Sonderveröffentlichung

Ortsporträt Wolpertshausen Schnelle Hilfe bei Herzinfarkt

Engagement: Vor 13 Jahren zugezogen, fühlen sie sich in der Gemeinde pudelwohl: Susanne und Jörg Kraft sind angekommen. Beide gaben den Anstoß, öffentlich zugängliche Defibrillatoren zu erwerben.

Susanne und Jörg Kraft vor der Mehrzweckhalle in Wolpertshausen. Dort ist öffentlich zugänglich ein Defibrillator angebracht. So kann er von Anwohnern genutzt werden und auch bei Veranstaltungen. Foto: Ufuk Arslan 

30.11.2020

Sie blinken in der Nacht und machen auf sich aufmerksam: Seit diesem Sommer hängen am Bürgerhaus in Cröffelbach sowie an der neuen Mehrzweckhalle in Wolpertshausen Defibrillatoren. Die Geräte sind öffentlich zugänglich angebracht. Wenn in der Nähe ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet, können die Defis, wie sie kurz genannt werden, geholt und eingesetzt werden.

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Den Anstoß für den Kauf der Geräte gaben Susanne und Jörg Kraft. Das Heilpraktiker-Ehepaar aus Wolpertshausen besuchte vergangenes Jahr die Fortbildung „Notfallhilfe in der Praxis“. Dort hörten sie von einem Ort bei Stuttgart, der öffentlich zugängliche Defibrillatoren angeschafft hatte. Anlass dort war eine Sportveranstaltung mit vielen Menschen, bei der ein Unwetter mit Blitz und Donner über den Platz zog. „Auf der Fahrt nach Hause haben wir uns darüber unterhalten, dass Wolpertshausen auch viele Veranstaltungen hat“, berichtet Susanne Kraft. Wäre es nicht sinnvoll, dass auch in ihrer Gemeinde die lebensrettenden Geräte zur Verfügung gestellt werden? Diese Frage diskutierte das Paar auch in den folgenden Tagen. „Es kann jeden treffen“, sagt Susanne Kraft, „Herz- und Kreislauferkrankungen sind mittlerweile in jeder Altersgruppe zu finden.“

Bei der Fortbildung hatten Jörg und Susanne Kraft erfahren, dass die Überlebensrate steigt, wenn Defibrillatoren vorhanden sind. „In Deutschland liegt die Überlebensrate nach einem schweren Herzinfarkt bei 17 Prozent. In den USA ist die Quote bei über 60 Prozent“, weiß Jörg Kraft. „Dort wird auch jeder im Umgang mit den Lebensrettern geschult.“

Kosten: rund 2500 Euro


Susanne Kraft ist Mitglied beim Verein „Wolpis nullbishundert“. Dort trug sie ihre Überlegung vor. Die Entscheidung wurde schnell getroffen, für das Dorfgemeinschaftshaus Cröffelbach einen Defi zu beschaffen. Die mobilen Lebensretter passen zum Vereinsleitsatz „Helfen und geholfen werden“. Die Kosten: inklusive Verkabelung 2000 bis 2500 Euro, berichtet Wolpertshausens Kämmerin Katharina Wackler. Kurze Zeit später schloss sich die Bürgerstiftung der Gemeinde an und beschloss, ebenfalls ein solches Gerät zu kaufen. Dieses wurde an der Mehrzweckhalle montiert. „Es freut mich sehr, dass die Idee aufgenommen und umgesetzt wurde“, sagt Susanne Kraft. Damit im Ernstfall die Geräte benutzt werden, hatte das Ehepaar Schulungen vorgesehen. Zwar geben die Defibrillatoren dem Hilfeleistenden durch Sprachanweisungen Anleitung, doch wenn der Ablauf einmal geübt wurde, sei die Bereitschaft, Erste Hilfe zu leisten, deutlich höher. „In diesem November war geplant, mit den Übungsleitern der TSG die Herzdruckmassage zu üben und die Geräte dabei vorzustellen“, berichtet der Physiotherapeut. Doch wegen der Corona- Pandemie wurden die Übungen jetzt auf den nächsten Sommer verschoben.

Bürgerstiftung und die Gemeinde werben zudem für den weiteren Kauf von Defibrillatoren. „Das Ziel ist es, in jedem Teilort mindestens ein Gerät zu positionieren“, heißt es aus dem Rathaus. Die Bürgerstiftung nehme auch zweckgebunden Spenden für den jeweiligen Teilort entgegen.

Seit 13 Jahren im Ort

Jörg und Susanne Kraft leben seit 2007 in Wolpertshausen. „Da konnten wir nicht ,Nein’ sagen, als wir den Bauplatz gesehen haben“, berichtet Jörg Kraft. Das Haus liegt am Ortsrand mit weitem Ausblick auf Wiesen und Wälder im Süden der Ortschaft. Aufgewachsen ist Jörg Kraft in Weinsberg, er kam über den Zivildienst bei der Lungenklinik in Löwenstein in Kontakt mit Gesundheitsberufen. Susanne Kraft stammt hingegen aus Vellberg. Gemeinsam betreibt das Ehepaar nebenberuflich eine Heilpraktiker-Praxis. Sie arbeitet zusätzlich als Erzieherin in der Gemeinde, Jörg Kraft in Teilzeit in einer Physiotherapie-Praxis in Crailsheim. Er wirkt als Gemeinderat zum Wohl Wolpertshausens mit. Von Elisabeth Schweikert  


Kein Glühwein, kein Trubel

Erster Advent: Der Weihnachtsmarkt in Cröffelbach fällt heuer aus. Auch sonst ruht das öffentliche Leben im Ort.

Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: der Weihnachtsmarkt in Cröffelbach. Archivfoto: cito
Ein Bild aus unbeschwerten Tagen: der Weihnachtsmarkt in Cröffelbach. Archivfoto: cito

Wolpertshausen. Es ist eines der jährlichen Highlights in Cröffelbach: der Weihnachtsmarkt im und um das Dorfgemeinschaftshaus. Immer am 1. Advent treffen sich in dem früheren Armenhäuschen des Dorfes die Bürger aus der Umgebung. Neben Trubel gibt es dort stets viel Handgemachtes, angefangen vom handgeschreinerten Bloozdeckel über den am Ort gekelterten Wein bis hin zu Likören sowie Christbäumen. Heuer wird nichts daraus, der Weihachtsmarkt wurde abgesagt.

„Das Dorfleben ruht“, stellt Carola Ternes, eine der Mitorganisatorinnen des Marktes, fest. „Im Moment findet gar nichts statt“, bedauert sie. Selbst wenn der Teil-Lockdown gelockert werde, sei die Frage, ob beispielsweise das Seniorencafé wieder öffnet, sagt sie Mitte November.

Doch nach den neuen Verordnungen, die am Mittwoch beschlossen wurden, ist nun klar: Es wird kein Seniorencafé geben. Das Seniorencafé ist in Cröffelbach während des Winterhalbjahrs eine feste Institution für circa 15 Frauen. „Es ist viel zu eng, die Mindesthöhe ist im Haus gar nicht gegeben.“ Bereits im Sommer sei den Bastlern in der Gemeinde klar gewesen, dass der Markt ausfallen werde. „Ich möchte nicht in der Verantwortung stehen, falls sich vor Ort Menschen infizieren.“

Was die Dorfgemeinschaft für 2021 plant, stehe noch nicht fest. Vor einigen Jahren wurde mal ein Flohmarkt organisiert, erinnert sich Carola Ternes. Vielleicht sei dies im nächsten Sommer eine Alternative. sel

„Mama, Mama, der Mann hat Füße!“

Er ist der Barfußmann. Wer Veranstaltungen in Wolpertshausen besucht, dem fällt Jörg Kraft (50) unweigerlich auf. Sommers wie Winters ist er ohne Schuhe unterwegs. Er hat schon welche, aber die trägt er nur bei Anlässen, bei denen gewünscht wird, dass er welche trägt. Oder im Winter bei langem Aufenthalt im Freien.

Seinen Füßen ist nicht anzusehen, dass sie besonderen Strapazen ausgesetzt sind: wohlgeformt, gerade gewachsen, gepflegt. Rein optisch haben seine Füße nicht einmal eine übermäßige Hornhaut. „Die läuft sich ab“, erklärt er. Klar – der Asphalt der Fahrbahnen kann auch ein willkommenes Peeling sein.

Auch wenn Kraft ein Mann ist, der sich seit Jahren mit dem Zusammenspiel von Muskeln und Knochen beschäftigt, waren es nicht gesundheitliche Überlegungen, die ihn dazu brachten, die Schuhe stehen zu lassen. Während seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten musste er oft zwischen Seminarräumen wechseln. Das bedeutete: Schuhe und Socken aus- und wieder anziehen. „Ich merkte, dass ich schneller warme Füße hatte, wenn ich barfuß blieb.“

„Mich packte der Ehrgeiz.“ Er lief immer häufiger im Alltag ohne Schuhe, inzwischen ist er seit Jahren fast nur noch barfuß unterwegs. Den Schutz durch Schuhe vermisst er selten. Viermal hat er in den rund 30 Jahren barfußlaufen Glassplitter aus den Fußsohlen herausgezogen.

„Viele sind verwundert“, berichtet Kraft über die Reaktionen der Menschen. Schmunzelnd erzählt er, wie einmal ein Kind reagierte: „Mama, Mama, der Mann hat Füße!“ sel