Sonderveröffentlichung

Ortsportrait Gschwend Die Gemeinde der Wasserratten

Freizeit: Ein Badesee und ein Hallenbad mit Saunalandschaft: Die Bade- und Schwimmkultur in Gschwend hat eine lange Geschichte. Seit 1959 gibt es auch eine DLRG-Ortsgruppe, die sich unter anderem für den Schwimmunterricht einsetzt.

Kinder- und Jugendtraining der DLRG Gschwend im Wasserreich. Das Foto entstand Anfang letzten Jahres im Wasserreich. Die Corona-Krise hat zunächst zur Schließung geführt. Seit September kann in reduzierter Form wieder trainiert werden. Foto: Wolfgang Pfiste

1.10.2020

Wer in Gschwend nach Bademöglichkeiten sucht, wird schnell fündig. Im Sommer lockt das Wasser des Badsees zum Schwimmen und Plantschen und auf den ausgedehnten Liegewiesen lässt es sich herrlich ausspannen. Zudem gibt es das Hallenbad mit seinem 25-Meter Schwimmbecken. Es wurde nach größerer Renovierung im Jahr 2008 als „Wasserreich“ mit weiträumiger Sauna- und Wellnesslandschaft neu eröffnet und steht fast ganzjährig zur Verfügung.

Ein Blick zurück. Ende des 19. Jahrhunderts drängten Erholungssuchende aus den Städten aufs Land in die „Sommerfrische“. Den Gästen wollte man was bieten und so errichtete der „Verschönerungsverein“ 1902 einen Aussichtsturm auf dem Hagberg und 1910 in Gschwend einen Badesee. Dieser war in einer schattigen Umgebung angelegt und wurde von kaltem Quellwasser gespeist, nichts für empfindliche Naturen.

Dieses Gewässer, das schon lange nicht mehr existiert, lag unweit des heutigen Wertstoffhofs. Dann gab es noch den Stausee der Gschwender Mühle, dessen Wassertemperatur auf Grund seiner Lage sommers recht angenehme Wassertemperaturen hatte. Als am 2. August 1934 das Stauwehr brach, wurde der See anschließend gründlich entschlammt und ein stabiler Damm erbaut.

Müllermeister Emil Knödler erhielt von der Gemeinde die Auflage, dem See nur soviel Wasser zu entnehmen, dass ein Badebetrieb jederzeit möglich war. Dies war der Beginn des Gschwender Badsees, wie man ihn heute kennt.

Wenige konnten schwimmen

Zum Publikumsmagnet hat sich das stimmungsvolle Badseefest der DLRG entwickelt, das heuer allerdings ausfallen musste. Das Bild zeigt Fackelschwimmer der DLRG. Archivfoto: Pfister
Zum Publikumsmagnet hat sich das stimmungsvolle Badseefest der DLRG entwickelt, das heuer allerdings ausfallen musste. Das Bild zeigt Fackelschwimmer der DLRG. Archivfoto: Pfister

Baden war nie ganz ungefährlich und in der ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erst recht nicht, weil nicht einmal zehn Prozent der deutschen Bevölkerung schwimmen konnten. Schwimmunterricht gab es auf dem Land fast keinen und trotzdem lernten viele Gschwender dort schwimmen, mit Unterstützung von einfachen Auftriebskörpern oder mit Hilfe von Freunden.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte der Fremdenverkehr wieder ein und der Badsee wurde zu einem Aushängeschild der Gemeinde mit Umkleidekabinen, Kiosk, Sprungbrett und einer 50 Meter langen Wettkampfbahn. Es ist nicht verwunderlich, dass an manchen Wochenenden bis zu 2000 Besucher kamen.

Mehr Badegäste erhöhen zwangsläufig auch das Unfallrisiko. Zwei Beinahe-Badeunfälle führten zur Gründung der DLRG Gschwend im November 1959. Lehrer an der Volksschule Gschwend wie Gottlob Aupperle, Lothar Schumacher oder Fritz Grau hielten Anfängerschwimmkurse ab, soweit dies witterungsbedingt möglich war.

In den 1960er und -70er Jahren wurden hin und wieder Gschwender Schulklassen ins Gaildorfer Lehrschwimmbecken zum Schwimmunterricht gefahren. Für erfolgreichen Unterricht waren diese Unterrichtseinheiten freilich zu selten und zu kurz. Mit Eröffnung des Gschwender Hallenbads im April 1975 war die Zeit der Improvisation vorbei. Schüler aus Gschwend und umliegenden Gemeinden kamen zum Schulschwimmen.

Die DLRG Ortsgruppe erteilt seit 1977 regelmäßig Schwimmunterricht, vorwiegend für Kinder, aber auch für Erwachsene, die als Kinder nicht schwimmen lernen konnten. Von 1959 bis 2020 wurden über 12 000 Frühschwimmer- und Jugendschwimmabzeichen abgenommen.

Ungewisse Zukunft

Wie überall, hat die Corona-Krise seit März diesen Jahres den Ausbildungsbetrieb jäh beendet. Nachdem das „Wasserreich“ seit Mitte September eingeschränkt geöffnet wurde, konnte das Training und die Anfängerschwimmausbildung in reduzierter Form wieder aufgenommen werden.

Entspannung einerseits, anderseits betrachtet die DLRG mit Sorge, wie es mit dem „Wasserreich“ weitergeht. Der Abmangel ist seit Jahren hoch im sechsstelligen Bereich und für den Gemeindehaushalt ein gewaltiger Klotz am Bein. Das „Wasserreich“ zu schließen, wäre eine einfache Lösung und ist deutschlandweit bei kommunalen Bädern weit verbreitet, auch vor der Corona-Krise. Die logische Folge: noch mehr Nichtschwimmer und somit potentielle Ertrinkungsopfer.

Die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker des Landes und des Bundes halten sich mit notwendigen finanziellen Hilfen für Gemeinden mit öffentlichen Hallenbädern auffallend zurück und überlassen das Dilemma den betroffenen Kommunen.

Wenn Schwimmunterricht von den Lehrpläne der Schulen verschwunden sind, weil es keine öffentlichen Bäder mehr gibt, keine Schwimmvereine und Rettungsorganisationen, welche preisgünstig Schwimmunterricht erteilen, dann wird Schwimmfähigkeit zum Luxus und unsere Gesellschaft ist wieder dort, wo sie von einhundert Jahren schon einmal war. Damals ertranken deutschlandweit jährlich rund 5000 Menschen, vom Kleinkind bis zum Greis, was ungefähr der Einwohnerzahl der Gemeinde Gschwend im Jahr 2020 entspricht. Von Wolfgang Pfister


Museum für Alltag und Geschichte

Kultur Seit mehr als 30 Jahren dient das alte Schulhaus in Horlachen für Ausstellungen. Jetzt beginnt eine neue Saison.

Neue Vitrine in den Räumen des Museums. Foto: Rainer Kollmer
Neue Vitrine in den Räumen des Museums. Foto: Rainer Kollmer

Vor mehr als 30 Jahren hat der Heimat- und Geschichtsverein Gschwend und Umgebung im ehemaligen Schulhaus im Ortsteil Horlachen ein Heimatmuseum eingerichtet. In wechselnden Ausstellungen befasst sich der Verein mit der Alltagsgeschichte- und -kultur.

Der ursprünglich lokale Rahmen wurde nun allerdings erweitert. Das Museumsteam nutzte die coronabedingte Zwangspause zur Renovierung der Museumsräume und zur Überarbeitung der Konzeption. Künftig will man dort auch Exponate aus anderen Regionen zeigen und plant Sonderausstellungen mit Leihgaben von anderen Museen – aus dem Heimatmuseum ist das „Museum Gschwend“ geworden.

Nun soll’s wieder losgehen. „Kommunikation vor dem Internet“ heißt die Sonderausstellung, die ab 4. Oktober gezeigt wird. Das Museum ist an diesem Tag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, allerdings sind die Besucher aufgefordert, sich an die Abstandsregeln und die geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen zu halten.

Für alle Besucher ab elf Jahren ist das Tragen einer Maske im Inneren des Museumsgebäudes Pflicht. Außerdem kann es Eingang zu Wartezeiten kommen, weil die Anzahl der Menschen, die sich im Museum aufhalten dürfen, beschränkt wird. Im Museum selbst ist die Lauf-Richtung markiert; auch daran sollten sich die Besucher halten. Und sie werden gebeten, ihre Hände gründlich zu desinfizieren und nicht mehr Gegenstände als nötig zu berühren. An verschiedenen Stellen im Museum stehen Desinfektionsspender bereit.