Sonderveröffentlichung

Hülben im Portrait Der Ort lebt vom Engagement seiner Bürger

Kommune: Die Infrastruktur stimmt in der 3000-Seelen-Gemeinde, dafür nehmen Verwaltung und Einwohner viele Themen selbst in die Hand.

Die Turnabteilung ist ein Beispiel für das große ehrenamtliche Engagement in Hülben.  

27.07.2020

Die Gemeinde Hülben mit ihren knapp 3000 Einwohnern liegt auf der Vorderen Alb oberhalb von Bad Urach. Von Alemannen zwischen 700 und 800 an zwei Hülen, daher auch der Name des Ortes, gegründet, steht im Hülbener Stammbuch aus dem Jahre 1278 geschrieben, es handle sich um ein eigenbrötlerisches, zuweilen auch störrisches Bergvolk, das der Trunkenheit und der Weiberei nicht abgeneigt sei.

Ins Positive übertragen bedeutet dies, Hülben hat ein reges Vereinsleben mit vielen Feiern, Festen und geselligen Elementen über das ganze Jahr verteilt. Und mit dieser Interpretation trifft man genau ins Schwarze.

Das ehrenamtliche Engagement des „Bergvolkes“ ist tatsächlich beachtlich. Ob Deutsches Rotes Kreuz, Kirchen, Sport- oder Musikvereine und Kulturschaffende, für einen Ort seiner Größe weist Hülben eine enorme Vielfalt an Vereinen und Vereinigungen auf.
       

Vorbildlicher Dorfladen

Valerie Kuder und Bürgermeister Siegmund Ganser freuen sich über „ihren“ Dorfladen.  
Valerie Kuder und Bürgermeister Siegmund Ganser freuen sich über „ihren“ Dorfladen.  

Beispielhaft wird dieses Engagement, wenn es um den Erhalt der Nahversorgung im Ort geht. Nachdem der letzte Drogeriemarkt seine Pforten an der Hülbener Ortsdurchfahrt geschlossen hatte, setzten sich die Hülbener mit ihrem Bürgermeister Siegmund Ganser kurzerhand zusammen und gründeten schließlich eine Genossenschaft zum Betrieb eines Dorfladens. In diesem gibt es alles, was man zum täglichen Leben braucht. Besonders während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wurde vielen Hülbenern der Wert der Einkaufsmöglichkeit gleich um die Ecke bewusst. Doch auch schon im Jahr zuvor, also 2019, schrieb der Dorfladen im dritten Jahr seines Bestehens schwarze Zahlen.

Andere ehrenamtlich organisierte Höhepunkte im Jahreskalender mussten in diesem Jahr leider ausfallen. Der Maihock, der Hüle-Hock oder auch das noch junge Weinfest mussten gestrichen werden.

Grund genug für die Hülbener, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Nicht umsonst trägt das Dorf den zertifizierten Titel des Landratsamtes „Gesunde Gemeinde“. Bei diesem Projekt war Hülben eine der drei Startgemeinden, inzwischen ist man sogar schon rezertifiziert.

Den auf Jahre größten Schritt in Sachen „Gesunde Gemeinde“ möchte man im kommenden Jahr machen. Dann soll Spatenstich sein zum Gesundheits- und Präventionszentrum mitten im Ortskern. Der Erhalt der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum ist den Hülbenern und ihren Gemeinderäten so wichtig, dass dafür sogar der bestehende Kindergarten abgerissen wird, um Platz zu schaffen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Kindergarten ohnehin sanierungsbedürftig war und für die Hülbener Kinder inzwischen zu klein geworden war.
      

Mit privaten Investoren

Insgesamt wird der Bau des ganzen Komplexes wohl mehr als zehn Millionen Euro kosten. Der größte Teil davon soll durch private Investoren aufgebracht werden, die ein Pflegeheim mit Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen sowie ein Therapiezentrum errichten möchten. Der andere Teil, das Gesundheitszentrum, wird dagegen von der Gemeinde gestemmt. Es wird im Kern ein Ärztehaus mit Hausarzt und Facharztpraxen.

Doch müssen es nicht immer gleich Millionen sein, um die Gesundheit der Bürger zu fördern. So gibt es seit wenigen Monaten auch den Mehrgenerationenweg „Etzenberg“, an dessen Stationen Hülbener jeden Alters Fitness- und Kräftigungsübungen an der frischen Luft machen können.

Kern der „Gesunden Gemeinde“ ist aber das Bewusstsein der Bürger. Diesen wird immer wieder in Form von Kursen, Vorträgen oder Veranstaltungen das Thema nahegebracht. Nicht zuletzt auch daher kann sich Hülben als Sportgemeinde bezeichnen. Fußball, Turnen und Wintersport stehen in der Gemeinde ganz oben auf der Agenda. Zuletzt hat sich sogar ein neuer Förderverein gegründet, der für die Turnabteilung eine eigene Trainingshalle umbauen möchte – auch dieses Engagement ist selbstredend ehrenamtlich.