Sonderveröffentlichung

In Würde begleiten Die Gefühle einfach zulassen

Psyche: Der Tod eines geliebten Menschen ist ein schmerzlicher Verlust und sorgt bei den Hinterbliebenen für tiefe Trauer. Man kann aber einen Umgang damit finden.

Stirbt der Partner, mit dem man Jahrzehnte gemeinsam durchs Leben gegangen ist, bleibt tiefe Trauer. Foto: dpa

19.10.2020

Wenn der Partner stirbt, der oft Jahrzehnte mit einem gemeinsam durchs Leben gegangen ist, bleibt tiefe Trauer – und besonders bei Menschen im hohen Alter manchmal das Gefühl, am liebsten „mitgehen“ zu wollen. 

„Das ist erstmal ganz normal“, sagt der Psychologe und Autor Roland Kachler aus Remseck am Neckar. „Es ist die Sehnsucht, bei dem Verstorbenen zu sein, und auch der Wunsch, dass man dem Alleinsein entfliehen möchte.“

Angehörige sind in so einer Situation oft ratlos. Oder geben gut gemeinte, aber meist nicht angebrachte Tipps wie: „Schaue nach vorn, wage noch einmal etwas!“ Doch gerade im hohen Alter, ab 80 Jahren und mehr, gehe es eben häufig nicht mehr darum, neue Aufbrüche zu wagen, sagt Kachler. Vielmehr sollten die inneren Räume der Erinnerung und des Gedenkens an den Verstorbenen bewusst gelebt werden.

Der Experte rät Angehörigen, zunächst den Wunsch des Nachsterbens als Ausdruck der Sehnsucht zu respektieren. Ein hilfreicher Weg für Trauernde, um diesen Wunsch zu überwinden: Sie sollten sich bewusst machen, dass es gut wäre, wenn sie noch eine Weile „hier bleiben“, sagt Kachler – so könnten sie ihren geliebten Menschen in Erinnerung halten, anderen von ihm erzählen und das Gedenken etwa durch die Pflege des Grabes wachhalten. Und dann gehe man zu ihm, wenn die Zeit des eigenen Sterbens gekommen sei, sagt der Psychologe.

Wer seinen Partner verloren hat, sollte sich Zeit lassen für die Trauer, betont Kachler. Er empfiehlt, in Ruhe Erinnerungen wie Fotos oder alte Briefe zu sortieren. Es kann helfen, in Gedanken mit dem Verstorben zu sprechen. „Manche haben das Gefühl, das sei verrückt oder nicht erlaubt“, so Kachler. Doch das Gegenteil ist der Fall: „Man sollte das innere Gespräch suchen.“ Wer gerne schreibt, kann Briefe an den Verstorbenen schreiben, um damit die Verbindung wachzuhalten. „Es geht im höheren Alter darum, den Verstorbenen zu integrieren und eine innere Beziehung zu ihm zu finden und zu pflegen – über Erinnerungen, das innere Gespräch und durch Rituale wie den Besuch am Grab“, sagt der Psychologe.

Manchmal gab es noch Konflikte, die man vor dem Tod des Partners nicht mehr aus der Welt räumen konnte. „Es ist dringend nötig“, sagt Kachler, „das Unerledigte noch zu klären, im inneren Gespräch oder Briefen.“ Sonst binde das den Verstorbenen auf eine „destruktive Weise“ an einen – die schönen Erinnerungen werden so getrübt oder sogar blockiert. Das Alleinsein kann manchmal auch in Wut umschlagen. Das Gefühl sollten Trauerende zulassen und nicht unterdrücken.

Egal, ob sie jemanden anders davon erzählen, es aufschreiben oder bewusst einmal richtigen jammern oder schimpfen. „Das ist wichtig“, betont Kachler. Denn unterdrückte Wut könne zu Verbitterung und schließlich zu aggressiver Verschlossenheit führen. Von Tom Nebe, dpa
   

Individuelle Wünsche berücksichtigen

Den meisten Angehörigen ist es wichtig, dass die Bestattung eines geliebten Menschen würdevoll und persönlich gestaltet wird. Doch natürlich stellt sich dabei auch die Frage nach den Kosten. Der Bundesverband der Bestatter (BDB) rät dazu, so früh wie möglich Angebote bei Bestattern einzuholen und sich durchaus bei mehreren Unternehmen zu informieren.

Im Wesentlichen setzen sich die Gesamtkosten aus drei Teilbereichen zusammen. Da sind zum einen die Dienstleistungen des Bestatters: Dazu gehören Kosten für Sarg oder Urne, Betreuungs- und Formalitätenservice, Überführung und Versorgung sowie die Organisation der Erd- oder Feuerbestattung.

Dann gibt es noch die individuellen Wunschleistungen. Darunter fallen zum Beispiel Blumenschmuck, Trauerredner, Gottesdienst, Organist, Sargträger, Begleitung der Trauerfeier, Kosten für Druckerzeugnisse, Grabstein mit Gravur.

Der dritte Teilbereich sind die Gebühren: Hierzu zählen die Todesbescheinigung, Gebühren für Urkunden (etwa die Sterbeurkunde), Grabnutzungsgebühren, Beisetzungskosten oder die Nutzung der Trauerhalle auf dem Friedhof.

Wer es seinen Angehörigen leichter machen möchte, kann schon zu Lebzeiten zum Beispiel eine Bestattungsverfügung aufsetzen, in der alles festgehalten ist, wie die Bestattung aussehen soll.

Auch kann man hier Personen benennen, die bei Fragen der Beerdigung entscheiden sollen. Und es gibt die Möglichkeit, mit einem Bestatter einen Vorsorgevertrag abzuschließen und so die Hinterbliebenen finanziell zu entlasten. Anne Meßmer