern oder zumindest zu lindern. In Ergänzung der meist schon bestehenden hausärztlichen und pflegerischen Versorgung wird zudem eine 24-Stunden Einsatz- und Rufbereitschaft mit der Möglichkeit der medizinischen, psychologischen oder seelsorgerischen Krisenintervention vorgehalten.

Über Details und das Versorgungsgebiet gibt die Website www.apu-ev.de Auskunft. Hier können Ärzte auch die „Verordnung spezialisierte Palliativversorgung“ (Muster 63) herunterladen. pm

Info:

Zehn Jahre Palliativnetz Ambulante Palliativversorgung Ulm
Blaubeurer Straße 88
89077 Ulm
Tel.: 0731 880 333-0