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Was Experten raten Individuelle Gelenkchirurgie: „Die Indikation muss stimmen“

  

Gelenkzentrum UlmPriv.-Doz. Dr. med. Peter Keppler

27.03.2020

Wissenschaftszentrum Schloss Reichenburg, 1997. Dr. Peter Keppler veranstaltet mit Dr. Strecker und Dr. Suger den ersten deutschen Kurs zur Analyse und Korrektur von Deformitäten. Es geht um Beindeformitäten, wie etwa X- oder O-Beine. Im Saal befinden sich 30 erfahrene Mediziner aus der Chirurgie und Orthopädie. Jeder hat einen ausgewiesenen Arbeitsplatz. Jetzt geht es darum, genaue, präoperative Planungen zu erarbeiten. Alle Mediziner im Saal haben ein Ziel: Der Patient soll eine individualisierte und optimale Lösung angeboten bekommen. 

Herr Dr. Keppler, seit über 20 Jahren befassen Sie sich klinisch und wissenschaftlich mit der Gelenkchirurgie. 1997 haben Sie einen Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Unfallchriruge für ein Ultraschall-Navigationssystem zur Analyse der Beingeometrie erhalten und kontinuierlich weiterentwickelt. Bitte beschreiben Sie die Idee sowie die Umsetzung.

Ich war damals in der Kindertraumatologie. Fehlstellungen sind vor allem bei Brüchen im Bereich der Beine wegen der daraus resultierenden Fehlbelastung wichtig zu erkennen. Die Frage lautete: Wie kann man die Beinachse, Länge und Drehung (Torsion) ohne Röntgenstrahlen genau vermessen? Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, durch das Wachstum kann sich eine Fehlstellung korrigieren oder bestehen bleiben. Durch die Kombination eines Ultraschallgerätes mit einem Navigationssystem war es erstmals möglich, die Länge, Achse und Torsion des Beines ohne Strahlenbelastung zu messen. Doch die Entwicklung bleibt nicht stehen. Inzwischen können diese Messungen mit dem Kernspintomographen durchgeführt werden.
         

Mediziner beim Kurs zur Analyse und Korrekur von Beideformitäten. Foto: Dr. Keppler
Mediziner beim Kurs zur Analyse und Korrekur von Beideformitäten. Foto: Dr. Keppler

Einiges hat sich im Verständnis und bei der Behandlung von erworbenen und angeborenen Fehlstellungen grundlegend geändert. Frühzeitige minimal-invasive Operationstechniken im Kindesalter können spätere, aufwendige Operationen ersetzen, wie Sie sagen.

Wenn eine Fehlstellung bei Kindern vorliegt, sollte man diese kontrollieren. Seit zwei Jahren gibt es eine spezielle orthopädische Vorsorgeuntersuchung. Bei Kindern zwischen 10 und 12 Jahren kann man in Abhängigkeit von der Fehlstellung diese minimal-invasiv, mit wenig Aufwand, korrigieren. Beim Erwachsenen ist der Aufwand wesentlich höher. Hier muss mit einer Krankheitsdauer zwischen acht und zwölf Wochen gerechnet werden.

Bitte geben Sie einen Ausblick.

Nichts ist beständiger als die Veränderung! Dies trifft vor allem auf die Deformitätenkorrektur zu. Neue biomechanische Erkenntnisse, wie die Analyse des Gangbildes, neue Implantate und OP-Techniken sowie digitale Planungstools haben die Korrektur von Beindeformitäten verändert. Der künstliche Gelenkersatz ist dann notwendig, wenn das Gelenk vollständig zerstört ist. Bei modernen Hüftgelenksimplantaten kann man heute mit einer Standzeit von circa 20 Jahren rechnen. Wegen der komplexen Biomechanik des Kniegelenks beträgt die Standzeit bei Kniegelenkprothesen circa 15 Jahre.

Die Ansprüche der Patienten steigen stetig und auch die Lebenserwartung. Auch im Alter möchte man mobil und sportlich aktiv sein. Deshalb ist eine individuelle Gelenkchirurgie die beste Voraussetzung für ein optimales Langzeitergebnis. Die Indikation, der gewählte Eingriff, muss stimmen!

Zur Person

- Priv.- Doz. Dr. med. Peter Keppler hat Patente für eine Apparatur zur Vermessung der Beingeometrie angemeldet. Seit 23 Jahren beschäftigt sich der Gelenkchirurg mit der Deformitäten-Analyse. Im Oktober 2020 findet der 22. Kurs zur Analyse und Korrektur von Beindeformitäten (www.deformitaetenkurs.de) unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Keppler statt. In seiner Freizeit tankt der Gelenkchirurg beim Klettern und Mountainbiken Energie auf.

- Im Gelenkzentrum Ulm werden konservative Behandlungen der großen Gelenke, Gelenkspiegelungen, operative Methoden zur Korrektur von Beindeformitäten sowie Hüft- und Kniegelenkersatz durchgeführt.

Kontakt

Individuelle Gelenkchirurgie: „Die Indikation muss stimmen“ Image 2

Gelenkzentrum Ulm
Sedanstr. 124
89077 Ulm

E-Mail: info@gelenkzentrum-ulm.de
Tel.: 0731 936 26 850
www.gelenkzentrum-ulm.de (Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Dr. Peter Keppler.)


Die Kunst, nicht zu operieren

Sportklinik StuttgartPriv.-Doz. Dr. med. habil. Raymond Best; Chefarzt DepartmentSportorthopädie / Sporttraumatologie „Untere Extremität“
Sportklinik Stuttgart
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Raymond Best; Chefarzt Department
Sportorthopädie / Sporttraumatologie „Untere Extremität“

Er bewegt Deutschland. Wenn es um den Spitzensport geht, steht bei Dr. Raymond Best, Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart und Chefarzt des Departments Sportorthopädie der Sportklinik Stuttgart, fest: „Wo Sport draufsteht, ist auch Sport drin.“ In der Sportklinik werden jährlich rund 6.000 Operationen durchgeführt, hinzu kommen 30.000 ambulante Behandlungen. Der leistungsorientierte Sport steht dabei im Fokus. Die Klinik übernimmt die sportmedizinische Betreuung von 21 Vereinen, vier davon auf Bundesligaebene. „Ein Klientel, das seine Beweglichkeit lange erhalten will.“

Im Department „Untere Extremität“ werden unter der Leitung von Chefarzt Best sporttraumatologische und unfallchirurgische Verletzungen behandelt. Im Fokus stehen Band-, Meniskus-, Knochen-, Muskel- und Knorpelverletzungen. „Das Gelenk soll erhalten werden“, stellt der prominente Sportmediziner das übergeordnete Ziel klar. Gelenkrekonstruierende Maßnahmen können konservativ oder operativ erfolgen. „Bei einem Trauma wurde etwas verletzt, ist gebrochen oder gerissen. Ein Belastungsschaden, den beispielsweise ein Läufer erleiden kann, fällt unter den Bereich der Orthopädie“, grenzt Dr. Best die medizinischen Disziplinen ein.

Immer am Ball bleiben

Gerade bei Mannschaftssportarten mit vielen Richtungswechseln – im Basketball, Handball, Tennis und Fußball – gehen jährlich etwa 1,5 Millionen Verletzungen in die innerdeutsche Statistik ein. Ein Drittel geht auf das Konto Fußball. Wie sehen die Behandlungserfolge im Spitzenfußball aus? „Vom Bauplan her sind wir alle gleich. Wenn sich Mario Gomez einen Knochen gebrochen hat, dann ist der Knochen genau so geschädigt wie bei anderen Menschen auch. Entscheidend sind im Spitzenfußball allerdings die zeitlich umfangreichen Rehabilitationsmaßnahmen von Tag eins an. „Der Beruf des Spitzensportlers hängt schließlich davon ab.“

Eine der häufigsten Verletzungen in der Sporttraumatologie ist der Meniskusriss. Seit 2016 wird nicht mehr jeder Meniskusriss operiert. „Hier eignen sich konservative Methoden wie Krankengymnastik, Spritzen und spezielles Aufbautraining, vorausgesetzt die Verletzung bringt keine Schwellungssymptome mit sich.“


"Geduld, Disziplin und funktionsbasierte Ziele zahlen sich aus."

Dr. Raymond Best
Chefarzt Sportorthopädie/Sporttraumatologie


Schneller Einsatz am Spielfeldrand: Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best
Schneller Einsatz am Spielfeldrand: Mannschaftsarzt Dr. Raymond Best

Die Ultima Ratio der Operation

„Die Operation muss immer die beste oder die letzte Option sein“, sagt Dr. Best mit Nachdruck. Das habe er einst als junger Chirurg von einem erfahrenen Operateur gelernt. Verletzungen werden so atraumatisch wie möglich behandelt. Auch kommen sogenannte minimal-invasive Operationen in Frage. Diese Operationsmethoden zeichnen sich durch schnellere, gewebeschonendere und risikoärmere Vorgehensweisen aus. Mittels einer Kamera und speziellen Instrumenten können Operateure wie Best Gelenkschäden ohne große Schnitte operieren. Je nach Trauma und Folgen kann es mehrere Monate bis zur vollen körperlichen Belastbarkeit dauern. Genesungsprozesse bei Knochen und Bändern brauchen ihre Zeit. „Was sich hier auszahlt: Geduld, Disziplin und vor allem funktionsbasierte Ziele. Früher war man bestrebt, den verletzten Sportlern eine Zeitprognose bis zur vollständigen Rehabilitation vorzugeben. Konnten diese Ziele nicht erreicht werden, war der Sportler enttäuscht und desillusioniert. „Es ist nicht sinnvoll, einem Fußballspieler zu sagen: Nach sechs Monaten bist du wieder am Ball. In der funktionsbasierten Reha erfolgt die Rückkehr zum Sport in vier Stufen. „Return to Agility“ bedeutet leichtes Training, wie Fahrrad fahren. Ist Stufe eins erledigt, wendet man sich der nächsten, in diesem Falle „Return to Sport“, zu. Hier ist Lauftraining angesagt. Bei „Return to Play“ geht der Fußballer wieder an den Ball – mit leichtem Gegnerkontakt. Erst in der vierten und letzten Stufe, „Return to Competition“ steht der Wettkampfmodus wieder auf dem Plan.

Es geht darum, konservativ oder operativ dem Patienten individuell gerecht zu werden, um ihn wieder in Bewegung zu bringen. Und die größte Kunst zu operieren? „Ist nicht zu operieren.“

Über die Sportklinik Stuttgart

- Die Klinik versteht sich als überregionale Fachklinik für orthopädische Chirurgie, Unfallchirurgie und Sportmedizin.

- Ziel der Sportklinik ist es, auf diesem Gebiet zu den Führenden zu gehören, innovativ tätig zu sein und im Zusammenspiel von Diagnostik (u.a. Offenes MRT), Therapie und Nachbehandlung den Qualitäts-Maßstab vorzugeben.

Kontakt

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Sportklinik Stuttgart GmbH
Taubenheimerstr. 8
70372 Stuttgart

E-Mail: info@sportklinik-stuttgart.de
Tel.: 0711 5535-0
www.sportklinik-stuttgart.de

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