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Träumen & Schlafen Träumen mit der Königin

Roland Walker ist in Fichtenberg Schreiner und schätzt das Holz der Zirbe sehr. Den ätherischen Ölen der Pinus Cembra werden positive Eigenschaften auf den menschlichen Organismus nachgesagt. Der angenehme Geruch soll auch die Regeneration während des Schlafes fördern. Foto: Peter Lindau

Alternativmedizin: Eine Studie des österreichischen Joanneum Research Instituts beschäftigt sich mit den positiven Effekten der Zirbelkiefer auf den Schlaf und die Regeneration des Menschen.

Von Peter Lindau

Sie wird die Königin der Alpen genannt und man sagt ihr geradezu magische Eigenschaften auf das menschliche Wohlbefinden nach. Das gilt vor allem für die Regeneration während des Schlafes. Eine wissenschaftliche Studie des Joanneum Research Institutes aus dem österreichischen Weiz kommt zu dem Ergebnis, dass sich beim Schlaf in einem Zirbenzimmer sowohl die Regenerationszeit des Körpers als auch der Herzschlag um bis zu 3500 Schläge pro Tag reduziert. Dies entspreche einer Ersparnis von einer täglichen Stunde Herzarbeit.

Schreinermeister Roland Walker arbeitet gerne mit dem Holz der Zirbe. Auch seine Frau Edeltraud schätzt das Material sehr und weiß immer ganz genau, wenn ihr Mann damit gearbeitet hat. Zirbenholz verströmt einen angenehmen Geruch. Wer einmal eine Nacht in einer Almhütte verbracht hat, erinnert sich vielleicht daran. Im Alpenraum wird mit dem Holz der Zirbelkiefer seit Jahrhunderten gebaut. Die bis zu 25 Meter hohen immergrünen Bäume können 1000 Jahre alt werden und gelten als einigermaßen resistent gegenüber Ozon und Schwefeldioxid. Eine Besonderheit der Zirbelkiefer ist die Ektomykorrhiza-Symbiose mit verschiedenen Pilzen. Ohne diese Verbindung ist sie vor allem in höheren Lagen kaum lebensfähig. Wie kommt Roland Walker zur Zirbe? „Über die Recherche, was gut ist“, sagt er und meint: „Ich würde am liebsten jeden Tag mit Zirbe arbeiten.“ In seinem Haus steht eine Kommode aus dem Holz, ein Zirbenbett hat seine Frau auf der Wunschliste.

Betten aus Zirbe sind es auch, die sich seine Kunden wünschen und dann von positiven Effekten berichten. Diese kennt man in Südtirol schon mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Das Wissen wurde vor allem von den Ragginer Bauernärzten gesammelt. Heutzutage greifen Heilpraktiker und Alternativmediziner gerne darauf zurück. Die Ragginer haben aus den Nadeln und jungen Trieben der Zirbelkiefer verschiedene Extrakte gewonnen, die zur Lösung von Krämpfen verwendet wurden. Ihnen wird auch eine blutdruck- und pulssenkende Wirkung nachgesagt. Die ätherischen Öle sollen sich dämpfend auf den Sympathikus und damit den stimulierenden Teil des Nervensystems auswirken. Heilpraktiker empfehlen zum Beispiel für einen gesunden Schlaf Zirbelrollen. Die Kissen enthalten Späne des Zirbelholzes.

Wissenschaftlich untersucht

In der von der Europäischen Union geförderten Schlafstudie des Joanneums zeigten sich signifikante Unterschiede in der Erholungsqualität der Probanden beim Aufenthalt in einem Zirbenholzzimmer und einem identisch mit Holzdekoren gestalteten Raum. Die Auswirkungen äußerten sich in einer niedrigen Herzrate in körperlichen und mentalen Belastungssituationen und anschließenden Ruhepausen. Auch ein beschleunigter vegetativer Erholungsprozess sei nachweisbar gewesen. 


"Schon die Ragginer Bauernärzte haben Extrakte aus den Nadeln und den jungen Trieben der Zirbel gewonnen."


Auch das Thema Wetterfühligkeit wurde untersucht. Dabei habe sich die Herzfrequenz der Studienteilnehmer im Holzdekorzimmer aus Spanplatten, abhängig vom Luftdruck, verändert. Das wurde als Instabilität des Kreislaufs gewertet. Im Zirbenzimmer sei dieser Effekt nicht aufgetreten.

Natürlich ist diese Studie nicht unumstritten. Manche sagen, sie sei nicht repräsentativ. Roland Walker meint, von einem Zirbenkissen alleine seien keine Wunder zu erwarten. An die positiven Effekte einer Inneneinrichtung aus diesem besonderen Holz glaubt er schon und zeigt ein Bett aus Zirbenholz. Die Konstruktion ist komplett metallfrei und in der für Südtirol typischen Puzzletechnik verbunden. Und der Preis für so eine Schlafstätte? Das richtet sich nach Sonderwünschen. Aber „von der Stange“ sei ein Bett aus Zirbenholz durchaus erschwinglich.

Ein Kieferngewächs mit vielseitigen Eigenschaften

Je mehr Äste, desto intensiver wird der Duft des Holzes der Pinus Cembra sein. Foto: pin
Je mehr Äste, desto intensiver wird der Duft des Holzes der Pinus Cembra sein. Foto: pin

Wunderbaum: Die Zirbelkiefer, auch lokal Arbe, Arve, Zirbe oder Zirbel genannt, ist ein Baum aus der Familie der Kieferngewächse. Ihre Heimat sind die Alpen und die Karpaten. Seine Kurztriebe tragen viele Büschel mit jeweils fünf Nadeln. Die Samen werden irreführend Zirbelnüsse genannt, obwohl sie keine Nüsse sind. Ihr sehr aromatisch duftendes Holz wird als Möbel- und Schnitzholz verwendet. Zapfen und Samen dienen der Lebensmittelproduktion und der Produktion von Spirituosen wie Zirbenlikör und Zirbenschnaps.

Quelle: Wikipedia

Schlafmythen? Nicht so falsch

Kolumne

Luca StettnerRundschau Gaildorf
Luca Stettner
Rundschau Gaildorf

„Der Schlaf vor Mitternacht ist der beste.“ Wie meine Mutter auf diesen Spruch gestoßen ist, weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht. Was ich weiß: Er trifft in meiner täglichen Schlafpraxis fast immer zu. Wissenschaftler halten diese Erkenntnis für einen Mythos. Auch ich gebe zu: Schlafdauer schlägt ab etwa acht Stunden falsches Timing. Aber bei einer kurzen Nacht? Achten Sie mal darauf: Wer früher ins Bett geht, ist bei gleicher Schlafdauer fitter. Zumindest ist das bei mir so. Damit sind wir bei meiner nächsten Erkenntnis: Jeder Mensch hat ein individuelles Schlafbedürfnis. Bei mir ist es die magische Acht-Stunden-Marke. Habe ich acht Stunden geschafft, bin ich am nächsten Morgen fit. Ein weiterer Mythos: Man leidet bei einem Schlafdefizit vor allem einen Tag später. Habe ich zu wenig Schlaf, bin ich nach dem Aufwachen und über den Tag zwar müde. Wirklich energielos fühle ich mich aber erst am Tag nach der Folgenacht.

Erkenntnis aus meiner Schulzeit: Was man abends unmittelbar vor dem Einschlafen liest, hat man am nächsten Morgen im Kopf. Dieses Wissen hat mir nicht wenige Klausuren auf dem Last-Minute-Weg gerettet. In den abschließenden drei Schuljahren sah meine Erfolgsformel so aus: im Unterricht aufpassen, alles verstehen und lediglich am Tag vor einer Klausur lernen. Wichtig: vor dem Schlafen im Vertrauen auf das Kurzzeitgedächtnis alles wiederholen. Liefert bei minimalem Aufwand maximale Ergebnisse. Ob dieses Lernen sinnvoll ist und die Inhalte langfristig im Gedächtnis bleiben? Sicher nicht. Was es aber zeigt: dass unser Schlaf für die Informationsverarbeitung essenziell ist. Und dass Schlafmythen manchmal gar nicht so falsch sind. Darüber muss ich erst einmal eine Nacht schlafen. Aber bitte acht Stunden und lange vor Mitternacht ins Bett gehen.

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