Sonderveröffentlichung

Das Schlemmerstüble ist saniert Zurück in den angestammten Räumen

Gastronomie: Im Winter 2014 brannte das damalige Turnerbund-Heim in Metzingen aus. Seitdem diente eine Hütte im urigen Stil dem „Schlemmerstüble“ als provisorisches Domizil. Nun ist das Gebäude saniert.

Das „Schlemmerstüble“ vor den Toren der Stadt wurde umfassend saniert und hat einen neuen Anbau erhalten. Die offizielle Eröffnung des Hauses allerdings muss wegen der Corona-Maßnahmen noch warten. Fotos: Thomas Kieh

16.04.2021

Ereignisse wie diese vergisst man nicht: Es war in der Nacht zum 15. November 2014, als sich für Hilde Auer, die Pächterin des damaligen Turnerbund-Heims in Metzingen, alles änderte. Das Lokal stand in jener Nacht in Flammen, und als der Brand am nächsten Morgen gelöscht war, zeigte sich, dass in den Räumen des Vereinsheims an der Eichbergstraße wohl auf lange Zeit keine Gastronomie betrieben werden kann, zu groß der Schaden am Gebäude und Inventar.

„Der Schock war enorm“, erinnert sich Hilde Auer heute an diese Zeit zurück. Eine Zeit, in der sie gezwungen war, trotz allem rasch zu handeln, um den Betrieb fortführen zu können, ja, um ihn zu retten. Und Hilde Auer handelte: Sie erfuhr von der Möglichkeit, eine Hütte im urigen Stil anmieten zu können, die dann auf dem Gelände des Turnerbunds aufgestellt wurde. „Nur sechs Stunden dauerte der Aufbau, nachdem die Holzhütte per Tieflader aus Bayern angeliefert wurde“, erzählt sie.

Andere Vorbereitungen dauerten etwas länger. So mussten Leitungen verlegt, Sanitäranlagen geschaffen sowie Container aufgestellt werden, in denen eine neue Küche eingebaut wurde. Wobei hier sogar einige der bisherigen Geräte Verwendung fanden, denn nicht alles war durch Feuer und Löschwasser zerstört worden.

Erlaubnis von der Stadt

Dann galt es, das passende Mobiliar für solch eine gemütliche Hütte zu finden. Unterstützung bekam Hilde Auer hier von der Brauerei. Sie durfte sich auf Dachböden und in Kellern der Braustätte die zum urigen Ambiente passenden Tische, Stühle und Bänke aussuchen. Und so öffnete nur wenige Wochen nach dem Brand, nämlich am 12. Dezember 2014, das „Schlemmerstüble“ in Metzingen seine (Hütten-) Türen (wieder).

Die Stadt Metzingen als Eigentümerin des Vereinsheims – der Turnerbund hatte es in Erbpacht betrieben und wiederum an Hilde Auer verpachtet – gab die Erlaubnis für dieses ungewöhnliche Provisorium vor den Toren der Stadt. Blieb die Frage, wie es insgesamt weitergehen soll mit dem ausgebrannten Gebäude. Denn den Vereinsverantwortlichen des Turnerbundes war nach dem Brand schnell klar, dass der Verein mit seinen finanziellen Möglichkeiten den Wiederaufbau nicht würde stemmen können.

Wirtin Hilde Auer hat den Schritt gewagt und im vergangenen Jahr den Umbau gestemmt. Nun freut sie sich, sobald dies möglich ist, wieder Gäste im Haus empfangen zu dürfen.
Wirtin Hilde Auer hat den Schritt gewagt und im vergangenen Jahr den Umbau gestemmt. Nun freut sie sich, sobald dies möglich ist, wieder Gäste im Haus empfangen zu dürfen.
Trägt zum gemütlichen Ambiente des Hauses bei: die jeweils passende Dekoration.
Trägt zum gemütlichen Ambiente des Hauses bei: die jeweils passende Dekoration.

So blieb das Haus vorerst Brandruine, während das „Schlemmerstüble“ nebenan mit seiner besonderen Hütten-Atmosphäre und der guten schwäbischen Küche sich immer größerer Beliebtheit erfreute und seinen festen Platz in der Metzinger Gastronomie gefunden hatte.

Auch wenn das Restaurant sehr gut angenommen wurde, hatten Hilde Auer und ihr Team doch zu kämpfen, denn das Provisorium kostete auch viel Geld: Neben den Ausgaben für Gehälter, Strom, Wasser, Lebensmittel, Produkte und Getränke mussten auch die Mieten für Hütte und Container bezahlt werden. So galt es eine Entscheidung zu fällen, und eines Tages stand für die Gastronomin fest: „Wir machen den Umbau selbst.“ Inzwischen hatte Hilde Auer denn auch die Erbpachtrechte bei der Stadt vom Turnerbund übernommen, und auch die Bank hatte Unterstützung signalisiert.

Der Neustart am alten Standort konnte also beginnen. „Das war mir sehr wichtig, denn ich habe mir hier sehr viel aufgebaut und will und wollte nicht aufgeben. Hier ist mein Platz“, bekräftigt Hilde Auer, die während der vergangenen fünf Jahre im Provisorium durchaus auch Angebote erhalten hatte, anderswo in Metzingen gastronomisch tätig zu werden. Was sie stets abgelehnt hatte.

Stattdessen setzte sie all ihre Energie daran, mit der Sanierung des Gebäudes zu beginnen. Start der Arbeiten war im Januar 2020, wobei zunächst das Dach erneuert wurde. Handwerker wurden beauftragt, Hilde Auer und ihr Team packten aber auch selbst kräftig mit an. Denn es gab viel zu tun, schließlich wurde das Haus komplett entkernt und ein neuer Anbau erstellt.
     

Mit neuer Terrasse

Der beherbergt nun die neue Küche und Lagerräume, wohingegen das ursprüngliche Gebäude zum Gastraum umgebaut wurde. Somit verfügt das „Schlemmerstüble“ nun über mehr Plätze als vor dem Brand. Hinzu gekommen ist mit der Sanierung auch eine neue Außenterrasse, die zum Teil überdacht ist und auf der es sich im Sommer – bei leckeren Speisen und Getränken – wunderbar entspannen lässt.

Viele der Arbeiten wurden während des corona-geschuldeten Lockdowns durchgeführt, was den Umbau beschleunigte, denn die Mitarbeiter mussten somit nicht in Kurzarbeit, sondern halfen mit – etwa beim Ein- und Ausräumen, beim Sandstrahlen und Einlassen von Möbeln und Einrichtung aus Holz, beim Entkernen. „So war die Renovierung entspannter als wenn wir sie während des laufenden normalen Betriebs hätten stemmen müssen“, berichtet Hilde Auer über die Bau-Phase.

Anfang Oktober vergangenen Jahres war es dann so weit, die neue Küche im Anbau wurde eingebaut. Seitdem wird dort gekocht und das „To go“-Angebot und das Tagesessen des „Schlemmerstübles“ vor- und zubereitet. Der umgebaute und neu gestaltete Gastraum hingegen wartet noch auf seine Einweihung. „Wir sind jederzeit bereit und freuen uns auf die Gäste. Sobald es Lockerungen gibt, geht es los“, kündigt Hilde Auer an.

So heißt es nun nur noch zu warten, bis sich die Türen des Lokals für einen Aufenthalt wieder öffnen. Die schwäbischen Gerichte, für die das „Schlemmerstüble“ neben seiner herzlichen Gastlichkeit auch bekannt ist, kann man hingegen jederzeit genießen, indem man bestellt und das Gewünschte dann einfach abholt. Marie-Christin Jurke