Sonderveröffentlichung

Land- und Forstwirtschaf Bedrohung durch Pilze, Trockenheit und Co.

  

Die jahrelange Trockenheit setzt den heimischen Wäldern mächtig zu. Selbst Baumarten, die als relativ robust gelten, kommen an ihre Grenzen. Foto: Steffen Schellhorn/epd

15.10.2020

Der Klimawandel hat die Wälder in Baden-Württemberg fest im Griff. Nach dem Waldzustandsbericht 2019 gelten aktuell 43 Prozent der Waldfläche im Land als deutlich geschädigt. Ein Notfallplan soll helfen.

Fast 40 Prozent der Fläche Baden-Württembergs sind bewaldet. An diesen Wald stellt die heutige Gesellschaft hohe Ansprüche. Er soll Holz liefern, Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten, zu Spaziergängen einladen, für saubere Luft, ein ausgeglichenes Klima und frisches Wasser sorgen und den Boden schützen. Diejenigen, denen der Wald gehört, erwarten zudem, dass sie ihren Wald wirtschaftlich nutzen können, nicht zuletzt, um mit den Erträgen die notwendige Waldpflege finanzieren zu können. Das alles wurde in den vergangenen Jahren aber immer schwieriger.

Schuld daran ist der Klimawandel, der die Wälder im Land fest im Griff hat. „Dürre und Borkenkäfer schädigen unsere Bäume auf großer Fläche. Nach der extremen Hitze und Dürre im Jahr 2018, die zu einer weitgehenden Austrocknung vieler Waldböden und zu starken Schäden an den Bäumen führte, zeigten sich 2019 erhebliche Schäden in den Wäldern“, sagte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, anlässlich der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2019 Ende vergangenen Jahres. Die mittlere Kronenverlichtung der Wälder im Ländle sei mit 27,5 Prozent auf den bisherigen Höchststand der gesamten Aufnahmeperiode seit 1985 gestiegen. Damit wird der sichtbare Nadel- oder Blattverlust bezeichnet, was als Indiz für den Zustand des Baumes dient. „Gegenüber der bereits im Vorjahr angestiegenen Kronenverlichtung bedeutet dies eine weitere Erhöhung um 2,6 Prozentpunkte. Insgesamt gelten damit aktuell 43 Prozent der Waldfläche im Land als deutlich geschädigt“, erläutert Hauk.

Schädlinge auf dem Vormarsch

Der Bericht zeigt auch auf, dass Baumarten wie die Tanne, die seither als weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, nach zwei Trockenjahren in Folge an ihre Grenzen kommen. „Selbst die Eiche und auch die bei uns weit verbreitete Buche zeigen deutliche Schäden und verursachen mit absterbenden Ästen und Kornenteilen eine große Gefahr für Waldbesucher und Waldarbeiter“, erklärte der Forstminister. Hinzu kommt, dass sich einst seltene und unbeachtete Schädlinge stark vermehren. Das Eschentriebsterben, die Ahorn-Rußrindenkrankheit, die Eichenfraßgesellschaft und die Kiefernkomplexkrankheit seien Problemfelder, die sich laut Waldzustandsbericht immer weiter ausbreiten. Die Landesregierung setzt deshalb bereits seit langem auf standortangepasste und naturnah bewirtschaftete Mischwälder. Diese seien in Zeiten ungewisser Klimaentwicklungen ideal, erläutert Peter Hauk. „Diesen Weg werden wir weiter aktiv gestalten“, ergänzt er.

Damit die Wälder in Baden-Württemberg ihre vielfältigen Aufgaben auch in Zukunft erfüllen können und dieser Lebensraum erhalten wird, hat die Landesregierung einen Notfallplan erarbeitet. Er soll den betroffenen Waldbesitzern im Land beim Wiederaufbau ihrer geschädigten Wälder mit den richtigen Baumarten helfen, sagt Minister Hauk. Im Notfallplan sind kurzfristige Maßnahmen enthalten. Dazu zählt unter anderem, dass Förderungen ausgeweitet werden sowie mehr Finanzmittel für die Aufarbeitung der Schäden zur Verfügung stehen. Zudem soll es künftig mehr Forstpersonal geben. pm