Es ist eine Einrichtung wie es sie nur sehr wenige in Baden-Württemberg, ja in ganz Deutschland gibt: Das Pflegeheim „Gemeinsam im Leben“ in Dettingen hat Seltenheit in der Pflege-Landschaft, denn hier kümmert man sich um Menschen, die dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen sind. Diese Menschen leiden unter schweren Verletzungen des Gehirns – beispielsweise als Folge von Schlaganfällen, von schweren Verkehrsunfällen, von Arbeitsunfällen. Das heißt, sie sind schwerst körperlich und geistig behindert, manche liegen im Wachkoma.

Persönliche Zuwendung

Was sie brauchen, ist eine vollstationäre neurologische Langzeitpflege, die darauf zielt, ihren Zustand zu erhalten, wenn nicht gar zu verbessern. Was sie brauchen, ist liebevolle persönliche Zuwendung und vollumfängliche professionelle medizinische Versorgung. Was sie aber auch brauchen, das ist ein Zuhause, denn häufig ist die Pflege bei einem Krankheitsbild wie dem ihren von den Angehörigen daheim in den eigenen vier Wänden nicht (mehr) zu schaffen.


Fritz

In Dettingen finden sie und ihre Angehörigen all das – dank der Arbeit der gemeinnützigen GmbH „Gemeinsam im Leben“ und des Engagements zweier miteinander verwandter Familien, die sich vor 30 Jahren entschlossen hatten, ein Pflegeheim für Menschen mit „schweren neurologischen Schädigungen der Phase F“ – so der offizielle Terminus – zu gründen.


Ingenierbüro Joos GmbH

Wolfgang und Ute Budweg und das Ehepaar Keppeler starteten 1990 in der Silcherstraße mit sechs Pflegeplätzen, damals noch als „Leben mit Behinderten GmbH“. Durch den Kauf einer Wohnung im Nachbarhaus war es möglich, auf zehn Plätze zu erweitern, 2005 übernahmen die Gesellschafter das gesamte Nachbarhaus, seitdem verfügte „Gemeinsam im Leben“ über zwölf Plätze sowie die notwendigen Therapieräume.

Und heute? Seit Jahresbeginn hat sich die kleine Einrichtung, was die Zahl der Plätze betrifft, mehr als verdoppelt. 25 Bewohnern kann die GmbH seit dem Umzug in den Neubau nun ein Zuhause und die entsprechende Betreuung und Hilfe bieten.

Bedürfnisse im Fokus

Man will es aber langsam angehen lassen, nicht alle Zimmer im modernen Gebäude in der Buchhalde auf einmal belegen, wie Geschäftsführer Wolfgang Budweg berichtet. Und so leben zurzeit 16 Menschen im Pflegeheim an der Richard-Wagner-Straße, bei dessen Planung man sowohl die Bedürfnisse der Bewohner als auch die Anforderungen an ein solches Haus von Seiten des Gesetzgebers berücksichtigte.

Änderungen zum Neustart: Tochter Tabea Budweg übernahm die Heimleitung, Wolfgang Budweg bleibt aber Geschäftsführer.
Änderungen zum Neustart: Tochter Tabea Budweg übernahm die Heimleitung, Wolfgang Budweg bleibt aber Geschäftsführer.

Auch das Leitmotiv von „Gemeinsam im Leben“ sollte sich in Architektur und Nutzung widerspiegeln. Schließlich ist es den Gründern und Mitarbeitern der GmbH ein Anliegen, Menschen mit Handicap nicht aus der Gesellschaft auszuschließen. Nicht umsonst stehen Leben und Arbeiten im Pflegeheim unter dem Motto „Wir sind alle Gäste des Lebens!“

Und so war von vornherein klar, dass Wolfgang und Ute Budweg sowie deren Tochter Tabea mit Familie mit in den Neubau einziehen würden – in zwei private Wohnungen, errichtet in Eigentümergemeinschaft auf dem Dach des Hauptgebäudes. Für die Budwegs gilt somit seit dem Umzug noch mehr: Leben und Arbeiten sind aufs Engste miteinander verwoben. Jetzt aber gibt es auch Raum für Privates.

Baubeginn für das Pflegeheim „Gemeinsam im Leben“ war im März 2018, pünktlich zum 2. Januar 2020 stand der große Umzug von der Silcherstraße in die Richard-Wagner-Straße an, bei dem alle mit anpackten – Familie, Mitarbeiter, Therapeuten, Angehörige sowie freiwillige Helfer. Seitdem hat das Heim seinen Betrieb aufgenommen, 20 Mitarbeiter kümmern sich zurzeit im Team um die 16 Bewohner, hinzu kommen Therapeuten von außerhalb. Wenn das Haus dann nach und nach voll belegt sein wird, werden es 35 bis 40 Mitarbeiter sein, die sich um die Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren kümmern.

Neue Leitung

Alles neu im neuen Jahr: Mit dem Umzug ergaben sich auch Veränderungen in der Führung des Hauses. Wolfgang Budweg gab die Heimleitung an Tochter Tabea ab, bleibt aber Geschäftsführer. Die 29-Jährige ist als Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Pflegewissenschaftlerin nicht nur vom Fach, ihr war auch schon früh klar, dass sie die Arbeit der Eltern fortführen will. Schon als Schülerin arbeitete sie als Praktikantin im Haus, nach Abitur und Freiwilligem Sozialen Jahr in Südafrika sowie Studium in München kehrte sie immer wieder zu „Gemeinsam im Leben“ zurück. Zuletzt absolvierte sie berufsbegleitend im Fernstudium an der Hochschule Wismar den Masterstudiengang Gesundheitsmanagement.

Übrigens: Auch die restliche Familie ist voll eingebunden: Die Brüder Johannes und Samuel arbeiten im Pflegeheim-Team, und Ute Budweg kümmert sich um die Verwaltung. mcj