Sonderveröffentlichung

Internetadressen aus der Region Langzeitarchivierung mit System

Wer wichtige geschäftliche Unterlagen oder auch Fotos lange aufbewahren möchte, braucht nicht nur die richtigen Medien, sondern auch eine Strategie für die Langzeitarchivierung.

Gesicherte Daten sollten auch in vielen Jahren noch abrufbar sein. Foto: Jirsak/shutterstock.com

17.11.2020

Viele Dokumente existieren nur noch digital. „Doch vielen Anwendern ist gar nicht bewusst, dass auch digitale Daten verloren gehen können“, erklärt IT-Experte und c’t-Redakteur Christof Windeck. „Sei es durch den Defekt einer Festplatte oder die Alterung einer DVD.“ Daher sollte die Langzeittauglichkeit des Speichermediums bedacht werden. „Festplatten, die in einwandfreiem Zustand eingelagert werden, lassen sich nach fünf Jahren Lagerzeit mit hoher Sicherheit auslesen“, versichert Windeck. „Wahrscheinlich funktionieren die meisten Exemplare erheblich länger.“ Der Experte rät dazu, das Archiv nach spätestens zehn Jahren auf frische Datenträger zu kopieren.
       

Selbstgebrannte Discs halten nicht ewig

Selbst gebrannte Blu-ray-Discs und DVDs sind als Langzeitarchiv nicht geeignet, weil sie sich in ein paar Jahrzehnten wahrscheinlich nicht mehr lesen lassen. Die M-Disc hingegen soll 1000 Jahre halten – verspricht zumindest der Hersteller. Ob dann noch passende Laufwerke, Anschlüsse und Betriebssysteme verfügbar sind, ist eine andere Frage.

Daher taugt die M-Disc nach Ansicht von Experten nur als Zusatzversicherung. Auch Cloudstorage kann eine Archivierungsstrategie sinnvoll ergänzen. Dateien müssen in schlau gewählten Formaten abgespeichert sein, wenn sie nach 30 Jahren noch nützlich sein sollen. Darüber hinaus ist es hilfreich, auch Programme mit ins Archiv zu packen, welche die konservierten Dateien lesen und anzeigen können.
       

Für fast alle elektronischen Daten, die ausgedruckt werden könnten – also Briefe, Diplomarbeit, Excel-Tabellen, gescannte Dokumente – bietet sich das zur Archivierung gedachte PDF-Format PDF/A an. „Es hat eine offengelegte Spezifikation und ist weit verbreitet, was die Chancen erhöht, dass es in vielen Jahren noch lesbar sein wird“, so Windeck. Bei Multimediadaten ist es schwieriger, das optimale Dateiformat zu wählen, denn gerade bei Video gibt es häufiger Neuerungen. Glücklicherweise gibt es Open-Source-Software wie den VLC Player des VideoLAN-Projekts, den man im Quellcode herunterladen und ebenfalls archivieren kann. pm
 

Die wichtigsten Abkürzungen

M-Disc – Millennial Disc

PDF – Portable Document Format

PDF/A – Portable Document Format Level A

VLC-Player – VideoLAN Client

LAN – Local Area Network

Bequem aber nicht sicher

Dieselben Zugangsdaten, also Benutzername und Passwort, bei mehreren Diensten einzusetzen geht nur so lange gut, wie keiner der Dienste einer Hackerattacke zum Opfer fällt. Etliche bekannt gewordene Fälle scheinen darauf hinzudeuten, dass „Credential Stuffing“ als Angriffsmaßnahme derzeit besonders beliebt ist. „Dabei wird die technische Infrastruktur eines Dienstes nicht angegriffen“, so Jo Bager, Experte der Fachzeitschrift c’t. „Vielmehr setzen die Angreifer auf eine sehr menschliche Schwäche der Anwender und nutzen Zugangsdaten, die beim Hack auf andere Dienste erbeutet wurden.“

Ein Zufallsfund ermöglicht einen Blick darauf, wie die Angreifer vorgehen. Ein Leser hat auf einen offen zugänglichen Webserver aufmerksam gemacht. Dort lagen Dateien mit Zugangsdaten von knapp einer Million deutscher und rund 38 Millionen französischer Kunden einer online Secondhandplattform. „Credential Stuffing ist aus der Sicht des Betreibers eines Online-Dienstes schwer auszumachen“, betont Bager. Jeder hat es selbst in der Hand, die eigenen Accounts zu schützen: „Man sollte für jeden Dienst ein anderes Passwort nutzen. Passwort Manager wie Kee-Pass sind dabei hilfreich“, so der Experte. pm