Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Wolpertshausen Ein Friedhof aus Bürgerhand

Ehrenamt: Der Cröffelbacher Gottesacker ist Ende der 1940-er Jahre angelegt worden. Wilhelm Bühler hatte die Fläche gestiftet. Ein Team an Freiwilligen hält die Anlage in Schuss.

Der Friedhof in Cröffelbach liegt idyllisch am nach Südwesten ausgerichteten Hang. Ein Baumsaum grenzt ihn vom Dorf ab. Günter Frank bläst das Laub zusammen. Fotos: Elisabeth Schweikert

30.11.2020

Es ist einer der sonnigen Novembertage. Im Haller Land drängt es die Spaziergänger nach draußen. Auch in Cröffelbach. Allerdings nicht aus purem Vergnügen, auch wenn die Truppe mit Freude bei der Sache ist. In Cröffelbach ist ein Mann gestorben, er soll demnächst beerdigt werden. Damit der Trauerzug nicht durchs Laub gehen muss, sind an diesem Donnerstag ein halbes Dutzend Cröffelbacher auf dem Friedhof zugange. Günter Frank lässt mit Hilfe des Laubbläsers die bunten Blätter tanzen, Rose Blank schneidet die Rosen, Annette Fritsch und Lisbeth Frank packen das trockene Laub und verstauen es in einem Sack. Regina Weinmann kommt um die Ecke. Die Vorsitzende des Gemeinschafts- und Hilfsvereins „Wolpis nullbishundert“ ist auch bei der Gruppe Ehrenamtlicher dabei, die sich um den Friedhof kümmert.

Goldenes Morgenlicht

Der Platz, an dem die Cröffelbacher die letzte Ruhe finden, liegt nicht an der Kirche. Wer den steilen Buckel hinter dem Gasthaus Goldener Ochsen hochsteigt, kommt, so wirkt es an diesem sonnigen Vormittag, an einen zauberhaften Ort: Wie in einem Landschaftsgarten stehen Bäume und schmucke Gräber in lockerer Reihe. Die noch tief stehende Morgensonne wirft lange Schatten, hüllt alles in goldenes Licht. Ein Brunnen plätschert. Auch wenn es so wirkt, als sei dort schon immer eine letzte Ruhestätte gewesen, ist der Friedhof ein junger. „Nach dem Krieg wollten die Cröffelbacher einen eigenen Friedhof haben“, berichtet Weinmann. Zuvor wurden die Toten in Reinsberg begraben. Wer dort die Gräber besuchen oder gießen wollte, musste entweder den Schulweg über Hopfach gehen oder über die Cröffelbacher Steige nach Wolpertshausen und dann nach Reinsberg fahren. „Nach dem Krieg waren die Leute nicht so mobil wie heute“, stellt Günter Frank fest. 

Bewegung kam in die Platzsuche, als Wilhelm Bühler seine Streuobstwiese für diesen Zweck anbot. Er stiftete die Fläche und bat sich aus, dass seine Familie stets den gleichen Standort für das Familiengrab erhält, berichtet dessen Sohn Andreas Bühler. „Natürlich fühlt sich meine Familie mit dem Friedhof verbunden“, so der 49-Jährige, deshalb wirke er im Friedhofsteam mit.

Alles selbst gemacht

Der Friedhof wurde von den Cröffelbachern angelegt. Insbesondere die Heimatvertriebenen hatten sich dabei stark eingebracht, berichtet Frank. „Alles wurde selbst gemacht, alles ehrenamtlich.“ Wege anlegen und pflastern, den Garten einfrieden, die Leichenhalle bauen. Viele aus der Generation, die seinerzeit den Friedhof gestaltet hatten, ruhen mittlerweile selbst dort. Weinmann zeigt auf das Grab ihres Mannes, auf die Gräber der Familie Bühler und auf das von Albrecht Hörger, der früher das Friedhofsteam gemanagt hat. „Inzwischen liegt er selbst hier.“

Während andernorts ein gewerblicher Gießdienst gebucht werden muss, hilft man sich in dem Dorf gegenseitig. „Wer auf den Friedhof geht, gießt auch die Gräber, die um das eigene liegen. Das ist eine stille Vereinbarung“, erzählt Weinmann. Üblich sei auch, dass Leute aus dem Dorf den Sarg tragen, Angehörige oder Nachbarn. Doch auch wenn im Dorf die Gemeinschaft noch funktioniert, nehme die Zahl der Urnengräber zu.

Die Arbeitsaktion im November dürfte – so keine großen Mengen Schnee fallen und der vor einer Beerdigung geräumt werden muss – die letzte in diesem Jahr gewesen sein. Zwischen Frühjahr und Herbst wird einmal im Monat gemäht. „Weil die Sommer so trocken und heiß sind, reicht es manchmal auch, nur alle sechs Wochen zu mähen“, erzählt Weinmann.

Helfer gesucht

Die Ehrenamtlichen beseitigen auch den Abfall, die ausrangierten Blumen oder Grablichter. An den Abfallbehältern sind Schilder angebracht, dass der Müll zu trennen ist und dass man seinen Restmüll wie Blumentöpfe, leere Grabkerzen, Plastikmüll möglichst mit nach Hause nehmen soll, schildert Weinmann. „Aber leider halten sich nicht alle daran. Und wenn der Restmüllcontainer voll ist, wird der Abfall manchmal sogar noch davor hingestellt.“

Auch die zweite Generation des Friedhofteams ist in die Jahre gekommen. „Ich hoffe, dass das Bewusstsein steigt, dass man hier sein Leben beendet“, merkt Frank an. „Es wird schwieriger, ehrenamtliche Helfer zu finden“, ergänzt Weinmann. „Diejenigen, die noch kein Grab auf dem Friedhof haben, fühlen sich bis auf wenige Ausnahmen noch nicht angesprochen. Obwohl sie wahrscheinlich auch einmal hier liegen werden.“ Sie und Frank hoffen, dass sich einige Cröffelbacher angesprochen fühlen und die Tradition weiterführen.  Von Elisabeth Schweikert

Schon gehört?

Erstes Bier am See getrunken

Als das „Jahr der Feste“ dürfte 2020 in die Biographie von Jürgen Silberzahn eingehen. Von Frühjahr bis Spätherbst wurde er im Ort, im Rathaus und im Gemeinderat gefeiert. Zweimal organisierte das Rathausteam einen Überraschungsumtrunk im Gemeinderat. Krönender Abschluss war im Oktober ein Rundgang durch den Ort, bei dem sich alle Vereine und Institutionen der Kommune etwa mit Reden, Gedichten, und Musikbeiträgen beteiligten. Der Anlass: Seit 30 Jahren gestaltet „Silbi“ als Bürgermeister die Entwicklung der Gemeinde. Wegen Corona war kein richtiges Fest möglich – so wurde diese Überraschungstour organisiert. Die Teilnehmer erfuhren einiges Neues. So hat vor 30 Jahren der damals neue Schultes sein erstes Bier auf der Gemarkung der Gemeinde beim See des Jugendtreffs getrunken. Der einstige Raucher stärkt heute seine Nerven mit Gummibärchen. Zudem ist „Sport ist Mord“ ein Zitat, das ihm zugeschrieben wird. Silberzahn sagte auch, er gehe jeden Tag gerne ins Rathaus, er sei immer froh, wenn der Sommerurlaub vorbei sei. sel


Zahlen & Fakten

Einwohner: 2330
Teilorte: Wolpertshausen, Haßfelden, Cröffelbach, Hohenberg, Hopfach, Hörlebach, Reinsberg, Rudelsdorf und Unterscheffach
Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze: 1276
Fläche: 27 km2
Sehenswürdigkeiten: Falknerei Bielrieth; die Allerheiligenkapelle in Unterscheffach; Burgruinen auf den Höhen entlang der Bühler; der Landhegeturm bei Hörlebach, der den Verlauf der ehemaligen Haller Landheg markierte; der Energielehrpfad durch die Gemeinde.
Geschichte: Die A6 quert die Gemeinde von West nach Ost. Bereits 1000 Jahre zuvor gab es einen ebenso bedeutenden Fernweg. Der führte von Paris an Wolpertshausen vorbei nach Prag. Die Autobahn hat sehr zum Wachstum des Ortes beigetragen. Bei der Kommunalreform 1973 kämpfte die Bevölkerung gegen einen Anschluss an die Stadt Ilshofen, die Gemeinde blieb damit selbstständig. sel