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Job-Börse Digital Die Wertschätzung macht‘s

Bewerbung: Knigge-Expertin Antonia Wegmann aus Gaisbach verrät im Interview, wie künftige Azubis beim Vorstellungsgespräch via Skype punkten können.

Fotos: MR Production/Shutterstock.com; dpa

19.05.2020

Frau Wegmann, wieso sind gute Umgangsformen im Bewerbungsgespräch eigentlich so wichtig?
Antonia Wegmann: Der erste Eindruck hat enorm viel Einfluss darauf, ob wir unser Gegenüber nun gut finden oder eben nicht. Dabei können wir uns das selbst oft noch nicht einmal erklären. In einem Vorstellungsgespräch verstärken sich diese Gefühle noch. Umso wichtiger ist es, dass junge Leute hierbei mit ihrem gesamten Äußeren, mit ihrer Haltung, der Körpersprache, also der Mimik und der Gestik, punkten können. Das entscheidet oftmals darüber, ob ein Gespräch erfolgreich verläuft oder eben nicht.

Ein fester Händedruck sowie ein schickes Outfit sind im persönlichen Vorstellungsgespräch Standard. Aber wie kann ich denn während eines Interviews per Skype auf mich aufmerksam machen?
Das ist tatsächlich schon schwieriger. Denn über den Bildschirm geht viel von der natürlichen Körpersprache verloren. Mit einer guten Vorbereitung kann es aber trotzdem gelingen.
       

Wie könnte die aussehen?
Da gibt es einige Stellschrauben, an denen man drehen könnte – und auch sollte. So ist es zum Beispiel sinnvoll, genauso gestylt vor dem PC zu sitzen, als würde man zu dem Vorstellungsgespräch direkt im Unternehmen erscheinen. Das bedeutet: mit gewaschenen Haaren, vollständig bekleidet (nicht nur der Oberkörper), rasiert oder eben mit einem passenden Make-up im Gesicht. Es kann auch helfen, wenn man in die schicken Schuhe schlüpft oder ein dezentes Parfüm auflegt. Das gibt dem Bewerber gleich von vorneherein eine ganz andere innere Haltung. Er wird automatisch souveräner. Auch der Ort, an dem das Skype-Bewerbungsgespräch geführt wird, sollte ganz bewusst ausgewählt werden.

Wenn ich das Interview zuhause führe, ist es dann nicht egal wo ich sitze?
Ganz und gar nicht. Denn ich muss ja immer davon ausgehen, dass der Interview-Partner aus allem, was er sieht oder hört, auch Rückschlüsse auf mich ziehen kann. Störfaktoren gilt es zu vermeiden. Poster an der Wand, die rufende Mama im Hintergrund oder auch das klingelnde Handy sind tabu.

All das, was von der Kamera eingefangen wird, sollte in Perfektion miteinander harmonieren. Dazu kann es sinnvoll sein, die Sitzposition schon vorher einmal mit der Kamera zu erfassen. So kann man am einfachsten checken, ob das ganze Drumherum zusammenpasst.

Nun einmal angenommen, das „Worst Case“-Szenario tritt ein. Die Mama ruft aus dem Hintergrund, die Katze springt ins Bild oder die Internetverbindung unterbricht. Wie kann ich mich möglichst charmant wieder aus der Affäre ziehen?
Da muss man je nach Szenario unterscheiden. Vielleicht erst einmal zu Punkt eins: Liebe Mütter, wenn euer Kind im Vorstellungsgespräch ist, müsst ihr den Mund halten! Gegebenenfalls muss man auch die Türe abschließen, wenn man kleine Geschwister hat, die das noch nicht verstehen können. Die Wertschätzung in der Familie untereinander ist ebenso wichtig wie die im Business.

Wenn die Katze ins Bild huscht, empfehle ich eine ganz einfache Regel: registrieren, lächeln, weitermachen!

Man kann das Auftauchen des Tieres dennoch ja kurz kommentieren: „Oh, ich glaube wir haben einen Zuhörer bekommen!“. Dann sollte man aber direkt wieder ins Gespräch einsteigen.

Und die Internetverbindung?
Wenn man weiß, dass das Internet daheim vielleicht nicht so stark ist – beispielsweise weil man irgendwo auf dem Land lebt – sollte man das unbedingt schon im Vorfeld kommunizieren. Denn wenn wir nicht miteinander reden, können wir einander auch nicht helfen. Außerdem sollte man direkt miteinander vereinbaren, wie im Falle einer Internetstörung vorgegangen wird. Etwa indem man sagt: „Ich wähle mich wieder ein, sobald die Verbindung wieder steht.“ Wenn der Recruiter frühzeitig informiert wird, kann er übrigens gleich ein bisschen mehr Zeit für das Gespräch einplanen.

Apropos Recruiter. Muss sich mein Interviewpartner eigentlich auch an diese Regeln halten?
Für den Interviewer gilt das Gleiche wie für den Bewerber, was die Störfaktoren angeht: Keine Telefone, keine Störungen! Häufig sehe ich bei Vorgesetzten, dass sie ihr Handy im Gespräch immer dabei haben. Das geht nicht! Das zeigt dem Bewerber gegenüber nur wenig Wertschätzung. Und das ist es übrigens, was Knigge ausmacht. Es sind nicht unbedingt die „Regeln“ wie: „Wie fest muss mein Händedruck sein?“ oder „Wie sitze ich richtig?“ – die Wertschätzung ist das A und O. Die zeige ich, indem ich aufmerksam, höflich sowie freundlich bin. Und lächle!

Jetzt ist das Skype-Bewerbungsgespräch trotz aller Nervosität gut verlaufen und mein Gesprächspartner ist bei seiner letzten Frage angelangt. Wie geht’s denn jetzt weiter?
Ganz genauso wie bei einem persönlichen Kennenlernen. Der Bewerber stellt seine Fragen. Er muss ja auch wissen, wie es jetzt weitergeht. Welche Rahmenbedingungen gibt es während der Ausbildung? Wann meldet man sich bei mir? Auch die Gehaltsfrage darf natürlich gestellt werden. Es ist wie überall: eine Hol- und Bringschuld. Der Bewerber muss sich ebenfalls seine Gedanken machen.

Wie setzt man da denn jetzt noch das bekannte „Tüpfelchen auf dem i“?
Eine schöne Frage zum Abschluss wäre da natürlich: „Haben Sie noch Fragen an mich?“ Zudem kann man den Kontakt anbieten, wenn sich im Nachgang noch Fragen auftun sollten. Das vergessen junge Menschen oft. Auch, weil sie noch nicht die Erfahrung haben. Aber es ist eben auch noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wer besonders höflich sein möchte, kann auch nach dem Gespräch noch eine liebe Mail hinterherschicken und sich für das freundliche Interview bedanken. Dann ist nicht nur der erste, sondern auch der letzte Eindruck rundum perfekt. Von Julia Weise
      

Zur Person

Foto: privatFoto: privat
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„Sei merk-würdig!“ Also sei es Wert, dass man sich dich merkt. Müsste sich Antonia Wegmann ein Motto auf die Fahnen schreiben, dann würde es mit Sicherheit ganz genau so lauten. Die gebürtige Heidelbergerin hat sich vor rund elf Jahren als Trainerin im Bereich Knigge und Etikette selbstständig gemacht. Heute lebt die 50-Jährige in Gaisbach. Von hier aus erklärt sie Mitarbeitern und Unternehmern – vom Azubi bis hin zum Geschäftsführer – worauf es bei guten Umgangsformen wirklich ankommt. Antonia Wegmann ist Mitglied der Knigge-Gesellschaft für moderne Umgangsformen und Lehrbeauftragte der dualen Hochschule Heilbronn.

Weitere Infos gibt es auf http://knigge-etikette.com.


Die Wertschätzung macht‘s Image 2

Nein, bloß nicht!
■ Kaugummi kauen
■ Jogging-Outfit und „Lümmel-Haltung“
■ In der Gegend herumschauen
■ Laute Geräusche im Hintergrund

Ja, bitte!
■ Auf das Äußere achten
■ Deutlich sprechen
■ Fragen stellen und Notizen machen

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