Sonderveröffentlichung

Verkehrsunfall - was nun? Jeder fünfte landet vor Gericht

Eine aktuelle Verkehrsstudie deckt auf: So häufig „kracht“ es im Straßenverkehr und so oft geht es aufgrund eines Unfalls vor Gericht.

Bei Unfällen gilt: zunächst die Unfallstelle absichern, danach unverzüglich Erste Hilfe leisten. Foto: ©tommaso79/shutterstock.com 

16.10.2020

Die meisten Verkehrsteilnehmer dürften vermutlich der Ansicht sein, dass sie mit einer umsichtigen Fahrweise stets unbeschadet durch den Verkehr kommen. Tatsächlich aber war mehr als jeder fünfte Deutsche in den letzten fünf Jahren mindestens einmal in einen Verkehrsunfall verwickelt, das ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von Roland Rechtsschutz.

Die Ursachen für einen Unfall sind vielfältig. Mal wird der tote Winkel zum Verhängnis, mal bremst der Hintermann nicht rechtzeitig – oder es kommt ein Fahrradfahrer unverhofft um die Ecke. Ein Vergleich mit den bereits 2016 und 2018 durchgeführten Umfragen zeigt im Übrigen: Das Risiko, als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer in einen Unfall zu geraten, ist praktisch unverändert hoch geblieben. Männer und jüngere Menschen sind überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt.
     

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Blitzer-Ranking: Frauen holen bei den „kleinen Sünden“ auf

Männer begehen noch immer häufiger „kleine Sünden“ im Straßenverkehr als Frauen, aber das weibliche Geschlecht holt in dieser Hinsicht auf, auch das ist ein Ergebnis der Umfrage. Knapp jeder zweite Deutsche musste in den vergangenen fünf Jahren wegen eines Verkehrsdelikts ein Bußgeld zahlen. Die mit Abstand häufigsten Gründe dafür waren eine Geschwindigkeitsüberschreitung und Falschparken. Männer nehmen es zwar mit den Verkehrsvorschriften weniger genau als Frauen und werden dementsprechend häufiger zur Kasse gebeten, aber die Unterschiede werden geringer. Bei den Geschwindigkeitsüberschreitungen lagen die Männer 2018 noch mit 39 Prozent weit vor den Frauen mit 25 Prozent. Ergebnis des Blitzer-Rankings 2020: Von den Männern erhielten 34 Prozent ein Tempo-Knöllchen, von den Frauen immerhin 29 Prozent. Auch beim Falschparken sind kaum mehr Geschlechterunterschiede zu erkennen. 18 Prozent der Verkehrsunfälle landeten laut Umfrage vor Gericht, 2018 lag die entsprechende Quote nur bei 13 Prozent. Bei der Hälfte aller Streitigkeiten ging es im jeweils aktuellsten Fall um die Schuldfrage, in 27 Prozent um die Höhe des Schadens und in 18 Prozent der Verfahren um einen Streit ums Schmerzensgeld.

Dreiviertel aller Befragten gaben an, dass der Rechtsstreit zu ihren Gunsten entschieden wurde. Auffällig: Ältere Personen gewinnen ihre Rechtsstreitigkeiten häufiger als junge – und auch das Einkommen scheint die Erfolgsaussichten vor Gericht zu verbessern. djd

Sicherheit serienmäßig

Erfolgsmodell moderne Technik: Die EU macht Fahrerassistenzsysteme im Pkw zur Pflichtausstattung.

Moderne Assistenzsysteme helfen, Unfälle zu vermeiden. Foto: ADAC
Moderne Assistenzsysteme helfen, Unfälle zu vermeiden. Foto: ADAC

Seit 2000 ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten Personen in Deutschland um 20 Prozent zurückgegangen. Zu verdanken ist das unter anderem der Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge, die sich seit damals erheblich verbessert hat. Systeme wie die Antischleuderhilfe ESP sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Heute werden zunehmend auch solche Fahrerassistenzsysteme eingesetzt, die beispielsweise eine drohende Kollision erkennen können, vor der Gefahr warnen oder sogar mit einer Notbremsung schneller reagieren als der Mensch. Die Europäische Union hat die Sicherheitswirkung solcher Systeme registriert und macht sie ab 2022 zur verpflichtenden Ausstattung von Neuwagen.

Neue Vorgaben der EU

Jeder neu zugelassene Pkw muss nach EU-Vorgaben ab dem Jahr 2022 serienmäßig mit zahlreichen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet sein. Dazu gehören unter anderem ein Notbremssystem, ein Spurhalteassistent, Sensoren für die sichere Rückwärtsfahrt, eine intelligente Geschwindigkeitsassistenz sowie ein System, das den Fahrer bei Müdigkeit warnt. So lange brauchen Autokäufer aber nicht zu warten: Die genannten Helfer sind heute schon verfügbar – in allen Fahrzeugklassen. Wichtig ist dabei: Die Systeme ersetzen den Fahrer nicht, er behält jederzeit die volle Kontrolle und Verantwortung.

Wirksame Hilfe bei drohenden Auffahrunfällen

Unter den Fahrerassistenzsystemen gelten automatische Notbremsassistenten als besonders wirksam. Seit ihrer Markteinführung 2009 haben sie nach Untersuchungen der Bosch-Unfallforschung allein in Deutschland bis zu 3 000 Unfälle mit Personenschaden verhindert. Ist der Fahrer für einen Augenblick abgelenkt oder tritt plötzlich ein Kind zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn, erkennt das automatische Notbremssystem die Gefahr und berechnet innerhalb von wenigen Millisekunden, wie stark das Fahrzeug abgebremst werden muss, um einen Unfall zu vermeiden. Gleichzeitig warnt das System den Fahrer. Bremst dieser nicht ausreichend stark, erhöht es selbstständig den Bremsdruck und kann, wenn notwendig, automatisch eine Vollbremsung auslösen. djd