Sonderveröffentlichung

Schule, Ausbildung, Beruf Raus aus der Berufswahlfalle

Warum nicht? Immer mehr Mädchen interessieren sich für technische Berufe – unter anderem dank des Berufsorientierungstages „Girl’s Day“. Archivfoto: HWK Ulm

Orientierung: Mädchen probieren sich in Handwerk und Technik aus, Jungen entdecken soziale Berufe – beim jährlichen „Girl’s Day“ und „Boy’s Day“.

Frauen als Tischler sind etwa so selten wie Männer als Erzieher im Kindergarten. Damit sich Jugendliche auch für Berufe abseits der gängigen Klischees entscheiden, findet einmal im Jahr – meist im Frühling – der „Girl’s Day“ und „Boy’s Day“ statt, an dem Betriebe und Behörden ihre Türen für den Berufsnachwuchs öffnen.

Durch praktische Einblicke, Workshops und Aktionen soll das Interesse junger Mädchen und Jungen an Berufen geweckt werden, an die sie bisher vielleicht nicht gedacht haben. Zudem besteht hier die Möglichkeit, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und erste Kontakte zu knüpfen.

Große Vielfalt

Auf die Frage, was sie einmal werden wollen, fällt vielen Mädchen nur eine Handvoll Berufe ein, die in der Regel nichts mit Technik zu tun haben. Dabei können sie mit einem Berufsstart in einem so genannten MINT-Fach nur gewinnen.

MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik und bietet eine große Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten mit sehr guten Verdienst- und Aufstiegschancen. Optionen bieten Großkonzerne, mittelständische Unternehmen oder der öffentliche Dienst. Wer sich für Mathe oder Naturwissenschaften interessiert, sollte frühzeitig Informationen über technische Berufe einholen.

Nach ihrem Traumberuf gefragt, wollen die meisten Männer an Autos schrauben: Der Kraftfahrzeugmechatroniker rangiert immer noch auf Platz eins der beliebtesten Ausbildungsberufe, gefolgt von Klassikern wie Elektroniker, Informatiker und Anlagenmechaniker. Dabei sind die Chancen für Jungs in vielen Frauenberufen genauso gut – künftig werden sie sogar noch besser. Denn im Sozialwesen herrscht Fachkräftemangel, wer eine Ausbildung als Erzieher oder Pfleger macht, hat gute Jobaussichten.

Beim „Boy’s Day“ können Jungen zwischen zehn und 15 Jahren in die sozialen Berufe reinschnuppern. Das Tagespraktikum kann sich dabei als echter Mehrwert in puncto Berufsorientierung erweisen, wie jüngst eine Befragung des Bielefelder Kompetenzzentrums Technik-Diversity- Chancengleichheit gezeigt hat: Mehr als die Hälfte der Jungen (52 Prozent) hat einen Beruf kennengelernt, der sie interessiert. Weitere 27 Prozent können sich sogar vorstellen, in dem kennengelernten Bereich später zu arbeiten. Und 13 Prozent wissen nach dem Tag zumindest, was sie nicht werden wollen – auch das ist sicherlich eine wichtige Erkenntnis.

Auch bei den Mädchen ist der Zukunftstag sehr beliebt. Zu diesem Ergebnis kommt die Befragung von mehr als 10 000 Mädchen im Anschluss an den „Girl’s Day“ im Jahr 2015. 97 Prozent der Mädchen hat der Aktionstag sehr gut oder gut gefallen. Des Weiteren können sich fast 40 Prozent der Mädchen vorstellen, dort, wo sie den „Girl’s Day“ erlebt haben, später ein Praktikum oder eine Ausbildung zu machen.

Der Berufsorientierungstag ist aber auch für die Wirtschaft wichtig. Denn die Firmen sehen, welches Potenzial in weiblichen und männlichen Nachwuchskräften liegt und welche Perspektiven sie ihnen eröffnen können. Übrigens: Der erste „Girl’s Day“ fand bereits im Jahr 2001 statt, zehn Jahre später folgte dann der „Boy’s Day“. Rund 1,9 Millionen Jugendliche haben daran bislang teilgenommen. pm


Gute Chancen für Bewerber

Zukunft: Das Handwerk in der Region bietet über 300 freie Lehrstellen und eine Vielzahl an interessanten Berufen.

Gar keine schlechten Aussichten für Jugendliche: Im Handwerk gibt es in der Region noch zahlreiche freie Lehrstellen. Foto: ©wildworx - fotolia.com
Gar keine schlechten Aussichten für Jugendliche: Im Handwerk gibt es in der Region noch zahlreiche freie Lehrstellen. Foto: ©wildworx - fotolia.com

Prima App für Schüler: das Lehrstellenradar. Foto: PR
Prima App für Schüler: das Lehrstellenradar. Foto: PR

„Im Idealfall sollten die Jugendlichen erst einmal ein Praktikum vereinbaren. Nur so finden sie heraus, ob der Beruf wirklich ihren Vorstellungen entspricht und ob es auch im Betrieb passt.“ Ein Praktikum biete sich auch für Schüler an, die ihren Abschluss noch vor sich haben, so Goller. Sie könnten zum Beispiel die Sommerferien nutzen, um ganz ohne Druck einen oder mehrere der über 130 Berufe im Handwerk näher kennenzulernen.

In der Online-Lehrstellenbörse sind für das Ausbildungsjahr 2019 aktuell 334 Lehrstellen in 189 Betrieben eingetragen. Aus dem Landkreis Freudenstadt sind 44 Angebote gemeldet, in den Kreisen Reutlingen und Tübingen sind 134 beziehungsweise 44 Lehrstellen zu besetzen, im Kreis Sigmaringen sind es 61, im Zollern-Alb-Kreis 51 freie Ausbildungsplätze.

Das Angebot reicht vom Automobilkaufmann bis zum Zimmerer, vom Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis hin zum Kfz-Mechatroniker. Auch Schüler und Schülerinnen, die sich um ihren Ausbildungsstart im kommenden Jahr kümmern wollen, finden dort bereits über 250 Angebote. Genauso viele Praktikumsplätze sind es, die ebenfalls über die Kammerseiten gefunden werden können.

Für mobile Anwender, die auf dem Laufenden bleiben wollen, gibt es das Lehrstellenradar. Die kostenlose App für das Smartphone kann über iTunes oder im Google-Play-Store heruntergeladen werden. pm/HWK

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