Sonderveröffentlichung

Leonhard Kern und Europa Moderne Architektur für die Kunst

Rückblick: Der dänische Architekt Henning Larsen bekommt den Zuschlag. Er setzt auf Glas, Stahl und Crailsheimer Muschelkalk.

Der dänische Architekt Henning Larsen im Mai 2001 in Hall. FOTOS: ARCHIV/WÜRTH

6.06.2021

Schwäbisch Hall. Zwei Jahre lang wurde geplant, zwei Jahre lang wurde gebaut – dann wurde die Kunsthalle Würth feierlich eröffnet. Es war der glanzvolle Schlusspunkt eines ambitioniertem Projekts und zugleich der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Das Modell der Kunsthalle Würth auf dem aufgelassenen Gelände der ehemaligen Löwenbrauerei. FOTOS: ARCHIV/WÜRTH
Das Modell der Kunsthalle Würth auf dem aufgelassenen Gelände der ehemaligen Löwenbrauerei. FOTOS: ARCHIV/WÜRTH

„In Schwäbisch Hall lag die Herausforderung darin, ein Haus zu schaffen, das sich sowohl traut, modern zu sein als auch sich an die Architektur und Skala der mittelalterlichen Stadt anzupassen“, schrieb Henning Larsen über seinen Entwurf der Kunsthalle Würth. Insgesamt 13, teils weltweit renommierte Architektenbüros und -gruppen waren 1997 zu dem Wettbewerb geladen. Das Rennen machte der damals 72-jährige Professor aus Dänemark. Er überzeugte die Jury mit einem Entwurf, der ein Kunstmuseum „mit viel Sensibilität und intimer Raumfolge“ vorsah, keinesfalls jedoch eine „technokratische Ausstellungsmaschinerie“, wie Larsen sein Modell kommentierte. Weder dominant noch historisch anbiedernd sollte die künftige Kunsthalle Würth auf dem Parkhaus „Alte Brauerei“ werden, sondern neben dem Sudhaus und der Katharinenkirche eine „dritte Pointe“ ins Stadtbild der Haller Altstadt bringen. Larsens herausragendes Gestaltungselement: ein „exquisites Netzwerk aus Stahl und Glas“, das einen wirkungsvollen Kontrast zum dahinter liegenden soliden Gebäude aus grobem Naturstein bildet.

Aber bevor mit dem Bau begonnen werden konnte, mussten die Fundamente des Parkhauses, auf dessen Dach das Museum gebaut werden sollte, verstärkt werden. Insgesamt 76 so genannte Wurzelpfähle wurden dafür in den Boden getrieben. Auch einige Mauern musste abgerissen und der Parkhaus-Aufzug versetzt werden. Und dass die Baustelle inmitten der historischen Katharinenvorstadt eingezwängt war, machte die Sache freilich auch nicht leichter.

Aber man arbeitete erfolgreich Hand in Hand. Etwa 35 Firmen – fast alle aus der Region – waren am Bau der Kunsthalle Würth beteiligt, die vielen Solounternehmen gar nicht mitgezählt. Die markante Fassade besteht aus Crailsheimer Muschelkalkblöcken. Die Idee sei Henning Larsen gekommen, als er an dem stillgelegten Steinbruch neben der Stuttgarter Straße vorbeikam, erzählte einst der Stuttgarter Erich Fritz, der damals bauleitender Architekt war. Die Felsstruktur des verwitterten Steinbruchs hätte Henning Larsen genauso inspiriert wie die Tatsache, dass die gesamte Kochereinfassung der Altsstadt mit Muschelkalk gemauert ist. Bettina Lober