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Unsere Umwelt Auch Putzaktion muss warten

Umwelt: Stinkende Tüten, volle Babywindeln, alte Autoreifen – was alles achtlos weggeworfen wird, ist kaum zu glauben. Die 18. Auflage von „Let’s putz“ musste allerdings wegen des Virus abgesagt werden.

Auch Putzaktion muss warten

Ob jung oder alt: Die Dorfgemeinschaft um Ortsvorsteher Horst Philipp war noch im vergangenen Jahr in Jagstheim zum Putzen unterwegs. Archivfoto: Birgit Trinkle

25.03.2020

Wir finden es gut, dass es die Stadtputzete gibt. Nicht nur, weil wir schulfrei haben, sondern weil dann auch Crailsheim sauberer wird. Außerdem ist es gut für die Umwelt“, meinten Joyce Halici und Albjona Ceka von der Leonhard-Sachs-Schule in Crailsheim. Es nerve sie aber, dass sie den Müll von anderen aufräumen müssten. „Würde nicht jeder seinen Abfall unachtsam auf den Boden werfen, müssten wir ihn nicht jetzt aufklauben.“

Baubetriebshof koordiniert

„Wir wollen einmal im Jahr die Bürger an einer sauberen Stadt beteiligen. Die Kinder und Jugendlichen möchten wir zudem für eine saubere Umwelt sensibilisieren“, so Susanne Kröper-Vogt, Ressortleiterin Soziales und Kultur. Im gesamten Stadtgebiet und den Ortsteilen von Crailsheim wird normalerweise am Aktionstag geputzt. In diesem Jahr hätte „Let’s putz“ bereits zum 18. Mal stattgefunden, musste aber wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt werden.

Die Organisation und Koordinierung der gesamten Putzaktion übernimmt das Sachgebiet Kultur in Zusammenarbeit mit dem Baubetriebshof. Die potenziellen Helfer werden angeschrieben. Dies sind Schulen, Kindergärten und Vereine, aber auch Privatpersonen. Sie melden sich dann zurück, mit wie vielen Personen sie in welchem Gebiet und wann sie teilnehmen.

Insgesamt waren es im Vorjahr über 1200 Menschen, die mithalfen. Bei der Stadtputzete kamen so rund 42 Kubikmeter Müll zusammen. Hinzu kam Sperrmüll wie Autoreifen, Möbelteile, Schrott oder Farbreste, „Unserer Ansicht nach hat die Vermüllung zugenommen“, hat Johannes Köder, Leiter des Baubetriebshofs, beobachtet.

Im ersten Jahr dieser Aktion sei allerdings das Müllaufkommen noch größer gewesen, „aber das lag vielleicht an der Motivation der Sammler und vor allem auch daran, dass seither kontinuierlich diese Aktion alle Jahre stattfindet“.


"Wir wollen die Bürger an einer sauberen Stadt beteiligen und Jugendliche für eine saubere Umwelt sensibilisieren."

Susanne Kröper-Vogt
Ressortleiterin Soziales und Kultur


Illegale Müllablagerungen

Bei den illegalen Müllablagerungen sei alles Mögliche zu finden wie beispielsweise Nachtspeicheröfen, Möbel, Reifen oder auch Kühlschränke. „Dabei handelt es sich überwiegend um Dinge, die bei einer ordnungsgemäßen Entsorgung Geld kosten würden“ hat Köder festgestellt. „Generell versuchen wir hier gemeinsam mit dem Gemeindevollzugsdienst einen Verursacher zu ermitteln, was uns ab und zu gelingt.“

Von Anfang an dabei

Auch Ulrich Kern ist Fan von dieser Aktion. „Wir waren von Anfang an dabei. In diesem Jahr hätten unsere Fünftklässler rund um das Schulgebäude den Müll in einer Doppelstunde gesammelt“, so der Schulleiter der Crailsheimer Realschule am Karlsberg. Wegen des Coronavirus wurde die Putzaktion allerdings abgesagt. Die Schüler bekamen in den vergangenen Jahren einen Einsatzplan, sodass es keine Überschneidungen mit anderen Gruppen gab. Der Bauhof besorgte zudem leere Müllsäcke, Handschuhe, Greifzangen und Warnwesten für die Sicherheit. Und für alle fleißigen Helfer gab es auch noch ein kleines Vesper.

Begleitend dazu gab es im Vorjahr einen Unterrichtsblock zum Thema „Müll und Ordnung“ und extra Klassenlehrerstunden. Hier bekamen die Schüler Informationen, wie man Müll richtig trennt oder ganz einfach, dass man Müll nicht einfach wegwirft, sondern in der Mülltonne entsorgt. In jedem Unterrichtsraum der Realschule gibt es ein Mülltrennsystem. Die Kinder lernen im Unterricht zudem, was es für Folgen hat, den Abfall einfach in der freien Natur zu entsorgen. „Die Überzeugung für richtige Müllentsorgung können wir als Institution natürlich nicht alleine vermitteln. Am wichtigsten ist die Erziehung in der Familie und die Vorbildfunktion der Erwachsenen“, weiß Kern.

„Umweltbewusstsein zu vermitteln, ist ein schwieriger und langwieriger Prozess.“ Let’s putz unterstützt diesen Prozess und Kern sieht auch schon erste Lernerfolge durch diese Aktion. „Jeder ist ein Teil der Gemeinschaft. Deshalb muss auch jeder seinen Teil dazu beitragen und zumindest um seinen eigen Hof herum kehren.“ Im Rahmen der Sozialstunden wird das ganze Jahr über das Pausengelände der Schule sauber gehalten. „Durch Greta Thunberg ist in den Medien eine größere Sensibilität für das Thema Umwelt vor allem bei den Jugendlichen entstanden“, sieht Kern in ihr einen positiven Transmitter für den Umweltschutz, der dadurch eine größere Bühne bekommt.

Ressourcen schonen

Im Kleinen werde das Thema in der Realschule schon seit vielen Jahren vorbildlich umgesetzt. Um Ressourcen zu schonen, wurden vor Kurzem beispielsweise Hefte mit einheitlichen Farben für jedes Fach festgelegt. Dadurch werden die Plastikfolien als Einband überflüssig. Zudem ersetzen Tabletts immer mehr Schulbücher. Und wenn es im nächsten Jahr (hoffentlich) wieder „Let’s putz“ heißt, dann sind die Realschüler aus Crailsheim auf jeden Fall wieder dabei. Von Ralf Mangold

Welche Umwelt?

Kolumne

Meine Umwelt umspannt heute den ganzen Erdball, weil Chinas plötzlich blau gewordener Himmel ebenso Twitter-Thema ist wie die Delfine in Venedigs Kanälen. Gut, dieses vieltausendmal bewunderte Foto wurde bei Sardinien aufgenommen, aber Venedigs Wasser ist jetzt tatsächlich sauberer, und ohne Not lass ich mir kein bisschen Hoffnung nehmen, dass doch noch alles gut werden kann. Dass Hoffnung und Wahrscheinlichkeit ein so lausiges Gespann sind, ist die große Tragödie der Menschheit, aber als Kind der 80er hab ich gelernt, dass das Mögliche nur erreicht, wer sich am Unmöglichen versucht.

Meine Umwelt gestern war Hohenlohe als Heimatbegriff mit dem Drachenwald als Herzstück: Wie gut, dass es derzeit nur ein Kontaktverbot gibt, kein Umweltverbot. Keine Leute zu sehen, ist okay: Aber was für ein Verlust wäre es, den Bärlauch nicht zu riechen, den zum Niederknien schönen Frühling nur durchs Fenster zu sehen, ohne ein Buschwindröschen zu fotografieren oder darauf zu warten, dass am Bach die Schlüsselblumen aufblühen.

Die ideale Umwelt für mich ist ganz sicher nicht der beste Lebensraum für Nacktschnecken und Teichkarpfen, wahrscheinlich noch nicht mal für die meisten Menschen. Beim Blick auf die – heuer abgesagten – Putzeten wird mir aber bewusst, wie wichtig die Dinge sind, die meine Umwelt mit der anderer Menschen verbinden. Müll einzusammeln etwa, in Gruppen oder einzeln, organisiert oder beim täglichen Spaziergang, tut dem gesamten Ökosystem gut, der Natur mit allem, was darin kreucht und fleucht.

Seltsamerweise finde ich im Wald so gut wie nie Müll: Wer sich die Zeit schenkt, Wege ohne Ziel zu gehen, geht offenbar achtsamer mit seiner Umwelt um. Mit unserer Umwelt.

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