Sonderveröffentlichung

„Einfach elektrisierend“ Elektro-Branche ist von neuen Vorgaben nicht komplett überzeugt

Es hätte schlimmer kommen können: Seit Januar gilt eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Vor allem für Solarstrom-Pioniere stehen damit Änderungen an. 

FOTO: STOCK.ADOME.COM/TRUDIDESIGN

2.01.2020

Kurz vor Jahresende haben Bundestag und Bundesrat eine Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen – zum 31. Dezember waren die bis dato verbindlichen Vorgaben ausgelaufen. Bis zuletzt wurde auf Bundesebene um letzte Details gerungen. Denn: „Wäre der ursprüngliche Entwurf tatsächlich verabschiedet worden, wären die Solarstrom-Pioniere im Regen stehen gelassen worden“, berichtet Jürgen Taxis noch sichtlich aufgebracht. Der Obermeister der Elektro-Innung Göppingen zählt selbst zu jenen, die sich schon früh mit Photovoltaik-Anlagen beschäftigt hatten. „Kleinere Anlagen, und auch jene von Bürgergenossenschaften zum Beispiel, wären dann nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen“, erklärt er. Ganz im Regen wurden die Betreiber von Solarstromanlagen auf den Dächern von Wohnhäusern, nun doch nicht. Wirklich sonnig – um im Bild zu bleiben – wurde es aber auch nicht. Immerhin: Einige Punkte konnten auf Initiative des Handwerks und von Solarverbänden durchgesetzt werden, die ältere Anlagen vor dem Abschalten retten. So zum Beispiel der kostenintensive Einbau von Smart-Metern, um den Stromverbrauch zu messen und managen. Diesen braucht es wie bisher schon weiterhin erst für Anlagen ab 7 kWp Leistung.
   

Ausgelaufene Förderungen

Bei Anlagen, die vor dem Jahr 2000 installiert wurden, lief zum Jahreswechsel die staatliche Förderung aus. Dann wäre auch auf eigengenutzter Strom die allgemeine EEGAbgabe fällig geworden („Ökostrom-Abgabe“). Und: Niemand hätte den ins Netz eingespeiste Strom tatsächlich abnehmen und bezahlen müssen. Erste Anbieter sahen sich schon gezwungen, den privaten Betreibern ihre Verträge zu kündigen. Nun kann jedoch weiter eingespeist werden, auch wenn es nicht mehr so attraktiv ist, wie bisher. Bei Anlagen bis zu 30 Kilowatt Leistung entfällt die EEG-Abgabe für den Betreiber künftig immerhin, wenn er seinen Strom selber nutzt – bis zu 30 Megawattstunden pro Jahr. Der Strom aus ausgeförderten Anlagen bis 100 Kilowatt Leistung wird bis Ende 2027 in Höhe des Marktwertes abzüglich einer Vermarktungspauschale vergütet. „Der große Wurf ist das neue EEG nicht, man muss aber zunächst damit Leben“, meint Jürgen Taxis. Es bleibe noch viel Klärungsbedarf, den die große Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode angehen will. 16 ungelöste Punkte stehen noch im Hausaufgabenbuch der Politik – nicht bei allen geht es im Solarstrom, auch andere Energiequellen sind von den Änderungen betroffen.
           

Mietstrommodell wird attraktiver

Verbesserungen gibt es bei Mieterstrommodellen, bei denen die Photovoltaik-Anlagenbetreiber ihre Energie schon bisher direkt an benachbarte „Letztverbraucher“ verkaufen konnten, sofern deren Gebäude in „unmittelbarem, räumlichen Zusammenhang“ waren. Dies wird im Gesetz nun weiter gefasst: Die Anlage muss sich im selben Quartier wie die Verbraucher befinden. Und: Betreiber können künftig einen Energiedienstleister als einen versierten Dritten ins Boot holen, der die Energie vermarktet. Was bleibt ist das Größen-Limit von 100 Kilowatt Leistung für diese Mieterstromanlagen.


"Der große Wurf ist das neue EEG nicht – aber wir müssen damit leben."

Jürgen Taxis, Obermeister


Nicht immer Ausschreibungspflicht

Ausschreibungspflicht Noch etwas komplizierter wird es bei größeren Anlagen, deren Vergütung per Ausschreibung festgelegt wird und einen Eigenverbrauch in der Regel ausschließt. Diese Pflicht gilt auch für Dachanlagen ab einer Leistung von 750 Kilowatt im Grunde wie bisher schon. Neu ist: PV-Dachanlagen ab 300 Kilowatt Leistung müssen künftig zwar nicht in die Ausschreibung, erhalten aber – wenn sie nicht doch über eine Ausschreibung realisiert werden – nur 50 Prozent der zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden festen Vergütung. Das heißt, dass diese Anlagen sich nur rechnen, wenn 50 Prozent des erzeugten Stroms kontinuierlich selbst genutzt werden können. „Dies könnte auch größeren Stromspeichern eine wirtschaftliche Chance geben“, vermutet Jürgen Taxis.
         

Politische Ziele festgelegt

Im EEG haben sich die Regierungskoalition und die Länder nun auf Ausbauziele für erneuerbare Energien verständigt und eine EU-Richtlinie von 2018 in deutsches Recht überführt. So soll der gesamte in Deutschland verbrauchte Strom ab 2050 CO2-neutral ist – auch Importe. Das bedeutet nicht, dass der Strom zu 100 Prozent tatsächlich aus erneuerbaren Energien stammen muss. Bis 2030 sollen jedoch 65 Prozent des Strombedarfs darüber gedeckt werden.
        

PV-Anlagen machen weiterhin Sinn

„Solarstrom macht Sinn – wenn man es richtig angeht“, ist Jürgen Taxis überzeugt. Dabei können auch intelligente Stromspeicher eine Rolle spielen. Die Experten der Innungsbetriebe beraten hier im Detail und sind bei Fragen der Kunden die richtigen Ansprechpartner.

Info: Weitere Infos unter www.elektro-innung-goeppingen.de

Aus der Innung 
      

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Ihre Elektro-Innung Göppingen wünscht ein gutes und spannendes sowie ein gesundes Jahr 2021.

Jürgen Taxis, Obermeister der Elektro-Innung Göppinge


Service: Notdienst der Elektro-Innung
       

Im Notfall (bei wirklich dringenden Fällen) ist ein Fachbetrieb der Elektro-Innung auch am Wochenende und an Feiertagen erreichbar:

Telefon: (0175) 2229085.