Sonderveröffentlichung

Start ins Berufsleben Schlechter Start?

Viele Bewerber auf einen Ausbildungsplatz haben mindestens einen mittleren Abschluss. Verschlechtert das die Chancen für Hauptschulabsolventen?

Spitzen-Noten sind oft nicht alles. Vor allem in Handwerksbetrieben kommt es auch auf Motivation und Fleiß an. Foto: Ina Fassbender/dpa

26.09.2020

In der Jugend kommt vieles zusammen: Auseinandersetzungen mit den Eltern, mit der Schule – und nicht zuletzt mit sich selbst. Wer die Schule mit einem Hauptschulabschluss verlässt, ist schon nach der 9. oder 10. Klasse mit der Frage konfrontiert, wohin es beruflich gehen soll.

Es sind aber immer weniger junge Menschen, die mit einem Hauptschulabschluss ins Arbeitsleben starten. Wie der Berufsbildungsbericht 2020 der Bundesregierung zeigt, lag deren Zahl 2018 um knapp 77 000 Personen niedriger als zehn Jahre zuvor. Laut Statistischem Bundesamt hatten 2018 rund 16 Prozent der Abgänger allgemeinbildender Schulen einen Hauptschulabschluss, rund 42 Prozent einen mittleren Abschluss und knapp 35 Prozent eine allgemeine Hochschulreife. Was bedeutet das für die Chancen von Hauptschulabsolventen auf dem Ausbildungsmarkt?
 

Jörg Sydow, Leiter des Projekts „Passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen“ macht ihnen Mut. Er habe den Eindruck, dass die Bedeutung von Noten und Abschlüssen in der dualen Ausbildung abgenommen habe. Das liege vor allem am Fachkräftemangel. „Mit einem Hauptschulabschluss kann man sich definitiv im Handwerk bewerben – aber vielleicht nicht in jedem Betrieb und jedem Beruf“, sagt Sydow.

Denn in einigen Bereichen ist die Konkurrenz groß – beispielsweise bei den angehenden Elektronikern und Kfz-Mechatronikern. Gerade dreieinhalbjährige Ausbildungen seien theoretisch sehr anspruchsvoll. Der Projektleiter weist deshalb auch auf zweijährige Ausbildungsangebote hin. Der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen führe zwar dazu, dass der Hauptschulabschluss an Anerkennung verloren habe, bestätigt Björn Reichenbach, Referent im Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung. Auf dem Arbeitsmarkt biete er trotzdem gute Chancen. „Wir bemerken, dass die reine Schulnote bei den Betrieben weniger zählt.“

Schlechte Noten hätten nicht unbedingt etwas mit den Fähigkeiten zu tun, sondern könnten auch andere Ursachen haben – beispielsweise Probleme im Elternhaus, sagt Sydow. Viele Betriebsinhaber hätten dafür Verständnis – denn auch sie selbst waren nicht alle Musterschüler.
 

Mit Motivation überzeugen

Ausbildungsexperte Reichenbach betont, dass es auf die Motivation ankommt. „Wenn jemand bei einer Ausbildungsmesse mit leuchtenden Augen am Stand steht, ist das für die Betriebe wie ein Sechser im Lotto.“ Er rät jungen Menschen dazu, sich nicht nur in der näheren Umgebung umzugucken – sondern die Fühler weiter auszustrecken und auch nach kleineren Betrieben und unbekannteren Berufsfeldern zu gucken. Jörg Sydow unterstreicht die Bedeutung von Qualitäten wie Pünktlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit.

„Dass man sich auf jemanden verlassen kann, steht ganz weit oben auf der Liste.“ Einige Betriebe stellten sogar gern junge Leute ein, die keine tollen Noten haben – in der Hoffnung, dass diese die Chance honorieren. „Die Bindung zum Betrieb wird dadurch stärker“, sagt er. Inga Dreyer, dpa
 

Für den Ernstfall richtig abgesichert

Zum Ausbildungsstart sollten sich Berufseinsteiger auch mit dem Thema Versicherungen auseinandersetzen.
 

Meist sind Lehrlinge noch über ihre Eltern versichert. Ein Blick in deren Policen lohnt sich. Foto: Pixabay
Meist sind Lehrlinge noch über ihre Eltern versichert. Ein Blick in deren Policen lohnt sich. Foto: Pixabay

Der Start in die Ausbildung oder ins Studium bedeutet viel Freiheit – führt aber auch zu ungewohnten Verpflichtungen. Um hierbei vor finanziellen Überraschungen geschützt zu sein, lohnt sich der Blick auf die wichtigsten Versicherungen. Bis zu ihrem Auszug sind junge Menschen meist über ihre Eltern versichert. Das kann sich mit Beginn der Ausbildung oder des Studiums ändern, deswegen sollten die elterlichen Versicherungspolicen geprüft werden.

Oft empfehlen sich für Studierende oder Azubis spezielle Lösungen. Wer in die erste eigene Wohnung zieht, sollte eine Hausratversicherung abschließen. Sie kommt zum Beispiel für Schäden am eigenen Hab und Gut durch Feuer, Sturm und Hagel, Rohrbrüche sowie Einbruchdiebstähle auf. Ebenfalls unverzichtbar ist eine Privathaftpflichtversicherung. Sie sorgt dafür, dass kleine Missgeschicke keinen großen finanziellen Schaden anrichten.

Wer beispielsweise vergisst, das Badewasser abzustellen und dadurch die Wohnung der Nachbarn überflutet, ist froh, wenn er die Sanierungsmaßnahmen nicht aus der eigenen Tasche bezahlen muss. txn