Anzeige

35 magische Jahre Hakro Merlins Crailsheim „Stillstand ist Rückschritt“

Ein Praktikum führte Benjamin Schweigert vor rund 15 Jahren zu den Merlins nach Crailsheim. Seitdem ist er für die Jugend des Bundesligisten zuständig.

Benjamin Schweigert ist seit rund 15 Jahren im Jugendbereich der Merlins tätig. In der Blue-Box in der Goldbacher Straße trainieren alle Nachwuchsteams der Bundesligabasketballer. Foto: Ralf Mangold

2.03.2021

Eigentlich ein Zufall führte Benjamin Schweigert nach Crailsheim zu den Merlins. Er wollte vor knapp 15 Jahren ein Sportmanagement-Studium beginnen und absolvierte deshalb ein vorgezogenes Praxissemester beim damals abstiegsgefährdeten Zweitligisten. „Ich habe erst mit 14 Jahren angefangen, Basketball im Verein zu spielen“, erinnert sich der 35-Jährige. Das war in seinem Heimatort Bad Mergentheim. „Ein Jahr später habe ich schon angefangen eine Jugendmannschaft zu coachen“, sagt Schweigert, der schon als Jugendlicher seine wahre Leidenschaft entdeckte. In der U 18 war er sogar Spielertrainer. „Trainer hat mir einfach von Anfang an Spaß gemacht.“ Und auch das Organisieren, unter anderem hat er ein Streetball-Turnier in der Kurstadt ins Leben gerufen.

2006 kam er zu den Merlins und blieb schließlich bis heute dort hängen. „Arne Alig war damals Trainer und hat die positive sportliche Entwicklung eingeleitet, die dann später bis zum Bundesligaaufstieg geführt hat.“ Die Strukturen im Jugendbereich waren allerdings noch mehr auf Breitensport ausgerichtet. Doch das änderte sich 2006, als Ingo Enskat dort federführend übernahm und als hauptamtlicher Nachwuchsleiter auch diesen Bereich nach und nach in Richtung Leistungssport weiterentwickelte. Schweigert war als Praktikant anfangs dessen Co-Trainer und in der Geschäftsstelle tätig.

HAKRO Merlins Crailsheim

Das Praktikum veränderte schließlich Schweigerts Lebensplanung. Eine Festanstellung bei den Merlins zog er dem Studium vor. Und diese Entscheidung hat er nie bereut, denn hier konnte er später vor allem als Jugendkoordinator kreativ sein, etwas verändern. „Die ganze Euphorie im Verein steckt an.“

Als Jugendkoordinator waren Meilensteine nach dem Bundesligaaufstieg der Herren die erstmalige Teilnahme der U 16 an der JBBL-Runde und die der U 19 in der NBBL. „Auf der Stufe der Nachwuchsbundesligateams waren wir damals allerdings noch nicht. Wir mussten aufholen – und das ist uns ganz gut gelungen.“ Um vom Niveau her mithalten zu können, war es notwendig, weitere professionelle Trainer dazuzuholen. Viele Jahre hat Schweigert als einziger Angestellter gearbeitet, inzwischen gibt es fünf hauptamtliche Jugendtrainer bei den Merlins. Früher waren alle Trainer ehrenamtlich tätig, haben alles in ihrer Freizeit gemacht. Doch irgendwann war das nicht mehr umsetzbar. „Jedes Ehrenamt ist etwas sehr Wertvolles. Ich würde mich über jeden freuen, der Interesse hat, mitzumachen im Team“, sagt Schweigert.

Und es werden immer mehr Übungsleiter gebraucht, denn vor einigen Jahren hat Schweigert die Aktion „merlins@school“ ins Leben gerufen. An fünf Grundschulen wurden Nachmittags-AGs angeboten. „Das gab uns noch einmal einen richtigen Schub“, erinnert sich Schweigert. Wobei er betont, dass es sich hierbei keinesfalls um ein Basketball-Training handelt, sondern um Grundlagen-Training der Kinder im motorischen, koordinativen und kognitiven sowie im balltechnischen Bereich allgemein. „Je jünger die Kinder sind, umso leichter lernen sie.“


"Die Arbeit mit Kindern macht mir riesigen Spaß."


Doch wie Schweigert mit dem Verein gewachsen ist, so wurden auch die Aufgaben und Tätigkeitsfelder im Nachwuchsbereich von Jahr zu Jahr immer größer. „Wir wollten präsenter werden, um den Sport noch bekannter zu machen.“ Also gibt es seit ein paar Jahren ein Sportangebot für Kinder aus zehn Kindergärten. Und nicht zu vergessen die Ferien- und Wochenendcamps. Aus all diesen Angeboten entstanden alleine im Minibereich inzwischen fünf U-10-Teams.

„Die Arbeit mit Kindern macht mir einfach riesigen Spaß.“ Um sich fortzubilden hat Schweigert viele Bücher gelesen, Schulungen besucht und verschiedene Trainerlizenzen erworben. „Wichtig ist es, ein Gespür für die Kinder zu haben. Als Trainer musst du Möglichkeiten schaffen, an denen sich die Kids selbst ausprobieren können, um Erfahrungen zu sammeln.“ Dabei gebe es keine kurzfristigen Ziele, „als Jugendtrainer bracht man jahrelange Geduld“.


"Mein Ehrgeiz ist immer noch riesig."


Schweigerts Motto lautet: „Stillstand ist Rückschritt.“ Deshalb reflektiert er auch sein Training und entwickelt immer wieder Neues. Ziel ist es natürlich, junge Spieler in den Herrenbereich durchzubringen. Dass es nur ganz wenige zu den Profis schaffen können, weiß Schweigert. Aber wichtig sei es, dass die Kids durchziehen und nicht schon früh die Lust an ihrem Sport verlieren.

„Bei uns kann man Basketball auf einem sehr hohen Level schon in der Jugend spielen.“ Vergleiche mit den alteingesessenen Nachwuchszentren will Schweigert gar nicht ziehen. „Wir machen unser eigenes Ding und versuchen, eine Merlins-Kultur zu etablieren, eine eigene Identität zu entwickeln.“ Dazu gehören auch die vielen Turniere, die im Ausland gespielt werden. „So ein Auslandsaufenthalt ist Teil unseres Ausbildungsplans und prägt die Kinder fürs Leben.“

Nicht vergessen wird bei den Merlins der Breitensportbereich. „Viele wollen auch gar nicht beinahe jeden Tag trainieren. Aber es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich im Verein einzubringen: als Schiedsrichter, Trainer oder im Kampfgericht.“ Partnervereine zu finden, in denen Breitensport angeboten wird, ist schwierig, da die Distanzen zu den umliegenden Vereinen einfach zu groß sind. „Die Lösung müssen wir liefern. Wir sind auch hier auf einem guten Weg.“

Wegen der Pandemie ruht der Trainings- und Spielbetrieb bei den Nachwuchszauberern aktuell. Momentan läuft alles über Zoom in digitaler Form ab. „Das ist zwar nicht optimal, aber man muss immer das Beste daraus machen – und das klappt ganz gut.“ An zwei weiterführenden Schulen bietet Schweigert zudem Sportunterricht für die Klassen 5 bis 7 an.

Mit der neuen Blue-Box-Halle kann Schweigert das Trainingslevel noch einmal anheben. „Hier haben wir die Möglichkeit, Qualität und Quantität der Übungseinheiten zu erhöhen.“ Immer wieder hat er neue Ideen. Momentan macht er eine Langhantellizenz für Kinder, um auch den athletischen Bereich weiterzuentwickeln. Für das Schnelligkeitstraining wurde extra ein Kunstrasen ausgelegt. Zudem ist die Trainingsanalyse per Video im neuen Trainingscenter möglich.

„Wir müssen unseren Standortnachteil aufgrund der ländlichen Struktur kompensieren durch harte Arbeit. Wir müssen einfach besser sein als andere.“ Und wo sieht Schweigert die Nachwuchsmerlins in weiteren 15 Jahren? „Ich hoffe, dass wir bis dahin noch bessere Strukturen geschaffen haben.“ Schon in den nächsten Jahren will er es schaffen, „dass wir alle Kindergartenkinder aus der Umgebung kennengelernt haben und sie unseren Sport.“ Zudem schwebt ihm ein Turnier mit allen Schulen vor. „Mein Ehrgeiz ist immer noch riesig. Ich weiß, dass ich einer der Besten bin, der Kindern Sport beibringen kann. Und deshalb werde ich wohl auch in 15 Jahren noch etwas im Kinder- oder Jugendbereich machen.“ Aktuell trainiert Schweigert übrigens acht Teams. „Mir ist es nicht wichtig, im Fokus zu stehen. Ich bin einfach stolz darauf, ein Teil des Weges der 35-jährigen Merlins-Historie zu sein.“ Von Ralf Mangold
     

Bester Vorlagengeber der BBL

Foto: Die Lichtbuilder
Foto: Die Lichtbuilder

19 Spiele, 19-mal in der Startformation, fast 19 Punkte im Schnitt pro Spiel – Trae Bell-Haynes ist in dieser Saison der überragende Spieler bei den Hakro Merlins Crailsheim und ein Kandidat auf die Auszeichnung als bester Spieler (MVP) der Bundesliga. Der 25-jährige Kanadier kommt durchschnittlich auf 18,9 Punkte (Platz 3), 8,0 Assists (Platz 1), 7,6 Freiwürfe (Platz 1), 6,8 gezogene Fouls (Platz 1), einen Effizienzwert von 22,7 (Platz 2) sowie 4,1 Rebounds und 1,3 Steals – in 29:26 Minuten pro Partie. jom