Das Kfz-Handwerk trägt den Wandel mit, so Ludger Wendeler von der Kfz-Innung Göppingen
Sonderveröffentlichung

Kraftfahrzeug und Verkehr Das Kfz-Handwerk trägt den Wandel mit, so Ludger Wendeler von der Kfz-Innung Göppingen

Das Kfz-Handwerk passt sich den großen Herausforderungen dieser Zeit an und bietet weiterhin Zukunftssicherheit. Davon ist Ludger Wendeler, Obermeister der Kfz-Innung Göppingen, überzeugt. 

Trotz aller Herausforderungen blickt Ludger Wendeler, Obermeister der Kfz-Innung Göppingen, optimistisch in die Zukunft.

15.08.2022

Das Kfz-Handwerk im Landkreis verstärkt seine Zusammenarbeit mit der hiesigen Elektro-Innung. Damit reagiert es auf die Herausforderungen dieser Zeit und stellt sich langfristig für die Zukunft auf. ,,Im vergangenen Jahr lag der Anteil an Neuzulassungen für Fahrzeuge mit E- und Hybridantrieb im Landkreis Göppingen bei 43 Prozent und ist damit im Vergleich zum Vorjahr noch etwas angestiegen", weiß Ludger Wendeler, Obermeister der Kfz-Innung Göppingen. ,,Das zeigt, dass der Technologiewandel bei den Kunden angekommen ist - und das Kfz-Handwerk trägt ihn natürlich mit."

Achten Sie auf dieses Zeichen.

Kooperation soll umfassende Kundenberatung ermöglichen

Eine vertiefte Zusammenarbeit mit der Elektro-Innung mache in diesem Hinblick mehr als Sinn, ist der Obermeister überzeugt. Nur so könnten die Kunden in Zukunft umfassend zu ihrem neuen E-Fahrzeug beraten werden, zu dem letztendlich auch die Frage nach einer passenden Lademöglichkeit gehöre. ,,Zu den Fahrzeugen selbst können die Experten unserer Innungsbetriebe kompetent beraten, doch wenn es an die Ladeinfrastruktur geht, wird oft weitergehendes Wissen benötigt. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit der Elektro-Innung einen Arbeitskreis gebildet, der Möglichkeiten zur Kooperation finden und interessierte Betriebe beider Gewerke zusammenbringen soll." Vorstellbar sei zum Beispiel die Entwicklung eines Fragebogens zur Wohnsituation des Kunden, anhand dessen ein Partnerbetrieb aus der Elektrobranche beurteilen kann, inwiefern die Installation eines Ladepunktes möglich ist, und diese bei Bedarf auch übernimmt. „Es muss zum Beispiel in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern ein Lademanagement vorhanden sein, wenn regelmäßig mehrere E-Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden sollen. Mit diesem Angebot wollen wir unseren Kundenservice erweitern und ihnen den Wechsel auf Fahrzeuge mit E-Antrieb erleichtern."

Neues Fahrzeug rechtzeitig bestellen

Wer weiß, dass ein neues Auto benötigt wird - ob Verbrenner oder mit E-Antrieb - sollte mit der Bestellung nicht bis zum Schluss warten, sondern sich rechtzeitig um ein neues Fahrzeug kümmern, bestenfalls schon ein Jahr im Voraus, rät Ludger Wendeler. ,,Der aktuelle Auftragsbestand ist sehr gut, aber Aussagen zur Auslieferung können derzeit kaum getroffen werden. Gründe für die Verzögerungen sind der anhaltende Halbleiter- und Chipmangel sowie die unterbrochenen Lieferketten. Durch den Krieg in der Ukraine sind außerdem Zulieferer von verschiedenen Herstellern ausgefallen. Leider geben die Hersteller den Autohäusern hierzu aber zu wenig Auskünfte."

Weniger Angebot verfügbar

All dies habe dazu geführt, dass das Angebot von Neuwagen begrenzt sei und selbst wer flexibel sei, könne oft nicht damit rechnen, auf Anhieb etwas zu finden. Ähnlich sei die Situation auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Da Dienstwagen und Leasingfahrzeuge länger gefahren würden, kämen nur wenige Gebrauchte auf den Markt. Zudem erhöhe sich die Nachfrage, weil Neuwagenkunden zunehmend auf den Gebrauchtwagenmarkt ausweichen würden. Das Ergebnis sind sinkendes Angebot und steigende Preise. ,,Damit unsere Leasing-Kunden mobil bleiben, machen wir sie rechtzeitig aufmerksam, wenn ihre Verträge auslaufen. Schließlich müssen wir mit der Liefersituation ehrlich umgehen. Die Menschen sind sich der Situation aber bewusst und reagieren in der Regel mit Verständnis - mittlerweile sind die Schwierigkeiten bei der Lieferfähigkeit ja auch aus fast allen Branchen bekannt."

Weniger Fahrzeuge im Landkreis zugelassen

Auch wenn die Nachfrage nach wie vor vorhanden ist, schlägt sich das fehlende Angebot in den Zulassungszahlen nieder. So wurden im Landkreis Göppingen im ersten Halbjahr 2022 sechs Prozent weniger Neuwagen zugelassen als im Vorjahreszeitraum, ein Minus von 13,5 Prozent verzeichnete die Zulassungsstelle für Gebrauchtwagen. Damit stehen die Zulassungszahlen im Landkreis noch etwas besser da als in der Bundesrepublik, wo ein Rückgang von elf Prozent für Neuwagen und 14,6 Prozent für Gebrauchtwagen stattgefunden hat. Auch für die nahe Zukunft rechnet Ludger Wendeler nicht mit einer signifikanten Besserung. ,,Inflation und Energiekrise sorgen für eine große Unsicherheit bei den Verbrauchern, das ist in allen Branchen zu spüren. Vor allem bei größeren Investitionen bleiben die Kunden derzeit vorsichtig."

Förderungen für Elektrofahrzeuge reduziert

Zudem gingen die Bestellungen für Hybridfahrzeuge und reine Stromer spürbar zurück. Der Innungsobermeister erklärt: „Ab 2023 entfällt die Innovationsprämie für Hybridfahrzeuge und auch die Förderung für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge wird reduziert. Weil für die Förderungen aber nicht das Bestelldatum gilt, sondern das Datum der Auslieferung, fehlt vielen der Anreiz, in ein Fahrzeug mit Elektroantrieb zu investieren."

Positive Entwicklung im Servicegeschäft

Wenn Fahrzeuge länger gefahren werden, weil Neuwagen nur verzögert ausgeliefert werden können, müssen sie auch öfter gewartet werden. So profitiert das Service- und Werkstattgeschäft vom fehlenden Angebot auf den Fahrzeugmärkten. Auch im Unfall- und Karosseriegeschäft steigen die Aufträge: Weil es keine Lockdowns mehr gab und Regelungen zur Homeoffice-Pflicht abgelaufen sind, sind auch wieder mehr Fahrzeuge auf den Straßen. Ludger Wendeler berichtet: ,,Die Werkstätten sind gut ausgelastet und können Fahrzeuge in der regulären Zeit reparieren. In Einzelfällen kann es jedoch immer noch vorkommen, dass ein Ersatzteil nur schwer zu bekommen ist." Dann könne es durchaus auch einmal länger dauern - was besonders ärgerlich ist, wenn das Fahrzeug ohne das entsprechende Ersatzteil nicht fahrbereit ist. „Wir setzen aber natürlich alles daran, dass die Kunden in einem solchen Fall mobil bleiben, zum Beispiel mit einem Leihfahrzeug. Nur - je nach Verfügbarkeit ist das leider nicht immer möglich."

Politik setzt auf Strom

Spätestens mit dem letzten Entscheid der EU gegen den Verbrenner ab 2035 ist der technologische Wandel gesetzt. Hersteller und Autohäuser begrüßen die Entscheidung, gibt sie ihnen doch endlich die schon lange geforderte Planungssicherheit. ,,Völlig offen ist jedoch noch, ob die Stromnetze die benötigte Energie hergeben und ob sich die öffentliche Ladeinfrastruktur entsprechend entwickelt - auch im europäischen Ausland. Diese Fragen kommen in der Politik bisher zu kurz", bemängelt Ludger Wendeler. Positiv bewertet er jedoch, dass auch Verbrenner weiterhin zugelassen werden dürfen, wenn sie mit klimaneutralen E-Fuels betankt werden.

E-Fuels als Alternative

Die synthetischen Kraftstoffe wenn der sind klimaneutral, Strom bei ihrer Erzeugung aus erneuerbaren Quellen stammt und das notwendige CO₂ aus der Atmosphäre, aus Biomasse oder Industrieabgasen entnommen wird. „Es ist unbestritten, dass die Fahrzeuge umwelt- und klimafreundlicher werden und die CO₂-Emisionen reduziert werden müssen. Die Kfz-Branche hat sich schon immer für Technologieoffenheit eingesetzt, um dieses Ziel zu erreichen. Aus diesem Grund begrüßen wir die Entscheidung der EU zugunsten der E-Fuels."

„Unser Handwerk freut sich über guten Zuspruch bei den jungen Menschen.“
Ludger Wendeler, Obermeister Kfz-Innung Göppingen

Trotzdem hätte sich der Innungsobermeister deutlich mehr Lösungen für den Verbrenner gewünscht, vor allem mit Blick auf die Bestandsfahrzeuge. So geht Ludger Wendeler davon aus, dass in den 2030er-Jahren immer noch 30 Millionen Bestands-Pkw mit Verbrennermotor in Deutschland auf den Straßen unterwegs sein werden. ,,Auch für diese Fahrzeuge können E-Fuels eine Lösung sein, um sie umweltfreundlicher zu machen", betont Ludger Wendeler. ,,Zum Beispiel könnte man diese zumindest beimischen, wenn es sich um ältere Motoren handelt. Schließlich zählt jedes gesparte Gramm CO₂. Würden E-Fuels von der Politik gefördert werden, gäbe es auch einen größeren Anreiz, in die Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen zu investieren und entsprechend ein größeres Angebot."

Nutzfahrzeuge werden umweltfreundlicher

Und wie lassen sich Nutzfahrzeuge in Zukunft mit Energie versorgen? An dieser Stelle fahren die Hersteller zweigleisig, weiß der Innungsobermeister. ,,Die Brennstoffzelle spielt natürlich eine Rolle, es wird aber auch versucht, Lkw elektrisch zu bekommen - wenigstens die kleineren für den Innenstadtverkehr. Wenn sich die Batterietechnik aber entsprechend weiterentwickelt und es auch genügend passende Schnellladesäulen an den Autobahnen gibt, lässt sich vielleicht auch der Fernverkehr elektrisch gestalten. Außerdem könnten E-Fuels dazu beitragen, den Fernverkehr umweltfreundlicher zu machen."

Fachkräfte werden gebraucht

Doch nicht nur Technologiewandel und Lieferprobleme beschäftigen das Kfz-Handwerk, sondern auch der Fachkräftemangel - wenn auch weniger als in anderen Branchen. ,,Unser Handwerk freut sich über guten Zuspruch und im Juli wurden 50 junge Menschen eingeschult, die im September ihre Kfz-Ausbildung beginnen werden", berichtet Ludger Wendeler. Die Ausbildungsberufe im Kfz-Handwerk sind durchaus anspruchsvoll. Je nach Wahl des Berufs sind sowohl handwerkliches Geschick als auch Köpfchen gefragt. ,,Themen wie E-Mobilität und die Durchführung von Diagnosen sind nicht ganz ohne", weiß Ludger Wendeler. ,,Deswegen freuen wir uns besonders über Schulabgänger und Studienabbrecher, die nicht nur gerne praktisch arbeiten, sondern auch Sinn und Verständnis für die Theorie dahinter haben."

Nach der Ausbildung haben Gesellinnen und Gesellen die besten Perspektiven im Kfz-Handwerk. Gute Fachkräfte werden schließlich immer gebraucht. ,,Das Handwerk steht an erster Stelle, wenn es darum geht, die Fahrzeuge am Laufen zu halten, Lösungen für die Kunden zu finden und den technologischen Fortschritt zu tragen", ist Ludger Wendeler überzeugt. ,,Aus diesem Grund bieten wir auch groBe Zukunftssicherheit. Denn Mobilität wird für die Menschen immer wichtig sein. Und wie die Technologie dafür in Zukunft auch aussehen wird, das Kfz-Handwerk wird sich darum kümmern." Daniela Strohmaier

Zulassungszahlen

649 Neufahrzeuge wurden im Juli im Landkreis Göppingen zugelassen (Juni: 669). Davon waren 82 Elektrofahrzeuge (91), 202 Hybridfahrzeuge (183) und davon 107 Plug-in-Hybridautos (91).

1787 Gebrauchtwagen, die im Juli zugelassen wurden, zählt das Landratsamt Göppingen (Juni: 1761).