Lebenplus Wo sich der Bogen spannt

Der 77-Jährige arbeitet einmal pro Woche ehrenamtlich in dem Schwäbisch Haller Seniorenheim. Schon kleine Gesten wie das Halten einer Hand, ein Lächeln oder ein paar freundliche Worte werden von den Bewohnern dankbar angenommen. Fotos: Julia Weise
Der 77-Jährige arbeitet einmal pro Woche ehrenamtlich in dem Schwäbisch Haller Seniorenheim. Schon kleine Gesten wie das Halten einer Hand, ein Lächeln oder ein paar freundliche Worte werden von den Bewohnern dankbar angenommen. Fotos: Julia Weise
18.12.2018

Ehrenamt: Hans-Georg Schwarz engagiert sich seit sechs Jahren in der Altenhilfe des Gottlob-Weißer-Hauses in Hall. Für den ehemaligen Schulleiter handelt es sich dabei um eine Selbstverständlichkeit.


Von Julia Weise 


Funkelnde Sterne, der Duft von frischen Tannenzweigen und herrlicher Christbaumschmuck – der Advent hat im Gottlob-Weißer-Haus Einzug gehalten. Auch das festliche Klavierspiel von Hans-Georg Schwarz ist in den Gängen des Haller Seniorenheims bestens zu vernehmen. Mit flinken Fingern entlockt er dem Tasteninstrument die letzten weihnachtlichen Klänge, ehe er sich mit einem breiten Lächeln und voller Ruhe wieder den Bewohnern widmet

Bei Empathie macht es kaum einen Unterschied, ob es nun um junge oder alte Menschen geht.

Hans-Georg Schwarz
Ehrenamtlicher

Hans-Georg Schwarz engagiert sich seit nunmehr sechs Jahren in der Altenhilfe des Gottlob-Weißer-Hauses. Einmal wöchentlich nimmt der 77-Jährige den weiten Weg aus Murrhardt auf sich, um die Bewohner und die Pflegenden mit „einfachen und praktischen Arbeiten des Hauses“, wie er es beschreibt, zu unterstützen. „Ich helfe dort, wo ich gebraucht werde“, unterstreicht Schwarz. „Das bereitet mir sehr viel Freude.“

Mit flinken Fingern entlockt Hans-Georg Schwarz dem Tasteninstrument die festlichen Klänge, ehe er sich wieder den Bewohnern widmet.
Mit flinken Fingern entlockt Hans-Georg Schwarz dem Tasteninstrument die festlichen Klänge, ehe er sich wieder den Bewohnern widmet.
Obgleich er sein Klavierspiel vor allem zu besonderen Anlässen, etwa während der Weihnachtsfeier in der diakonischen Einrichtung erklingen lässt, so war es in gewisser Weise doch auch die Liebe zur Musik, die Schwarz vor rund sechs Jahren zu seinem Ehrenamt gebracht hat. „Zuvor habe ich lange in der Diak-Kantorei gesungen“, erzählt der ehemalige Schulleiter. „2012 bin ich dann 70 geworden. Da trifft man eben nicht mehr alle Töne“, sagt der Murrhardter und lacht. Eine neue Aufgabe musste also her. Bei einem der regelmäßigen Treffen der Kantorei-Mitglieder habe er schließlich vom Gottlob-Weißer-Haus erfahren.

Der Übergang von Gesang zu Ehrenamt sei demnach ganz nahtlos vonstattengegangen. „Ich hatte einen Beruf, in dem ohne Engagement nichts läuft“, erläutert der Pädagoge. „Außerdem war ich schon immer der Meinung: Menschen, die in einem sozialen Bereich arbeiten, die haben ihr Herz am rechten Fleck“, vertritt der 77-Jährige. Für ihn sei es daher nur selbstverständlich, seine eigenen Stärken zum Wohle anderer einzusetzen.

Als ehemaliger Lehrer und Schulleiter könne er auf einen großen Erfahrungsschatz voll von Empathie und Engagement zurückgreifen. „Bei diesen Fähigkeiten macht es kaum einen Unterschied, ob es nun um junge oder alte Menschen geht“, erläutert Schwarz. „Man muss sich auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen einlassen. Da spannt sich der Bogen.“

Häufig seien es bereits kleine Gesten, mit denen er den Bewohnern eine große Freude bereiten könne. „Es ist erstaunlich, wie dankbar die Senioren sind, wenn ich ihre Hand halte, sie anlächle oder ein paar freundliche Worte mit ihnen wechsle“, zeigt er auf. Auch die gemeinsamen Spaziergänge täten den Bewohnern gut. „Viele beginnen dann von früheren Zeiten und Erinnerungen zu erzählen. Beispielsweise von Tagen, als der Kaffee noch mit der Mühle gemahlen wurde“, berichtet er.

Zeit, das sei auch der Faktor, der den hauptamtlichen Pflegern im Alltag für die zusätzlichen Tätigkeiten oftmals fehle. „Gleichzeitig dauert im Alter allerdings alles ein bisschen länger“, verdeutlicht Schwarz. Jeder Handgriff und jeder Schritt benötigten ausreichend Zeit – auch die der Helfer. Nach seinem anstehenden Umzug nach Schwäbisch Hall möchte der Ehrenamtliche den Bewohnern daher künftig zweimal wöchentlich zur Seite stehen.

„Wenn ich selbst einmal in die Situation komme und Hilfe benötige, dann freue ich mich auch, wenn jemand für mich da ist“, erklärt Hans-Georg Schwarz. „Und nur durch Engagement kann das soziale Zusammenleben funktionieren“, schließt er.

Mein Gehirn verlangt Futter“

Sprache: Juliane Maaß (86) aus Crailsheim lernt erst Italienisch und jetzt Englisch.

FOTO: PRIVAT
FOTO: PRIVAT
Früher im Italienurlaub habe ich mich immer geärgert, dass ich die Sprache nicht kann. Deshalb habe ich mich mit Anfang 70 entschlossen, Italienisch zu lernen. Weil eine jüngere Kursteilnehmerin ein Zertifikat brauchte, habe ich ebenfalls die Prüfung abgelegt. Mit 80 Jahren war ich eine der Besten. 2015 und 2016 war dann meine Enkeltochter ein Jahr als Au-pair in Florenz und ich habe sie ein paar Mal dort besucht. Dabei hat es mir großen Spaß gemacht, mich mit der Familie zu unterhalten. Ein tolles Erlebnis. Später habe ich begonnen, in der VHS mein Englisch aufzufrischen. Mein Gehirn verlangt nach Futter und will trainiert werden. Ich finde, man sollte auch im Alter nicht aufhören, zu lernen und Neues auszuprobieren. Auch sonst versuche ich, vom Leben so viel mitzunehmen wie möglich. Ich gehe ins Konzert, zur Frauengruppe Johanna und immer mal wieder in den Urlaub. In die Bretagne zum Beispiel oder nächsten Sommer nach Italien. Davor muss ich aber noch ein bisschen Italienisch büffeln.“ dia

Aufgeregt wie ein kleines Schulkind“ 

Ausbildung: Ekrem Coskun (67) geht als Rentner noch einmal in die Schule.

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„Meine Großeltern hatten in der Türkei einen landwirtschaftlichen Betrieb und ich habe mich schon immer gern in der Natur aufgehalten. Das Interesse wurde stärker, als ich begann, in Cröffelbach ein paar Schafe zu halten. So habe ich nach 48 Jahren beruflicher Tätigkeit als Mechanikermeister noch eine Ausbildung zum Nebenerwerbslandwirt drangehängt. Da war ich 63 Jahre alt. Vor dem ersten Tag in der Eugen-Grimminger-Schule 2015 war ich aufgeregt wie ein kleines Kind. Ich fand es sehr interessant, alles über zum Beispiel Rinderhaltung, Getreideanbau, Ökologie und Umweltschutz zu lernen. Zwei Jahre später habe ich die Prüfung bestanden. Inzwischen besitze ich einen zwei Hektar großen Wald. Im vergangenen Jahr habe ich dort kleine Fichten umgesetzt. Auch unsere Weihnachtsbäume holen wir dort – mit Wurzel, damit wir sie später wieder einsetzen können. Meiner Meinung nach ist es nie zu spät, etwas Neues zu beginnen. Aber man braucht Mut dazu.“ (dia)

Gegen die Einsamkeit

Jede Woche ein Anruf

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Das Schlimmste ist die Einsamkeit. Diesen Satz hört man oft, wenn man alte Menschen besucht. Wenn der Partner beziehungsweise die Partnerin verstorben ist, werden die Tage manchmal sehr lang.

Abhilfe kann die Aktion „Jede Woche ein Anruf“ schaffen. Die Idee dahinter ist ganz einfach: Die älteren Menschen verabreden sich, einmal in der Woche miteinander zu telefonieren. Aus den Anrufen kann dann mehr entstehen: gegenseitige Besuche, gemeinsames Kaffeetrinken oder Verabredungen zu Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen. Denn gemeinsam lassen sich viele Dinge im Alltag einfach leichter lösen.

Info: Mehr Informationen zu der neuen Aktion gibt es bei Martin Weis im Mehrgenerationenhaus Schwäbisch Hall, Tel. 07 91 / 9 70 66 50.

Erfahrung einbringen

Erwin Bühler (89) engagiert sich ehrenamtlich im Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen.     Foto: Andreas Scholz
Erwin Bühler (89) engagiert sich ehrenamtlich im Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen.     Foto: Andreas Scholz
600 Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen, rund 400 davon aktiv. Mindestens die Hälfte ist im Rentenalter. Einer davon ist Erwin Bühler (Foto). Der gelernte Wagner und Modelstecher zeigt sein Können als Vorführhandwerker.

Ein Ehrenamt ist eine gute Gelegenheit, aktiv zu bleiben und andere Leute kennenzulernen. Dabei gehe es um weit mehr als Kuchenbacken, sagt Nikolaus Sigrist von der Akademie für Ehrenamtlichkeit in der Zeitschrift „Neue Apotheken Illustrierte“ . Ältere könnten auch ihre Erfahrung aus dem Beruf einbringen, etwa im Projektmanagement oder der Öffentlichkeitsarbeit eines Vereins. Engagieren können sie sich in Sportvereinen genauso wie in der Kirche, im Kindergarten, einer Schule oder eben im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. Wohlfahrtsverbände, die Gemeinde oder auch Freiwilligenagenturen sind gute Ansprechpartner, wenn es darum geht, ein passendes Ehrenamt zu finden. dia/dpa

Orthopädie-Technik-Sanitätshaus Erling
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