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Tag des Bieres Hechingen So rein wie kein anderes

Zum Tag des Bieres am 23. April steht jährlich das Reinheitsgebot im Mittelpunkt.

Neben besten Zutaten spielt auch die Erfahrung des Brauers eine wichtige Rolle im Entstehungsprozess eines guten und erfrischenden Bieres. Foto: Jacob Lund/Shutterstock.com

22.04.2021

„Wir wollen auch sonderlichen, das füran allenthalben in unnsern Steten, Märckten und auf dem Lannde, zu kainem Pier merer Stückh, dann allain Gersten, Hopffen unnd Wasser, genommen und gepraucht sollen werden.“ So steht es in der bayerischen Landesordnung vom 23. April 1516 – der ersten schriftlichen Version des Reinheitsgebots.

Von Bayern in die Welt hinaus

Zunächst war das Reinheitsgebot eine rein bayerische Sache. Hopfen, Malz und Wasser etwas anderes durfte in Bayern in kein Bier – Hefe wurde erst später in die Zutatenliste mitaufgenommen, da man ihre Funktion damals noch nicht vollständig kannte. Vor allem durfte kein Zucker zugesetzt werden. Und: Es gab sogar eine Zeit, in welcher zuckerhaltiges Bier nicht unter dem Namen „Bier“ nach Bayern importiert werden durfte. Im Verlauf der Jahrhunderte eroberte das Reinheitsgebot von Bayern aus ganz Deutschland und später auch andere Länder. Bis heute ist der Zusatz „Gebraut nach dem Reinheitsgebot von 1516“ ein Zeichen von Qualität. Bevor es die strenge Zutatenregelung gab, fanden mitunter abenteuerliche und auch giftige Substanzen den Weg in die Braukessel.

Das ist zu lesen von Wurzeln, Bilsenkraut oder Stechapfel. Auch wurden Ruß und Pech beigemischt, um die berauschende Wirkung des Getränks zu verstärken. Bei einer falschen Dosierung führte der Genuss im besten Fall zu einer fiesen Magenverstimmung – im schlimmsten Fall zum Tod.


95 Liter Bier trank jeder Deutsche im Jahr 2020 statistisch gesehen. Vor zehn Jahren waren es noch 125 Liter.

Quelle: Statista


Genuss ohne Sorgen

Mit der Verkündung des Reinheitsgebots am 23. April in Ingolstadt – der heute der „Tag des Bieres“ ist – sollten drei Ziele erreicht werden. Zum einen sollten die Verbraucher vor überhöhten Preisen geschützt werden. Denn wenn jeder Brauer nur die drei gleichen, später vier, Zutaten verwenden darf, können sich die Bierpreise ja nicht so stark unterscheiden. Zum anderen sollte das wertvolle Weizen aus der Bierproduktion verschwinden. Dieses wurde zuvor gerne zum Brauen verwendet und fehlte dafür den Bäckern zum Brotbacken. Und der dritte Grund war der Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Durch die vorgegebenen Zutaten wollten die Macher des Reinheitsgebots verhindern, das minderwertige oder gar giftige Stoffe im Bier landeten. Die Qualität des reinen bayerischen Bieres überzeugte und so nahm die Geschichte des Reinheitsgebots seinen Lauf. 

Bereits vor dem Reinheitsgebot von 1516 gab es regionale Vorschriften, was alles in Bier darf und was ein Bier kosten darf. So zum Beispiel bereits 1156 in Augsburg, 1293 in Nürnberg, 1363 in München und 1447 in Regensburg. Direkter Vorläufer des Reinheitsgebotes ist eine in Landshut im Jahr 1493 erlassene Biersatzordnung für das damalige Teilherzogtum Niederbayern. Man sieht: Die Qualität ihres Bieres liegt Brauern und Genießern seit jeher am Herzen. In diesem Sinne: Zum Wohl! Anne Meßmer