Sonderveröffentlichung

Grabschmuck im Herbst Liebevolle Erinnerung

Wo früher klassische Grabsteine dominierten, findet man heute immer öfter kleine Kunstwerke, die vom Trend hin zu mehr Individualität zeugen.

Die Trauerkultur befindet sich im Wandel. Das zeigt sich auch am Trend zu individuelleren Grabstätten. Foto: @Dan Race/Fotolia.com

22.10.2020

Raffiniert angelegte Bepflanzungen oder emporragende Stelen laden häufig schon von weitem zum Betrachten ein. Große Wurzeln als Dekorationsstücke, ausgefallene Bepflanzungen und Steine beleben das Bild der Ruhestätten. Und ist es nicht etwas Schönes, wenn Friedhofsbesucher vor einem fremden Grab innehalten, um es zu betrachten?

Individuelle Gräber als Wertschätzung

Ein liebevoll gestaltetes Grab kann dem Betrachter etwas erzählen. Möglicherweise sagt es etwas über das Leben und die Interessen des Verstorbenen aus. Ein kleiner Teich auf der Ruhestätte eines Anglers, oder eine Stele mit einem Kletterer, der sich daran hochzieht sind die moderne Variante der individuellen Grabgestaltung. Japanische Minigärten für die Liebhaber der asiatischen Kultur sind ebenfalls ein Trend. Sogar fernöstliche Richtungen wie Feng Shui gehören inzwischen zur angewandten Friedhofskultur.

Doch wie gestaltet man ein Grab individuell, wenn man nicht mit dem sprichwörtlichen grünen Daumen geboren wurde? Welche Pflanzen eignen sich dafür, und wo pflanzt man sie am besten an? Anregungen und phantasievolle Vorschläge bieten Ausstellungen auf Friedhöfen oder bei den Friedhofsgärtnern in der Region. Sie werden aufgrund kurzer Anfahrten und persönlicher Beratung von Hinterbliebenen gern besucht. Beispielhaft vorbereitet werden diese Klein-Messen in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Friedhofsgärtnern, Bestattern und Steinmetzen. Dort kann der Kunde sich umfassend über alle Spezialisten informieren und sich ganz in Ruhe beraten lassen.

Persönliche Beratung ist wichtig

Egal, ob Urnen-, Einzel- oder Reihengrab – bezüglich der Gestaltung gilt es, frühzeitig die richtige Entscheidung zu treffen. Dabei ist natürlich zu beachten, wie viel Zeit dem Hinterbliebenen nach der Beerdigung zur Grabpflege bleibt und welchen Aufwand er betreiben kann und möchte. Nicht zuletzt muss entschieden werden, was die Grabgestaltung und -pflege kosten darf. Hinterbliebene, die diesen Fragen trotz aller Anregungen eher ratlos gegenüber stehen, sind beim Friedhofsgärtner ihres Vertrauens gut aufgehoben. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Gärtner und Steinmetz empfiehlt sich ebenfalls. Sie können abstimmen, wie Größe und Form der Steine und Beete am besten harmonieren. Auch die Auswahl der Farben spielt eine große Rolle. Bepflanzung und Grabstein sollten farblich aufeinander abgestimmt sein.

Der Friedhofsgärtner kennt die Bedeutung und Symbolkraft der Blumen. So stehen Krokusse für Vergänglichkeit und Wiedergeburt, Vergissmeinnicht symbolisieren das immerwährende Band sich liebender Menschen. Beim Friedhofsgärtner findet man nicht nur Unterstützung bei der Auswahl der Pflanzen, sondern auch Rat, was die Einhaltung der Richtlinien für die Grabgestaltung angeht. Die Klassiker auf den Friedhöfen sind längst nicht out. Aber der Trend geht ohne Zweifel zur Individualisierung der letzten Ruhestätte.

Von Iris Ruoss


Was ich noch sagen wollte ...
   

Wer dem Tod gegenüber steht, hat meist viele Ängste. Eine große Sorge ist, in Vergessenheit zu geraten.

„Auch wenn sie es nicht so wahrnehmen, wünschen sich viele Menschen ein Vermächtnis“, sagt der Palliativmediziner Prof. Sven Gottschling. Den idealen Abschied gebe es aber nicht, meint Stefanie Schardien. Die Pfarrerin aus Fürth warnt davor, das Sterben geradezu perfektionieren zu wollen. Wer zum Beispiel aufgrund einer schweren Krankheit weiß, dass er oder sie nicht mehr lange zu leben hat, sollte sich auf diese Weise nicht noch zusätzlichen Druck machen.

Wer etwas hinterlassen möchte, hat aber Möglichkeiten. Wer möchte, kann auch mit einem Bestatter die verschiedenen Möglichkeiten und Ideen besprechen und alles nach den eigenen Wünschen regeln. Neben dem klassischen Brief kann ein Fotoalbum gebastelt oder ein Baum gepflanzt werden, der an den Verstorbenen erinnern soll.

Angehörige auf keinen Fall überfordern

Grundsätzlich sei es eine schöne Idee, etwas für die Zeit nach dem Tod zu hinterlassen, findet auch die Familientherapeutin Valeska Riedel. „Man sollte sich aber fragen, in wieweit das wichtig ist oder ob es nicht besser ist, die Dinge in der Gegenwart – also solange man noch lebt – auszusprechen“, sagt Riedel. Dabei sollte sich der Sterbende seiner Verantwortung bewusst sein und überlegen, ob er mit seiner Nachricht den Angehörigen seine Liebe versichert oder sie eher quält: „Der oder diejenige, die geht, sollte sich bewusst sein, dass die Anderen weiterleben müssen“, stellt Pfarrerin Schardien klar.

Manch Todkranker will Angehörigen auch Aufträge mitgeben, hat Gottschling erlebt. „Das kann eine Bürde sein, denn diese Botschaften haben eine große Strahlkraft“, sagt der Arzt. Ein Kind, dem man sagt, es sei nun „der Mann im Haus“, könnte damit leicht überfordert sein. Bei aller Verantwortung gilt jedoch: Man sollte keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen. „Der größere Fehler wäre, es nicht zu machen, obwohl man das Bedürfnis hat“, meint Gottschling.

Verbündete für die Überraschung

Vorab sollte man sich fragen: In welcher Situation erreicht die Botschaft meine Lieben und was möchte ich auslösen? Wer zum Beispiel weiß, dass er die Hochzeit der eigenen Kinder oder die Volljährigkeit nicht mehr erleben wird, kann sich überlegen, für diesen Anlass eine Nachricht zu schreiben oder eine Videobotschaft aufzunehmen. Wer eine solche Überraschung plant, braucht dann auch einen Verbündeten, der das Geschenk oder den Brief zum verabredeten Zeitpunkt überreicht.

Das kann wegen der großen Verantwortung Probleme mit sich bringen. „Ich würde am ehesten den eigenen Ehepartner oder einen Paten einweihen, denn der hat die nötige Lebenserfahrung“, rät Riedel. Auch diese Dienstleistung kann man einem Bestatter anvertrauen.

Keine letzte Abrechnung aus Groll

Die Experten warnen zugleich davor, aus Verzweiflung oder aus Groll heraus zu handeln und die Botschaft für eine letzte Abrechnung zu nutzen. „Es wäre schön, wenn man sich das verkneifen könnte, denn man kann sich sicher sein, dass die sitzt“, sagt Gottschling. „Die letzte Nachricht sollte keine offenen Fragen hinterlassen oder etwas andeuten, denn ein Nachfragen ist ja nicht mehr möglich“, ergänzt Schardien. Der Tod sei eine Zeit der Versöhnung, was aber auch nicht heiße, dass man alles zudeckt, was schiefgelaufen ist.

Aber warum sollte man eigentlich mit dem Verfassen von Botschaften warten, bis eine Krankheit den Tod heraufbeschwört? Der beste Zeitpunkt dafür ist jetzt. „Die Erfahrung zeigt, dass man danach abschließen und sich voll dem Leben widmen kann“, sagt Gottschling. dpa