Sonderveröffentlichung

Bauen & Wohnen Das etwas andere Haus

Zukunft: Bauen mit Stroh, Lehm oder Erde gilt vielen immer noch als exotisch. Dabei sind natürliche Baustoffe mehr als nur klimafreundlich.

Wohnen wie ein Hobbit: Das Haus von Robert Sengotta im bayerischen Günzburg schmiegt sich an einen Erdhügel an. Foto: dpa

27.04.2020

Zu wohnen wie ein Hobbit hat seine Vorteile. Robert Sengotta kann seine Salsa-Partys feiern – und die Nachbarn haben dennoch ihre Ruhe. Dafür sorgen Tonnen von Erde und Beton und dreiglasige Fenster. „Der Schallschutz ist außergewöhnlich gut“, sagt der Softwareentwickler über sein Erdhaus in Günzburg (Bayern). Es dringt so gut wie nichts heraus oder herein.

Ein wenig erinnert Sengottas Eigenheim an die Höhlen, die Frodo und seine Freunde im Epos „Herr der Ringe“ bewohnen. Es ist ein Erdhügel mit einer großen Fensterfront gen Süden. Diese Ausrichtung sorgt für eine alles andere als höhlentypische Helligkeit. „Dass es hier dunkel ist, ist ein weit verbreitetes Vorurteil“, versichert Sengotta. Im Gegenteil, „überdurchschnittlich hell“ sei es.

Erdhäuser sind in Deutschland eine Seltenheit – auch Sengotta bezeichnet sie als „exotisch“, was aber nicht unbedingt etwas mit ihren inneren Werten zu tun hat, sondern mit den Vorstellungen, wie ein Haus auszusehen hat. Unter einem Erdhügel wohnen, das ist nicht gerade das, was viele unter einem modernen Wohngebäude verstehen.

Zurück zu den Ursprüngen

Dabei sei das eine sehr alte Bauweise, sagt der Bauingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser aus Rothenburg ob der Tauber. Sie geht auf das ganz ursprüngliche Verhalten der Menschen zurück, in Höhlen Schutz zu suchen. „Die Bauweise galt irgendwann nicht mehr als sexy, doch heute findet man dazu zurück.“ Das betrifft nicht nur Erdhäuser, die tatsächlich eher eine kleine Nische darstellen, sondern auch Lehm und Stroh als Grundbaustoff. „Sie waren in mittelalterlichen Gebäuden gang und gäbe“, sagt Edelhäuser und fügt hinzu: „In den vergangenen Jahren erleben sie eine Renaissance und werden immer beliebter.“

Auch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) nutzt den Renaissance-Begriff. Die in den 90er Jahren auf Initiative der Bundesregierung ins Leben gerufene FNR betreut Forschungsvorhaben rund um das Thema nachwachsende Rohstoffe. Um eine „Revolution“ aber handele es sich nicht, sondern um ein „langsames, stetiges Umdenken“.

Durch die Debatte um mehr Klimaschutz rücken die traditionellen Bauweisen mit Lehm, Stroh oder Erde und damit der möglichst große Verzicht auf konventionelle Baustoffe wieder vermehrt in den Fokus. Die natürlichen Baustoffe seien besonders klimafreundlich in ihrer Herstellung und Entsorgung, erklärt Edelhäuser, der im Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sitzt. Darüber hinaus würden sie ohne hohen Energieaufwand produziert.

Natürlich gewachsene Stoffe wie Stroh oder auch Dämmstoffe aus Holz oder Jute haben außerdem einen sogenannten CO2-Senkeneffekt. Während des Wachstums spalten die Pflanzen Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff und Kohlenstoff auf – den Sauerstoff geben sie ab, den Kohlenstoff binden sie. Dieser bleibt auch solange gebunden, wie das Gebäude steht, erläutert Anna Wolff von der Deutschen Umwelthilfe.

Vorzüge und Herausforderungen

Doch allein das gute Gewissen, etwas fürs Klima getan zu haben, dürfte die meisten Bauherren nicht überzeugen. Alternative Baustoffe haben jedoch auch gewisse praktische Vorzüge. Lehm zum Beispiel: „Der trägt zu einem angenehmen Raumklima bei, weil er eine hervorragende Feuchtepufferung hat“, beschreibt Bau-Ingenieur Edelhäuser.

Auf der anderen Seite haben die Stoffe gewisse Anfälligkeiten, auf die Planer Rücksicht nehmen müssen. Bei Stroh und Lehm zum Beispiel sei der Feuchteschutz wichtig, sagt Edelhäuser. „Stroh verschimmelt, wenn es nass wird und nicht mehr abtrocknen kann. Lehm wiederum quillt auf, wenn er massiver Feuchte ausgesetzt ist.“ Dem lässt sich im Grunde aber baulich vorsorgen.

Generell stoßen natürliche Materialien aber im feuchtekritischen Bereich, etwa beim Fundament, an ihre Grenzen. „Da fehlt es noch an Innovationen“, sagt René Görnhardt, Baustoffexperte der FNR. So seien Alternativen, beispielsweise ein Textilbeton mit Flachs als Verstärkung, noch nicht ausgereift genug, um zeitnah im Einfamilienhausbau zum Einsatz zu kommen.

Das heißt: Beim Fundament geht es noch kaum ohne Beton. „Und da wissen wir ja, dass er nicht gerade ein ökologischer Stoff ist“, sagt Görnhardt. Man könne zwar ein Streifenfundament mit weniger Beton als Basis nutzen oder ein Haus ganz ohne Bodenplatte planen. Das sei technisch durchaus möglich, werde aber eher selten umgesetzt.

Moderner Wohnkomfort

Ist ein Gebäude überhaupt noch nachhaltig, wenn konventionelle Baustoffe verbaut wurden? Für Klaus-Jürgen Edelhäuser lautet die Antwort: ja. Der Bau-Ingenieur führt das an einem Beispiel aus: Selbst wenn man ein Haus sehr schonend baut und zum Beispiel in der Wärmedämmung auf Schafwolle, Schilfrohr oder Hanf setzt, Rahmen sowie Verkleidung aus Holz konstruiert und Faserputze nutzt, „wird man sehr wahrscheinlich ein Bad aus Fliesen haben, mit Silikon- und Folienabdichtungen“. So werde einfach ein gewisser Wohnkomfort sichergestellt und das sei auch nichts Negatives. Das Gebäude sei dennoch nachhaltig.

Wie sieht es eigentlich mit den Kosten für alternative geplante Häuser aus? „Vor zwei, drei Jahren hätte ich noch gesagt, sie sind teurer als konventionelle Bauweisen“, sagt Edelhäuser. Inzwischen sei das Angebot an Baustoffen aber gewachsen, die Produkte seien zum Teil günstiger geworden. „Sie sind nicht mehr unbedingt teurer.“ Und im Unterhalt seien alternativ gebaute Häuser sogar im Vergleich zu konventionellen Gebäuden teilweise günstiger. Von Tom Nebe, dpa


Regelmäßiger Blick nach oben

Gebäude: Schäden am Hausdach können böse Folgen haben. Daher empfiehlt sich ein Dach-Check

Schnee, Sturmböen, Regen – das Wetter kann deutliche Spuren am Haus hinterlassen. Nicht zuletzt am Dach, das einiges aushalten muss. Vermeintlich kleine Schäden können mit der Zeit größere Probleme verursachen, die dann teuer werden. Daher lohnt sich die regelmäßige Überprüfung des Dachs durch Profis. Ein Überblick dazu:

Wie oft sollten Hausbesitzer das Dach überprüfen? Mindestens einmal jährlich lautet der gängige Tipp. Ratsam ist es außerdem nach Sturm, Hagel oder einem schweren Gewitter, erklärt Josef Rühle vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Das hat seine Gründe: „Bei Sturmschäden müssen Hauseigentümer nachweisen, dass ein Fachbetrieb regelmäßig das Dach überprüft hat, sonst können sie haftbar gemacht werden“, sagt Marc Ellinger, Berater im Verband Privater Bauherren (VPB).

Kann man das selber machen oder müssen Profis ran? Einmal jährlich den Handwerker bestellen, das muss keiner. Bei der Suche nach möglichen Schäden kann man sich erst mal selbst behelfen – mit guten Fotos einer Digitalkamera, die man am Computer-Bildschirm in Vergrößerung betrachtet. Vergleiche mit vorherigen Aufnahmen liefern Hinweise, ob die Dachdeckung Schäden oder Veränderungen aufweist.

„Bei steiler geneigten Dächern reichen Fotos von unten“, erklärt Ellinger. Schwach geneigte Dächer sind indes je nach Gebäudehöhe von unten nicht ausreichend einsehbar, bei Flachdächern ist dies in der Regel gar nicht möglich. „Womöglich können Hausbesitzer dann Aufnahmen von den Dachgeschossen benachbarter Gebäude machen“, rät Ellinger. Alternativ geht das mit einer Drohne.

Können Hausbesitzer Reparaturen am Dach selbst erledigen? Laien fehlt in aller Regel das Fachwissen, um Arbeiten akkurat ausführen zu können – das Dach muss schließlich hundertprozentig dicht sein. „Auch sollten Nicht-Fachleute die Gefahr nicht unterschätzen, vom Dach abzustürzen“, betont Ellinger. Daher sollten Hausbesitzer solche Reparaturen generell Fachleuten überlassen.

Wie teuer ist im Schnitt eine Dachwartung? „Die Frage ist so nicht zu beantworten, da der Wartungsvertrag individuell mit dem Kunden vereinbart wird“, sagt Rühle vom Dachdecker-Verband. Ebenso stellt der zu erwartende Aufwand – abhängig vom Alter und damit vom Zustand der Dachdeckung oder der Dachabdichtung – eine individuell zu kalkulierende Größe dar.

Was gilt bei Solaranlagen auf dem Dach? Nach einem Sturm oder einem schweren Gewitter empfiehlt sich ebenfalls ein Check. Auch hier kann man erst mal wieder selbst Bilder mit der Digitalkamera machen. Sollte es für die Sichtprüfung nötig sein, das Dach zu betreten, sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden. „Denn beim Betreten des Dachs besteht die Gefahr, die Anlage schwer zu beschädigen“, warnt Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. Sabine Meuter, dpa
         

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