Sonderveröffentlichung

Weihnachtsgrüße Ausgebrannt

Ist Silvester noch zu retten? – Glosse

Foto: Davide Angelini - stock.adobe.com

30.12.2020

Was Umweltschützer und Tierbesitzer schon lange fordern, wird in diesem Jahr zum ersten Mal Wirklichkeit: Das Feuerwerk zum Neujahrswechsel wird weitestgehend ausfallen. Abgesehen von den Frühshoppen, die vor dem Verkaufsverbot bereits ihre Ration Knallkörper erworben haben und denjenigen, die im vergangenen Jahr nicht all ihre Chinaböller verfeuert haben, werden die meisten Menschen beim mitternächtlichen Blick gen Himmel wohl enttäuscht werden.

Was macht das Fehlen von Raketen und Böllern nun aus unserem festlichen Jahreswechsel? Im Grunde untermalt das Feuerwerk ja jenen besonderen Moment, an dem die Uhr von 23.59 Uhr auf 00.00 Uhr springt und wir uns voller Glück und festentschlossener Vorsätze ins neue Jahr stürzen. Wie bringen wir nun Licht in die Corona geplagte Silvesternacht?

Längst hält der Markt Alternativen in Form von LED-Wunderkerzen und LED-Feuerwerk bereit. Ins Fenster gehängt, den „Blinkmodus“ eingestellt, kommt die Lichterpracht – mit genügend Sekt und Fantasie – möglicherweise einem Feuerwerk nahe. Dazu empfiehlt es sich, mit alten Silvestervideos für die passende Soundkulisse zu sorgen.

Wer es traditionell am Himmel leuchten sehen möchte und das notwendige Kleingeld hat, könnte nach chinesischem Vorbild ein paar hundert Drohnen besorgen und diese in schwungvoll perfektionierter Choreografie in gewünschter Form über den leeren Silvesterhimmel fegen lassen. Dabei sollten die Ordnungsbehörden vorab auf mögliche Anrufe besorgter Anwohner wegen Alien-Sichtungen eingestellt werden.

Wer es budgetfreundlicher möchte, kann seine Kinder einspannen – die sind ohnehin zu Hause. Sie sind geübt im Laternenbasteln und lassen ihre Sankt-Martins-Erfahrungen sicher gern in einen nächtlichen Marsch durch den Garten einfließen. Das ist zwar weniger rasant als eine Packung Raketen, sorgt aber für etwas Bewegung mit Raclette gefülltem Magen.

Nun geht es so manchem ja eher um das beeindruckende Knallen. Eben jenen empfiehlt sich ein Blick auf den Dachboden – vielleicht findet sich dort ja noch eine Vuvuzela von der WM 2010. Damit wecken Sie garantiert bereits eingeschlafene Nachbarn und retten sie so davor, diesen besonderen Moment zu verpassen.

Trotz einer Vielzahl an alternativen Gestaltungsmöglichkeiten bleibt ein weiterer Weg: Vielleicht versuchen wir es ja einfach mal ohne Showeinlage zum Jahreswechsel. Wenn uns 2020 doch eins gelehrt hat, dann, dass es häufig auch anders geht. Selbst da, wo wir es nicht erwartet hätten. Wir sind im Stande zu improvisieren und mehr möglich zu machen, als uns zuvor klar war. Natürlich fehlen viele altbewährte, liebgewonnene Rituale, aber es entwickeln sich auch schöne neue Gewohnheiten. Warum nicht eben auch zu Silvester?

Nachdem ich dieses Jahr mit dem Löschen eines Hochbeetbrandes durch die Feuerwerksbatterie meines Bruders begonnen habe, werde ich mich wohl recht gut mit weniger explosiven ersten Sekunden des Jahres 2021 anfreunden können. AtV.