Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Wolpertshausen Reinsberger Pfarrhaus erstrahlt in neuem Glanz

Sanierung: Die neue Pfarrersfamilie kann bald in das instandgesetzte Domizil einziehen. Derzeit laufen noch Bauarbeiten im Gebäudeinneren. Die evangelische Kirchengemeinde hat viel Engagement in das unter Denkmalschutz stehende Haus investiert.

Von außen ist nichts mehr von den starken Rissen zu sehen, welche die historischen Mauern aus dem 15. Jahrhundert durchzogen. Annemarie und Stefan Schirrschmid, die sich die Pfarrstelle in Reinsberg teilen, können bald das sanierte Haus beziehen. Foto: Oliver Färber

30.11.2020

Wenn Thomas Bader die Fotos vom Reinsberger Pfarrhaus vor der Sanierung zückt, bleibt mancher Mund offen. „So groß waren die Risse in der Wand“, berichtet der zweite Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats in Reinsberg. Fast sieht es so aus, als hätte das historische Gemäuer einem Erdbeben getrotzt – doch es gab keine Erschütterung in Hohenlohe. „Das sind starke Setzungsrisse“, verrät Bader. Diese zogen sich über die Ost- und Nordseite.

Schuld seien die vergangenen sehr trockenen Jahre gewesen, die dem Haus zugesetzt hatten, so lautet die Analyse von Experten. 2018 und 2019 hatte sich das Problem verschärft. „Das wurde ständig statisch beobachtet.“ Den Verantwortlichen der Kirchengemeinde wurde rasch klar: „Es muss etwas getan werden.“ Nachdem Pfarrer Dieter Schindhelm im März 2019, nach 21 Dienstjahren als Seelsorger in Reinsberg mit nur 58 Jahren verstorben war, stand das Gebäude während der Vakanz leer.
   

Dieser Leerstand und der Pfarrerwechsel sollten genutzt werden, die Gemeinde beschloss, die Zeit nicht verstreichen zu lassen. Das Projekt war aufwendig, viel musste mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden: Schließlich stammt das Pfarrhaus aus dem Jahr 1491, auch wenn es natürlich im Laufe der Zeit mehrfach saniert und dem Zeitgeist entsprechend umgestaltet wurde. „Die letzte große Renovierung war 1972. Das ist ja auch schon eine Weile her“, berichtet Bader – immerhin auch schon 48 Jahre. Deshalb standen nicht nur die dringend notwendigen Arbeiten an, um die Gefahr, die durch die Risse ausgingen, zu beseitigen. Im Juli 2020 begannen die Arbeiten. Die Fundamente wurden freigelegt. Sie wurden mit Beton unterfangen, um Tragfähigkeit und Stabilität wiederherzustellen. So sollen die bis zu einem Meter dicken Mauern einen sicheren Grund haben. Die Risse wurden fachmännisch verfüllt. Sie sind nun völlig hinter dem Putz verschwunden. „Der leuchtet jetzt schön gelb“, freut sich Kirchenpflegerin Inge Färber. Und da das Gerüst für die Fassadenarbeiten nun mal stand, wurde auch gleich das Dach saniert, wurde die Wärmedämmung verbessert. Von außen kann sich das historische Gemäuer nun wieder sehen lassen – auch die Fensterläden strahlen wieder.

Das Anfang Oktober eingesetzte neue Pfarrersehepaar Annemarie und Stefan Schirrschmid ist noch nicht einzogen. Die beiden leben noch im Übergangsdomizil. Aktuell läuft noch die Innensanierung. Vor allem gilt es, die Elektrik auf den heutigen Stand zu bringen. Dabei werden gleich Kabel fürs Computernetzwerk und das Internet mit verlegt. Schließlich beherbergt das Haus auch das Pfarramt mit Pfarrbüro, das ebenfalls entsprechende Anschlüsse benötigt.


"Die Risse in den Wänden reichten vom Sockel bis zur Dachrinne und von außen bis innen."

Thomas Bader
Zweiter Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde Reinsberg


Mitte Dezember soll’s fertig sein

„Bad und die Küche werden neu gefliest“, berichtet Bader. Das sei nach fast 50 Jahren überfällig. Das Parkett wird noch geschliffen und versiegelt, die Wände werden geweißelt. Geplant sei, die Sanierung bis Mitte Dezember abgeschlossen zu haben. „Die Pfarrersfamilie freut sich auch schon aufs Pfarrhaus und den Einzug“, berichtet Färber.

Die Kirche musste einiges investieren. Wie viel, dass will man öffentlich nicht sagen. Nicht alles trage die Landeskirche. Die Christen der örtlichen Kirchengemeinde müssten einen Eigenanteil aufbringen. „Dabei ist es derzeit mit Sonderaktionen wie Basaren leider eher schwierig“, bedauert Bader. Trotzdem werden die rund 1000 Gemeindeglieder, die natürlich nicht nur aus dem 120-Seelen-Ort Reinsberg, sondern aus der gesamten Umgebung kommen, auch diese Seite des Projekts stemmen. Von Oliver Färber