Sonderveröffentlichung

Weihnachtsgrüße Mein Moment 2020 – Ingeborg Fischer


30.12.2020

Im Oktober durfte ich meinen 70. Geburtstag feiern. Da eine größere Feier mit Freunden coronabedingt nicht möglich war, habe ich mir gedacht: „Hau doch einfach mal irgendwohin ab und mach etwas Besonderes daraus.“ Gesagt, getan. Meine Wahl fiel auf Grainau, dem Zugspitzdorf. Ich wollte an meinem Geburtstag mit der brandneuen Großkabinenbahn auf die Zugspitze. Also buchte ich für eine Woche in einer Frühstückspension, Ankunft zwei Tage vor meinem Geburtstag.

Meiner Zimmerwirtin erzählte ich von meinem Vorhaben, da sie auf der Gästeanmeldung mein Geburtsdatum sah. Sie riet mir am nächsten Tag zu fahren, da die Wetterprognose an meinem Geburtstag nicht gut war. Ich befolgte ihren Rat weil ich wusste, dass sich die Einheimischen gut mit dem Wetter auskennen. So ging ich am nächsten Tag frühmorgens zum Zugspitzenbahnhof um ein Rundfahrtticket zu kaufen. Dies beinhaltet zuerst eine Fahrt mit der Zahnradbah, dann weiter mit der Gletscherbahn zum Zugspitzblatt und zum Schluss mit der Großkabinenbahn zum Gipfel.

Am Schalter zeigte ich dem freundlichen Beamten meinen Ausweis und fragte ihn, ob es einen Rentnertarif gibt. Er verneinte lächelnd als er mein Geburtsdatum sah. Dann sagte er, dass er mir ein Geburtstagsgeschenk machen möchte indem er mir 6 Euro am Fahrpreis nachließ. Da war ich überwältigt von der schönen Geste und unterhielt mich noch eine ganze Weile mit dem überaus netten Schalterbeamten und startete zum Gipfel. Es herrschte in der Tat ein traumhaftes Wetter. Auf dem Gletscher vergnügten sich fröhlich Menschen im Schnee. Auf dem Gipfel, den ich mit der neuen Kabinenbahn erreichte, war eine grandiose 360° Aussicht auf Hunderte schneebedeckte Gipfel in vier Ländern. Der Himmel war stahlblau ohne eine Wolke.

Ich hielt mich gute drei Stunden dort oben auf. Auch hier lauter gutgelaunte Menschen, wenn auch auf Distanz, sowohl zuvor schon in der Zahnradbahn und in der Kabinenbahn. Schweren Herzens beschloss ich dann die Rückfahrt anzutreten. Diese aber vom Gipfel ganz mit der- Großkabinenbahn bis zum Eibsee. Als ich noch kurz zur Toilette ging saß ein kleines Mädchen auf dem Boden, hielt sich den Kopf und erbrach sich. Neben ihr stand ihre hilflose Mutter. Ich sagte ihr, dass das Kind schnell in tiefere Lagen muss und bot ihr an, sie zu begleiten. An der Zwischenstation angekommen ging es der Kleinen schon etwas besser. Deren Mutter bedankte sich bei mir und ich setzte meinen Weg fort. So konnte ich die Freundlichkeit, die mir durch den netten Beamten zuteilwurde, weitergeben. Es war ein toller Tag. Ich ging dann noch etwas Schönes essen und bedankte mich bei meiner Pensionswirtin für den guten Rat wegen des Wetters. Am nächsten Tag, also an meinem Geburtstag, war eine Nebelsuppe, strömender Regen, und wenn die Gipfel mal kurz zu sehen waren, schneite es in höheren Lagen. Dennoch blieb ich noch 5 Tage und machte Ausflüge nach Garmisch usw. Dies war bis jetzt meine schönste Zeit in 2020, aber wer weiß, das Jahr ist ja noch nicht um. Trotz Corona muss man eben das Beste daraus machen.