Sonderveröffentlichung

Metzingen – meine Heimat Zwischen Outletcity und Tradition

Metzingen: Die Stadt mit den zwei Gesichtern: Moderne Einkaufswelt trifft auf lange Traditionen. Beides muss sich nicht unbedingt widersprechen.

Fast vier Millionen Besucher kommen jährlich in die Outletcity. Foto: Thomas Kiehl

26.04.2021

Berühmt ist Metzingen in erster Linie für seine Outletcity. Wie sich das Gesicht der Stadt in weiten Teilen des Innenbereichs dafür verändert hat, gefällt nicht jedem Alteingessenen. Auch die Belastung durch annähernd vier Millionen Besucher pro Jahr (so viele waren es vor der Corona-Pandemie) stößt manchem sauer auf. Zu viel Verkehr und Konkurrenz zum örtlichen Einzelhandel werden gerne als Kritikpunkte genommen.

Dabei hat sich die Holy AG als Investor der Outletcity reichlich Mühe gegeben. Einige der neu errichteten Verkaufsgebäude, zum Beispiel die Ermshäuser, sind für ihre Architektur schon preisgekrönt. Der Lindenplatz und der Eingangsbereich der Reutlinger Straße zur Innenstadt wurden umgestaltet, um mehr Einkaufstouristen in Richtung Rathaus zu locken. Der Erfolg dieser Bemühungen ist an besucherreichen Tagen durchaus in der Innenstadt sichtbar, auch wenn sich einzelnen Gewebetreibende natürlich noch mehr Kunden in ihrem Laden wünschen würden. Für eine Stadt mit gut 20 000 Einwohnern ist hier aber häufig viel Betrieb, wenn nicht gerade ein Virus das Land lahmlegt.

Wochenmarkt auf dem Kelternplatz: So sehen viele Metzinger gerne ihre Heimatstadt. Foto: Thomas Kiehl
Wochenmarkt auf dem Kelternplatz: So sehen viele Metzinger gerne ihre Heimatstadt. Foto: Thomas Kiehl

Im September 2019 eröffnete das neue Hugo-Boss-Outlet, konsequenterweise direkt am ebenso neuen Hugo-Boss-Platz gelegen. Der Umzug erfolgte aus dem alten Fabrikverkaufsgebäude in der Kanalstraße, es war die historische Keimzelle der Outletcity und soll als solche auch erhalten bleiben.

Lässt man Outlets, Parkhäuser und Einkaufstouristen hinter sich, gelangt man ein paar Schritte weiter in das Metzingen der Metzinger. Rathaus mit dem Marktplatz und Kelternplatz sind die Zentren für die Einheimischen. Besonders das Ensemble der sieben Keltern ist in dieser Form weltweit einmalig. Die Gebäude sind allesamt restauriert und sind unterschiedlichen Nutzungen zugeführt, von der Vinothek über die Stadtbücherei, dem Weinbaumuseum bis zu den Fest- und Marktkeltern. Der Kelternplatz selbst ist Herzstück vieler Feste und Veranstaltungen wie dem Stadtfest, dem Pfingstmarkt, dem Weinfest, dem Ermstal-Marathon oder den Keltern- Festspielen.

Dies ist umso bemerkenswerter, da es Ende der 1960er Pläne in der Stadtverwaltung gab, die damals überwiegend ungenutzten Keltern abzureißen und den Platz neu zu bebauen. Massiver Protest aus der Bevölkerung, dem die Gründung des Förderkreises Metzinger Keltern entsprang, konnte diese fatale Entwicklung noch abwenden. Darüber ist nun heute wirklich jeder Metzinger froh. Michael Koch