Sonderveröffentlichung

Sou, bisch trotzdemm doa? - Muswiesensonderbeilage „Das Unvorstellbare ist passiert“

Die Muswiese ist mehr als ein ausgefallenes Fest. Sie ist ein Lebensgefühl, das wir 2020 nicht fühlen können. So sieht es Bürgermeister Siegfried Gröner in seinem Grußwort.

Bürgermeister Siegfried Gröner hatte sich auf eine beschwingte Muswiesegefreut. Aber Kettenkarussell und Co. stehen still. Foto: Sebastian Unbehauen

12.10.2020

Normalerweise und liebend gerne würde ich Sie mit diesem Grußwort zu unserer Muswiese einladen, um mit uns wieder die fünf schönsten Tage des Jahres zu feiern und zu genießen. Aber das Unvorstellbare ist passiert: Die Muswiese kann aufgrund der Corona- Pandemie leider in diesem Jahr nicht stattfinden. Der heimtückische und anfangs noch leicht unterschätzte Corona-Virus hat es tatsächlich geschafft, den bisher unbesiegbaren, vergleichsweise aber harmlosen Muswiesen- Virus am Ausbruch zu hindern und damit auch die Muswiese zu stoppen.

Muswiese

Wir alle bedauern außerordentlich, dass die 586. Auflage des schönsten und größten Festes in der Region in diesem Jahr nicht stattfinden kann. Eigentlich kann das Jahr in Rot am See ohne die Muswiese mit den vielen Markthändlern, Ausstellern, Imbissständen, Bauernwirtschaften und den unzähligen gut gelaunten Besuchern gar nicht zu Ende gehen.

Der Ausfall schmerzt uns sehr und kann nicht in Worten ausgedrückt werden, schon deshalb weil die Muswiese kein normales Fest, sondern ein Lebensgefühl ist. Aber alles Jammern und Trauern nützt nichts! Uns bleibt nur die Hoffnung, dass im nächsten Jahr alles wieder seinen gewohnten Gang geht und wir uns auf dem Muswiesengelände vergnügen und entspannen können. Wir sind überzeugt davon, dass es so kommen wird und wünschen Ihnen bis dahin alles Gute. Bleiben Sie vor allem gesund!

Mit besten Grüßen Ihr Siegfried Gröner Bürgermeister


Wir warten, bis der Himmel wieder aufklart

Ohnmächtig stehen wir der Naturgewalt gegenüber und füllen das Hohenloher Tränenmeer. Aber, nicht verzagen: Es wird wieder Muswiese sein. Dieses Jahr kann man immerhin online in Erinnerungen schwelgen.

Sou a Schoode: Der Bulldog bleibt 2020 stehen. Kein Weg führt auf die Muswiese. Foto: Ufuk Arslan
Sou a Schoode: Der Bulldog bleibt 2020 stehen. Kein Weg führt auf die Muswiese. Foto: Ufuk Arslan

Mit Caspar David Friedrichs Bild „Wanderer über dem Nebelmeer“ von 1818 habe ich mich vor einem Jahr an dieser Stelle befasst, habe darüber sinniert, wie wir Zentralhohenloher, ähnlich dieser zur romantischen Ikone gewordenen Gestalt, mühsam durchs Jahr gewandert sind und nun den Gipfel erklommen haben, sehnsüchtig in die nahe Ferne blickend, durch den Nebel im Tal die Freuden des Kommenden erahnend, die Würste riechend, das Kraut begehrend – mit zappelnder Seele bereit, wie ein Fisch zuerst ins Nebelmeer und dann ins Musdorfer Menschenmeer zu springen. Endlich Muswiese!

2020 war mühsamer noch als andere Jahre. Hinter den Mund-Nasen-Masken: müde Glieder, erschöpfte Geister, sehnsüchtig zappelnde Seelen auf der Suche nach Gemeinschaft. Aber der Nebel lichtet sich nicht. Es spitzt kein Riesenrad aus den Schwaden hervor. Es dampft kein Wurstkessel. Es staubt kein Parkplatz. Der Hohenloher Wanderer thront über dem Tränenmeer und rauft sich die Haare.

Um den Herbst ohne Musdorfer Hochfest ein kleines bisschen weniger trostlos zu machen, lädt die Südwest Presse Hohenlohe zum virtuellen Jahrmarkt ein. Unter der Adresse www.muswiese-einmal-anders.de kann man die Angebote von Händlern, Schaustellern und Ausstellern durchstöbern – und sich die Zeit mit Bildern und Geschichten vom schönsten Markt der Welt vertreiben. Klicken Sie mal rein! In dieser Sonderbeilage blicken wir unter anderem in die Geschichte der Muswiesen- Ausfälle, geigen dem Virus mal richtig die Meinung und lassen den Pressler-Stammgast Rezzo Schlauch sein Leid klagen – auf vergnügliche Art, denn Ärger gibt’s ja in diesen Tagen schon genug. Sebastian Unbehauen