Sonderveröffentlichung

Ortsportrait Gschwend Der Breitbandausbau führt zum Ausnahmezustand

Entwicklung Das größte Projekt ihrer Geschichte zwingt die Gemeinde in eine höhere Verschuldung. Geplante Maßnahmen müssen verschoben werden.

Wohnen, wo andere Urlaub machen: Im Baugebiet Badsee in unmittelbarer Nähe des Badsees wird rege gebaut. Foto: Karl-Heinz Rückert

1.10.2020

Zahlreiche Themen und Projekte bestimmen in der Gschwender Gemeindeverwaltung und im Gemeinderat Planung und Diskussion. Die finanziellen Auswirkungen schlagen sich auch im Haushalt der Kommune nieder. Eine besondere Herausforderung in technischer und finanzieller Hinsicht ist der anstehende flächendeckende Breitbandausbau mit Glasfasertechnik.

Die Kosten dafür liegen bei 16 Millionen Euro und Bürgermeister Christoph Hald geht davon aus, dass diese Investition zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert wird. In diesen Tagen hat sich die Annahme bestätigt. Die Gemeinde hat den Förderzuschuss des Bundes in Höhe von knapp 8,1 Millionen Euro zugesagt bekommen. Damit kann sie nun einen weiteren Zuschuss beim Land beantragen. Hier sind weitere 40 Prozent so gut wie sicher, sodass der Gemeinde letztlich ein Eigenanteil von etwa zwei Millionen Euro bleiben dürfte.

Nur mit Förderung zu stemmen

„Das größte Projekt, das Gschwend jemals schultern musste“, sagt der Bürgermeister, treffe die Gemeinde unverhofft. Sie müsse in die Verschuldung gehen, weil die Förderrichtlinien eine Vorfinanzierung verlangen.

„Ich bin froh, dass wir die Förderung bekommen, sonst könnte ich das nicht stemmen“, stellt Hald mit Erleichterung fest. Die pro Kopfverschuldung steige dadurch zwar von 250 Euro auf 2500 Euro, von der Kommunalaufsicht werde dies mitgetragen. Die Aufsichtsbehörde gestand auch zu, dass der Gschwender Haushalt in einer Übergangszeit von bis zu vier Jahren jeweils 500 000 Euro für Investitionen in die Infrastruktur im Wasser- und Abwasserbereich, sowie für Wegeunterhaltung einplanen kann.

Ohne Kostenbeteiligung

Der finanziellen Belastung durch den Breitbandausbau steht die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde gegenüber. Alle Grundstücke, die an der Strecke der Backboneleitung von Frickenhofen bis Horlachen liegen, können an die Glasfaserleitung angeschlossen werden. „Damit bekommen 76 von 84 Wohnplätzen Glasfaser ohne Kostenbeteiligung bis ins Haus“, freut sich Hald. Dadurch sei jeder Wohnplatz attraktiv für die Zukunft gerüstet. Die Finanzierung des Großprojekts bedinge allerdings, dass bereits geplante Projekte sich um drei bis vier Jahren verschieben.

Die Jahre 2020 und 2021 seien „Planjahre“. Spielplatzplanung und die Umgestaltung des Friedhofs mit neuen Urnenfeldern und Urnenstelen sollen in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung präsentiert werden. Zusammen mit Forst-BW steht auch eine zeitgemäße Neugestaltung des Märchenwaldes an.

Die Planung eines neuen Feuerwehrgerätehauses will die Gemeinde im Herbst angehen. Dessen Finanzierungs- und Planungskosten sollen ebenso wie die eines Umbaus des Rathauses in die Haushaltsplanungen einbezogen werden. „Es wird nicht langweilig“, merkt Hald an, und erwähnt den weiteren Abschnitt zum Baugebiet „Badsee“. Mit einer Ringstraße soll eine Anbindung an den Kreisverkehr in der Gaildorfer Straße hergestellt werden. In diesem Bereich will auch ein Verbrauchermarkt ansiedeln. Zudem steht die Beseitigung des Hangrutsches bei Seelach auf der gemeindlichen Agenda.

Schulen und Kultur

„In den Schulen in Gschwend und Frickenhofen passt alles. Sie verzeichnen einen guten Zulauf“, stellt Bürgermeister Christoph Hald fest. Investitionen und die von Land und Bund geförderte Digitalisierung garantierten einen Fortbestand.

Digitale Fortentwicklung war aber auch schon vor Corona Zeiten auch in der Gemeindeverwaltung Thema. Prozesse für Kundschaft und Bürger werden überarbeitet. Das werde sich im Jahr 2021 auswirken, verspricht Hald.

Er ist auch froh, dass in der Verwaltung nach Pandemiebeschränkungen soweit möglich wieder der Regelbetrieb eingekehrt ist. „Von 80 Mitarbeitern waren 30 in Kurzarbeit“. Betroffen waren vor allem Mitarbeiter im Servicebereich. Auch in der Verwaltung wurde Schichtarbeit organisiert, mit der Folge, dass das Rathaus von 7 Uhr bis 20 Uhr erreichbar war. Der Bürgermeister bescheinigt seiner Verwaltung und der Bevölkerung den nötigen Pragmatismus, um die Einschränkungen zu meistern.

In der zurückliegenden Zeit sei es im Vereinsleben ruhiger geworden stellte Hald fest. Es liege aber nicht brach. Im Gegenteil: „Die Vereine scharren mit den Hufen!“. Wie er es mitbekommen habe, laufe der Übungsbetrieb unter Corona-Bedingungen. Vereinsaktivitäten werden im Kleinen beginnen, sobald es die Bedingungen erlauben.

Hald bedauert auch die wenigen Kontaktmöglichkeiten zu den Bürgern während den Pandemieeinschränkungen, „weil auch die ganzen Festle nicht stattgefunden haben.“. Über 800 Besucher hätten beim kürzlichen Krämermarkt ihr Bedürfnis nach Kontakten demonstriert. Auch die Gemeinde war mit einem Stand vertreten. Der Kinderflohmarkt sei gut gelaufen, erinnert sich Hald.

Wasserreich-Abmangel halbiert

Der Verein Juki, Zukunft für Kinder und Jugendliche, im Rappenhof habe investiert und das Hallenbad mit Sauna sei zur Zufriedenheit der Gäste wieder geöffnet (nächste Seite). Die Einsparmaßnahmen im „Wasserreich“ konnten abgeschlossen werden, wodurch sich der Abmangel von 700 000 Euro um die Hälfte reduzierte. Der Fortbestand des Bades kann als gesichert gelten – ein Lichtblick in schwieriger Zeit. Von Karl-Heinz Rückert


Liebe Leserinnen und Leser

Grußwort

Christoph Hald, Bürgermeister von Gschwend Privat PRIVAT
Christoph Hald, Bürgermeister von Gschwend Privat PRIVAT

Nur wenige Gemeinden in Baden-Württemberg in der Größe von 5.000 Einwohnern können wirklich das alles auf einmal bieten, was Gschwend schon lange hat: Attraktive Bauplätze, Badsee, Hallenbad mit Sauna, Skilift, Loipen, ausgeprägte Wander- und Radwege, Museum, Kultureinrichtung „bilderhaus“, Vereine in großer Vielfalt, aktive Dorfgemeinschaften, aktive Kirchengemeinden, zwei Grundschulen, davon eine mit Montessori-Pädagogik, umfassende zeitliche Kinderbetreuung mit Kinderkrippe und drei Kindergärten, Seniorenwohnheim, drei Lebensmittelnahversorger, Zahnärzte und Ärzte, das Notfallteam, Bürgerverein DRK Initiative „Bürger für Bürger“, Einzelhandel, Gewerbe, vielfältige Gastronomie und vieles mehr – und alles zentral gelegen und fußläufig erreichbar.

Die Gemeinde Gschwend und ihre Bürgerinnen und Bürger sind vielfältig und aktiv.

Vielfältig sind aber auch die Herausforderungen in unserer Flächengemeinde mit 84 Wohnplätzen und überschaubaren Finanzmitteln, diese Infrastruktur zu erhalten und weiterzuentwickeln. Und das gelingt!

Das Wasserreich, Hallenbad mit Sauna, konnte erfolgreich restrukturiert und der Abmangel deutlich reduziert werden, so dass zum einen der Fortbestand gesichert ist. Zum anderen werden diese frei gewordenen Gelder dringend für andere Aufgaben und Pflichtinvestitionen benötigt, die nun seitens der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates angegangen werden können.

Hierzu zählen für 2020 und 2021 unter anderem: Der nächste Bauabschnitt im Baugebiet Badsee, die Überplanung und Neugestaltung der gemeindeeigenen Friedhöfe, die Überplanung und Neuanlage von Spielplätzen, das Vorantreiben der Ortskernsanierung sowie die Neuplanung oder der Umbau des Rathauses oder die Neubauplanung eines Feuerwehr- und Rettungsmagazins um nur einige zu nennen.

Hinzu kommt, dass unserer Gemeinde durch die sogenannte „weiße Flecken Förderung“ des Bundes und des Landes im Breitbandausbau sehr profitieren kann. Bis spätestens 2024 können über 70 der 84 teils idyllisch gelegenen Wohnplätze mit Glasfaser bis ins Haus angeschlossen werden. Dies bedingt mit über 16 Millionen Euro die höchste Einzel-Investitionssumme in der Geschichte der Gemeinde.

Somit bleiben aber alle Gemeindeteile zukunftsfähig, lebenswert und attraktiv. Wir packen es an – für die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde mit ihren Bürgern, Vereinen und ihren Betrieben und Arbeitsplätzen!

An dieser Stelle danke ich ganz herzlich allen Gschwenderinnen und Gschwendern, die sich für unsere Gemeinde in jeglicher Form einsetzen und damit Gschwend noch lebens- und liebenswerter machen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser der Gaildorfer Rundschau, besuchen Sie Gschwend! Gehen Sie auf unseren idyllischen Wegen Wandern oder Radfahren. Auch hier investieren wir in 2021. Genießen Sie in unserer Sauna und im Hallenbad und lassen Sie Ihren Gaumen bei unseren Gastronomiebetrieben verwöhnen! Ich freue mich, Sie in unserer attraktiven Gemeinde zu treffen.

Herzlichst
Ihr

Christoph Hald
Bürgermeister der Gemeinde Gschwend