Sonderveröffentlichung

Pferdemarkt-einmal-anders Immer wieder Neues im Programm

Wandel: 1928 startet der Pferdemarkt als eintägige Veranstaltung. In den zurückliegenden 25 Jahren baute der Pferdemarktausschuss das Stadtfest zu einem Vier-Tage-Event von Freitag bis Montag aus.

Vor 20 Jahren stand erstmals die Präsentation Ross und Forst auf dem Programm des Gaildorfer Pferdemarkts. Der Fuhrmannstag entwickelte sich zu einer Institution und zu einem der Publikumsmagneten. Im Bild Peter Müller aus Enderbach mit seinem Percheron-Gespann. Foto: Archiv/Mathias Welz

4.02.2021

Der Pferdemarkt begann 1928 als eine eintägige Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen der Pferdehandel und der Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten. In der Nachkriegszeit hatte aber das Pferd bald keinen Platz mehr in der Landwirtschaft. Auch der Handel ging neue Wege. Der Pferdemarkt schlitterte in die Krise.

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Mit der Herausstellung von Zuchtstuten auf der Prämierung, dem Krämermarkt, dem Verkauf von Reitpferden durch den Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald und dem Festumzug gewann der Pferdemarkt Ende der 1960er-Jahre wieder an Attraktivität. Mit der mehrtägigen Landmaschinenausstellung, dem Fachvortrag zum Thema Pferd und dem Programm in der Reithalle wurde das Angebot stetig ausgeweitet. Der Pferdeprämierung am Montag schloss sich in einem Versuch eine Kutschenprämierung an. Es zeigte sich aber, dass die Zeit vor dem Umzug dafür nicht ausreichte.

Beim Familientreff in der Körhalle, den es seit 2014 gibt, haben vor allem die Kinder ihren Spaß. Foto: Archiv/Petra Natzkowski
Beim Familientreff in der Körhalle, den es seit 2014 gibt, haben vor allem die Kinder ihren Spaß. Foto: Archiv/Petra Natzkowski

So war der Fuhrmannstag geboren. Die Kutschenprämierung rückte auf den Samstag. Davor fand auf der Kocherwiese die Präsentation Ross und Forst statt. Dabei zeigten Holzrücker, was sie mit ihren starken Pferden alles können. Im Februar 2001 war es soweit: der Pferdemarkt-Samstag begann von nun an mit den Holzrückern und lockte die Menschen in die Stadt. Der Fuhrmannstag wurde schnell zum Publikumsmagneten und fortan – neben dem Umzug am Montag – zu einem der Höhepunkte des Gaildorfer Pferdemarkts.

Ein Schwachpunkt des Samstag- Programms blieb aber die Bewirtschaftung mit der Möglichkeit sich aufzuwärmen und zu verweilen. Die Zielrichtung für den Pferdemarktausschuss war klar: Die Körhalle sollte sich von der Ausstellungshalle für Traktoren und andere Landmaschinen zu einem Treffpunkt für Familien entwickeln. Es sollte aber bis zum Jahr 2014 dauern, bis diese Pläne erstmals umgesetzt werden konnten. Unter dem Motto „Trecker, Springer und Gespanne“ schuf Andrea Reksans mit Holz und Hackschnitzeln einen Kinderparcours, der mit großer Begeisterung angenommen wurde und meist dicht umlagert war.

„Wir wünschen uns, dass dies nur der erste Schritt ist, die Körhalle zum Anziehungspunkt zu machen“, so der Vorsitzende des Pferdemarktausschusses Martin Zecha nach der Premiere. Er und seine Mitstreiter strebten an, „dass die Halle in Zukunft immer mehr zu einem Anlaufpunkt wird, der zum längeren Verweilen einlädt“. Und das ist dem Ausschuss auch gelungen. jjs

Zehn Festwagen zur Premiere

1928 Der Festzug durch die Stadt und die Prämierung mit Züchtern jenseits der Grenzen des Oberamts.
     

Gaildorf. Mit Bangen sahen die Organisatoren dem ersten Pferdemarkt entgegen. Unbegründet, im Kocherboten war nach der Premiere zu lesen: „Mit etwas bangen Gefühlen sah die Stadt Gaildorf dem vom Pferdezuchtverein angeregten, von der Stadt beantragten und vom Wirtschaftsministerium genehmigten Unternehmen, der Einführung eines Pferdemarktes entgegen, um so mehr, als auch das Wetter in den letzten Tagen ein arg unfreundliches Gesicht machte. Um so mehr können wir uns im Rückblick freuen. Das Risiko ist ein voller Erfolg geworden. Die Stadt hat gezeigt, dass treue Zusammenarbeit auch Erfolg bringt und dass ein Pferdemarkt in Gaildorf eine wirtschaftliche Lebensfähigkeit und Lebensberechtigung hat.“

Zehn Vorreiter

Der unter der Leitung von Paul Friz stehende Festzug wurde durch zehn Vorreiter eröffnet. Der Festzug setzte sich aus zehn Festwagen zusammen. Damals stellten Firmen die Festwagen. Mit dabei waren 1928 die Brauerei Häberlen, Landesprodukt-Handlung Ludwig Dalacker mit einem Mehlwagen, Julius Dieterich (Kinderwagen und Korbmöbel), Sägewerk Förstner (Hobelware), die Firma Schupp (Heuwagen), Firma Butz „Linde“ mit einem Löwenbräu-Wagen, das Gipswerk Ottendorf, die Küferei Christian Conradt, Karl Armbruster vom „Bräuhaus“ (Münchner Thomasbräu), das Sägewerk Brandner mit einem Langholzwagen, die Bauernschaftsstube der Schreinerinnung sowie die Fírma Otto Schrenk mit dem „Bauern- Radfahrer“. Der erste Preis bei der Pferdeprämierung, zu der auch viele Züchter von außerhalb der Oberamtsgrenzen nach Gaildorf kamen, ging an den Hirschwirt Kühnle aus Mittelrot. jjs