Sonderveröffentlichung

Schule, Ausbildung, Beruf Studium oder Lehre?

Wer eine Karriere in der Hotellerie anstrebt, kann verschiedene Wege wählen. Foto: dpa
Wer eine Karriere in der Hotellerie anstrebt, kann verschiedene Wege wählen. Foto: dpa

Zukunft: Wer sich zwischen Ausbildung und Studium entscheiden kann, hat die Qual der Wahl. Wie trifft man die beste Entscheidung?

Von Sofie Czilwik, dpa

Dass Nadine Linke in der Tourismusbranche landen würde, hat wohl niemanden sonderlich überrascht. In Indien als Tochter zweier reisebegeisterter Gastronomen geboren, wurde ihr das Fernweh praktisch in die Wiege gelegt. Und in welcher Branche ist man da besser aufgehoben als in der Hotellerie?

So informierte sich die heute 18-Jährige auf Messen über potenzielle Arbeitgeber und Ausbildungswege und entschied sich für ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Fachrichtung Tourismus. „Ich wollte auf jeden Fall in den Tourismus und gleichzeitig studieren“, erzählt sie. „Es ist sehr stressig und zeitintensiv.“

Ihr selbst reichte eine Ausbildung als Hotelfachfrau nicht. Denn sie will die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen, und Mathe lag ihr schon immer. Tief in Themen eintauchen zu wollen – das ist laut Bundesagentur für Arbeit oft ein Grund, der für ein Studium spricht. Daneben sollte man für ein Studium ein großes Maß an Disziplin und Selbstorganisation mitbringen.

Sandra Warden, Geschäftsführerin vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), würde jungen Menschen zuerst zu einer Lehre raten, um sich mit der Branche auseinanderzusetzen. Auszubildende durchlaufen alle Abteilungen und erhalten einen guten Überblick in die betrieblichen und operativen Abläufe. Und unter Umständen ist auch der Zugang zur Ausbildung leichter.

Für die meisten dualen Berufsausbildungen wird formal kein Schulabschluss vorgeschrieben. Dennoch erwarten viele Betriebe mindestens einen Hauptschul- oder Realschulabschluss – oder das Abitur. Generell gibt es aber einen Trend zur Akademisierung. Die Zahl der Studienanfänger ist im vergangenen Jahrzehnt gestiegen – von rund 1,9 Millionen im Jahr 2007 auf 2,8 Millionen im Jahr 2017, erklärt Hannelore Mottweiler vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Längeres Praktikum

Zwar ist ein Hochschulabschluss formal die bessere Qualifikation, gerade für leitende Positionen. „Gemäß des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen werden Hochschulabsolventen in eine höhere Stufe eingeordnet“, sagt Mottweiler.

Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass jemand mit Hochschulabschluss andere Tätigkeiten ausübt als jemand mit einer Ausbildung. In Branchen wie der Mediengestaltung gebe es mittlerweile so viele Absolventen aus Medien- und Grafikstudiengängen, dass diese immer häufiger Facharbeitertätigkeiten übernehmen.

Wer sich in Berufen, in denen es mehrere Wege gibt, für ein Studium entscheidet, sollte vorher zumindest immer ein längeres Praktikum absolviert haben. Einen wichtigen Unterschied zwischen der Ausbildung und dem Studium gibt es noch: Gerade wer sich für Auslandsaufenthalte während der Ausbildung interessiert, ist an der Hochschule womöglich besser aufgehoben.

Dort sind sie oftmals üblicher und besser mit dem Curriculum vereinbar als in einer Ausbildung. Einige Kommilitonen von Studentin Nadine Linke etwa wechseln in der Praxisphase nicht nur den Betrieb, sondern gleich das Land: In großen Hotelketten sei das kein Problem.

Linkes Entscheidung für ein duales Studium war bewusst. Auch weil sie noch nicht weiß, ob sie ihr Leben lang in einem Hotel arbeiten möchte. Mit dem betriebswissenschaftlichen Studium lässt sie sich weitere Branchen für später offen.


Ein Plus im Lebenslauf

Engagement: Ein FSJ ist auch ein Gewinn für sich selbst. In der Region gibt es ab Herbst 2019 noch freie Plätze.

Anderen etwas Gutes tun – zum Beispiel während eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Foto: dpa
Anderen etwas Gutes tun – zum Beispiel während eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Foto: dpa

Nach der Schule erst mal ein Freiwilliges Jahr machen – das lohnt sich für die persönliche Entwicklung ebenso wie für die Berufswahl. Denn das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) kann in vielerlei Hinsicht Klarheit bringen. Es ist eine sinnvolle Zeit, um Wartezeiten gut zu überbrücken, seine eigenen Horizonte zu erweitern, Erfahrungen zu sammeln oder Klarheit für den Berufsweg zu finden.

Ob im Umgang mit Patienten, alten Menschen oder Kindern, ob beim Beraten, Verwalten, Organisieren: Das FSJ bietet viele Möglichkeiten für junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren. Und: Im Lebenslauf stellt das FSJ ein Plus dar, unabhängig davon ob danach ein sozialer Beruf gewählt wird. Zudem wird das FSJ für einige Berufsausbildungen als Praktikum anerkannt.


16 bis 27 Jahre alt sind FSJler in der Regel. Im Lebenslauf stellt das FSJ ein Plus dar, unabhängig davon ob danach ein sozialer Beruf gewählt wird.


Dank vielfältiger Einsatzstellen hat man die Wahl – ob man zum Beispiel in Kindereinrichtungen in Reutlingen, Wannweil, Pliezhausen und Umgebung in Schulen, in verschiedenen Bereichen in den Kliniken Urach, in der Arbeit mit behinderten Menschen, in Wohngruppen, Werkstätten, in der Altenhilfe oder in der Schulbegleitung von Kindern in Reutlingen und Umgebung arbeiten möchte.

Zwölf Monate Regelzeit

Die Dauer für ein Freiwilliges Soziales Jahr liegt zwischen sechs und 18 Monaten, die Regelzeit beträgt zwölf Monate. 25 Bildungsseminartage ergänzen die praktische Arbeit. Mit Rat und Tat und einem offenen Ohr für Probleme und Fragen stehen die Ansprechpartner des FSJ-Trägers IB (Internationaler Bund) den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Seite.

Freiwillige im Sozialen Jahr erhalten für ihr Engagement Taschengeld und weitere Zuschüsse. Bei einem Gespräch werden interessierte Bewerber über die genauen Möglichkeiten beraten. Beginn des FSJ beim IB ist ab September 2019. Zwischeneinstiege sind nach Absprache möglich. Wer Interesse hat, kann einfach anfragen, sich beraten lassen.

Wenden kann man sich an den Internationalen Bund, Freiwilligendienste Reutlingen, Mittnachtstraße 13, 72760 Reutlingen, Telefon (07121) 433082-0, E-Mail: freiwilligendienste-reutlingen@ib.de. Mehr auch im Internet unter www.ib-freiwilligendienste.de/reutlingen. pm

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