Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Tüngental „Wir kennen unsere Kunden“

Bank: Die Raiffeisenbank Tüngental ist eines der kleinsten Finanzinstitute Deutschlands. Vorstand Andreas Stein erklärt, warum er Kundenkontakt großschreibt und die Bank in die Gaststätte Hufeisen investierte.

Seit 1900 prägt sie die Ortsmitte: Rund 2000 Kunden zählt die heutige Raiffeisenbank Tüngental. Foto: Ufuk Arslan

30.03.2020

Gerade in einer schwierigen Zeit wie jetzt, zeige sich der Vorteil der kleinen selbstständigen genossenschaftlichen Raiffeisenbank in Tüngental, wie Vorstand Andreas Stein sagt. „Ich habe engen Kontakt zu unseren Kunden und wir kennen sie.“ Dadurch sei es für ihn einfacher, diese bei Liquiditätsengpässen zu unterstützen. „Wegen des Coronavirus ist die Not in vielen Fällen groß und wir als Genossenschaftsbank stehen jedem unserer Kunden zur Seite.“

„Wir haben unter ihnen zum Beispiel Handwerker oder Landwirte, die von der Bonität her gut aufgestellt sind“, wie er sagt. Einen weiteren Vorteil benennt Stein auch noch: beispielsweise Baufinanzierungen in 20 Minuten. „Das gefällt auch der jüngeren Generation, die bei uns nachfragt, wenn sie ein Haus bauen will.“

100 Neue pro Jahr

Für ihn sind gerade die Nähe zu den Menschen und die regionale Nähe ausschlaggebend. Da scheinen ihm die Kreditnehmer und Bankkontoinhaber recht zu geben. „Pro Jahr kommen um die 100 Neukunden dazu“, sagt Stein. Derzeit hätte die Bank insgesamt rund 2000 Inhaber von Konten. Da fällt dem Bankenchef beim Telefonat auch gleich eine Geschichte ein. Vor Kurzem sei ein Bürger zu ihm gekommen, der gemeint habe, „er fühlt sich wie daheim“, erzählt er nicht ohne Stolz in der Stimme.

Eng mit diesen zusammenzuarbeiten ist für Stein ganz im Sinne von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Dieser war ein deutscher Sozialreformer und Kommunalbeamter. Er gehört zu den Gründern der genossenschaftlichen Bewegung in Deutschland und ist der Namensgeber der Raiffeisenorganisation.
  

Andreas Stein, Vorstand der Raiffeisenbank Tüngental. Foto: Archiv
Andreas Stein, Vorstand der Raiffeisenbank Tüngental. Foto: Archiv

Über die Genossenschaftsbank im Herzen Tüngentals und deren Vorstand gab es auch schon größere Berichte in überregionalen Zeitungen wie dem „Handelsblatt“. „Bei so etwas weiß man dann, man ist auf dem richtigen Weg.“

Er vergleicht seine Bank gerne mit einer Landarztpraxis. Vertrauen und Fürsorge seien da die Basis der Beziehung. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe an. Wir fördern unsere Kunden, sie bekommen, was sie wirklich wollen und keine aufgeschwatzten Verträge, die sie gar nicht brauchen“, macht Stein deutlich.

Sechs Mitarbeiter hat die Bank. Davon zwei auf 450-Euro-Basis und vier Vollzeitkräfte inklusive ihm selbst und seiner Vorstandskollegin. Stein selbst ist beispielsweise auch im Außendienst unterwegs.

Vor Kurzem hat die Tüngentaler Bank auch in den Ort investiert. Sie erweckt die Gaststätte „Hufeisen“ wieder zum Leben. „Ich bin seit zehn Jahren in Tüngental und da stand das Gebäude zweimal zum Verkauf.“ Und da kam Stein dann die Idee, es zu kaufen, bevor es abgerissen wird. Und in der Niedrigzinsphase versprechen Immobilien eine gute Rendite, fügt er an. „Und so haben wir etwas für den Ort getan.“ Wann offiziell eröffnet werden soll, ist aufgrund der Corona-Krise noch nicht klar. Geplant sei momentan vorerst noch Mitte/ Ende Mai.

Mehrere Beratungsstellen

Das Angebot der Raiffeisenbank Tüngental wird auch ständig erweitert. Denn sie ist nicht nur in dem Haller Teilort aktiv, sondern hat auch Beratungsstellen in Wolpertshausen, Bibersfeld und Gailenkirchen. Geplant ist mittlerweile auch eine in Untermünkheim.

Seit 2016 gibt es jene Nebenstelle in Wolpertshausen. Da die Bank dort geschlossen hat, kam Bürgermeister Jürgen Silberzahn auf Andreas Stein zu. „Er fragte mich damals, was denn die Senioren machen sollen, wenn die Filiale nun zu ist.“ Das sei ihm spontan das Beratungsangebot eingefallen, sagt der Bankvorstand.

Stein hat dann nicht lange gefackelt und mittlerweile steht jeden Montagnachmittag ein Mitarbeiter der Raiffeisenbank im Rathaus zur Verfügung. In Gailenkirchen wird die Beratung ebenfalls im Rathaus angeboten und in Bibersfeld ist sie im ehemaligen Feuerwehrmagazin untergebracht. Von Kerstin Vlcek


Viel Natur in und um Tüngental

Foto: Ufuk Arslan
Foto: Ufuk Arslan

In Tüngental lässt es sich gut spazieren oder mit dem Hund Gassi gehen. Zum Beispiel vorbei an dem kleinen Teich in der Nähe des Sportplatzes und des SV Tüngental. Für etwas frische Luft, auch in Zeiten des Coronavirus, kann man sich von Tüngental aus aufmachen zum Beispiel in Richtung der Ortsteile Otterbach, Ramsbach oder Wolpertsdorf. Viele Felder und Wiesen rundherum laden dazu ein, seinen Blick schweifen und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Egal zu welcher Jahreszeit. Ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter.


Schwere Zerstörungen erlitten

Geschichte: Seit dem Jahr 1972 ist Tüngental mit seinen Weilern ein Ortsteil der Stadt Schwäbisch Hall.

Die Kirche in Tüngental. FOTO: ARCHIV/CITO
Die Kirche in Tüngental. FOTO: ARCHIV/CITO

Tüngental. Der Ort wird zum ersten Mal 1090 im Zusammenhang mit Rechten des Klosters Comburg erwähnt, heißt es auf der Stadthomepage. Seine Besitzungen baute das Kloster schrittweise aus, daneben hatten auch Haller Bürgerfamilien Rechte. Die Reichsstadt Hall konnte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein Drittel der Güter und die Oberherrschaft erwerben.

Die Stiftung der Pfarrei soll angeblich um 1050 durch Graf Emehart von Comburg erfolgt sein. Im 15. Jahrhundert entstand eine Marienwallfahrt („Madonna mit dem Hasen“) zur Tüngentaler Kirche, die ab den 1480er-Jahren einen aufwendigen Chor und eine prunkvolle Ausstattung erhielt.

Zwischen Hall und Comburg kam es immer wieder zu heftigen Konflikten um Herrschaftsrechte. Da Comburg seine Höfe in Tüngental seit der Gegenreformation mit Katholiken besetzte, war der Ort gemischtkonfessionell. Die katholischen Tüngentaler gehörten zur Pfarrei Steinbach. 1802 fiel der Ort an Württemberg. 1945 erlitt Tüngental schwere Zerstörungen, denen auch die Kirche zum Opfer fiel. 1972 wurde der Ort mit den Weilern Altenhausen, Otterbach, Ramsbach, Veinau und Wolpertsdorf nach Hall eingemeindet.


Zu wenig Wasser

Speicher: Eine endgültige Lösung für den Löschteich in Ramsbach muss her.

Tüngental. Ein Thema in Tüngental ist der Löschteich in Ramsbach. „Dort haben wir über die Sommermonate Probleme mit dem Löschteich. Das hat sich nun durch die vermehrten Niederschläge verbessert. In den vergangenen Sommern war zu wenig Wasser im Teich, sodass er der Funktion als ‚Löschwasserteich‘ in keinster Weise gerecht wurde. Er ist von den umliegenden Quellen weniger gespeist worden“, sagt Ortsvorsteher Werner Philipp. Hier sei man an einer endgültigen Lösung dran. Möglich sei ein Löschwasserspeicher. kv
     

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