Sonderveröffentlichung

Weihnachten bei uns „Sucht einen aus, der sonst weint!“

Seit 30 Jahren bauen die Brüder Roland und Gustav Löffelhardt in ihrer kleinen Plantage bei Mainhardt-Rösersmühle hobbymäßig Weihnachtsbäume an. Auch besondere Exemplare finden dort einen Abnehmer.

Rita, Roland und Gustav Löffelhardt (von links) kennen sich mit Nordmanntannen und Blaufichten sowie historischem Weihnachtsbaumschmuck aus. Foto: Alisa Grün

17.12.2020

Prächtige Nordmanntannen reihen sich an betörend duftende Blaufichten. Manche von ihnen gerade wenige Handbreit hoch. Andere ragen weit in den Himmel und wirken, als würden sie den angrenzenden Wald und die Wiesen schon jahrelang beäugen. Lediglich einige aufmerksam umher stapfende Menschen scheinen die Idylle zu unterbrechen. Der Maschendrahtzaun, der diesen Flecken Erde von der restlichen Umgebung abtrennt, spricht aber ebenfalls eine andere Sprache. Das Grundstück ist eine Plantage und die Besucher sind allesamt auf der Suche nach dem perfekten grünen Mittelpunkt an Heilig Abend: ihrem Christbaum.

An einem Sonntag im Advent – in diesem Jahr ist es der dritte – haben Roland und Gustav Löffelhardt, die Besitzer der Weihnachtsbaum- Plantage kurz vor Mainhardt-Rösersmühle, ein großes Schild an der Straße aufgestellt. Ein Hinweis für Vorbeifahrende, die vielleicht noch auf der Suche nach einer Tanne oder Fichte zum Schmücken sind. „Das machen wir nun schon seit 20 Jahren so. Unsere Plantage ist nicht sehr groß – wir betreiben sie hobbymäßig quasi nach Feierabend – weshalb wir auch nicht so viele Bäume anbieten können, wie andere, die das Geschäft hauptberuflich machen“, erklärt Roland. Dennoch habe sich über die Jahre bereits ein fester Kundenstamm etabliert. „Die meisten davon kommen aus unserem Bekannten- und Familienkreis.“
    

Weihnachten bei uns - Lesergewinnspiel

Den ersten Baum auf dem Grundstück in der Nähe ihres Heimatortes haben die Brüder 1990 gepflanzt. Lange hatten sie überlegt, was sie mit der zirka sieben Ar großen und eher unebenen Fläche anfangen sollten. Da sie mit der Landwirtschaft groß geworden und sehr naturverbunden sind, fiel letztlich die Entscheidung für den Christbaum-Anbau. „Bis wir die ersten eigenen Tannen geschlagen haben, hat es natürlich nochmal fast zehn Jahre gedauert“, berichtet Gustav. So lange brauche es, bis sie die beliebte Größe von etwa zwei Metern erreicht haben. Heute wachsen dort rund 400 Bäume. „Da ist für jeden Geschmack etwas dabei“, weiß Roland.

Und die Geschmäcker ihrer Stammkunden kennen die beiden genau: Zehn bis zwölf Exemplare suchen sie jedes Jahr auf Bestellung höchstpersönlich aus. Dafür kennen sie die gewünschte Größe ebenso auswendig wie die Ausmaße der Fichte oder Tanne, sie also eher ausladend oder schmal sein soll, um an den vorhergesehenen Platz zu passen. „Viele unserer Stammkunden kommen aber auch bereits ab Oktober für einen Spaziergang her, suchen dabei ihren Baum aus und hängen einen Zettel zur Reservierung daran“, sagt Gutav. Auf die Frage, ob es dabei viele Diskussionen gebe, antwortet Roland nur schmunzelnd: „Je weniger dabei sind, desto schneller geht es meist.“ Bisher habe man sich aber immer geeinigt.

Neben den bereits Wochen zuvor ausgesuchten oder bestellten Exemplaren, schlagen die Brüder an ihrem einzigen offiziellen Verkaufstag noch mehr als zehn Bäume für spontane Einkäufer. „Wir haben also auch jedes Jahr ein paar neue Gesichter dabei“, lächelt der Bibersfelder.

Krumm und mit drei Spitzen

An diesem Adventssonntag ist auch Rolands Ehefrau Rita zu Besuch auf der Plantage. Den Christbaum für das eigene Wohnzimmer hat sich das Ehepaar bereits ausgesucht. In diesem Jahr wird es eine Blaufichte sein, die nicht ganz perfekt gewachsen ist. „Das macht aber gar nichts“, sagt Rita Löffelhardt fröhlich.

Schon jahrelang wählen sie einen der Bäume aus, die nicht unbedingt von Kunden gekauft würden, weil sie etwa krumm sind oder drei Spitzen haben. „Unseren Kindern haben wir früher dann immer gesagt, wir nehmen einen von denen mit nach Hause, die sonst an Weihnachten weinen würden, weil sie niemand wolle.“ Das habe sich bis heute so in der Familie etabliert. „Unser Sohn und die zwei Töchter sind inzwischen erwachsen und haben teilweise selbst schon Kinder. Trotzdem heißt es noch ‚Sucht einen aus, der sonst weint!’“

Faible für Kugeln und Co.

Sobald der besondere Baum dann das Bibersfelder Wohnzimmer bezogen hat, wird er reichlich und vor allem sehr bunt geschmückt. „Ich habe schon in jungen Jahren angefangen historischen Christbaumschmuck zu sammeln“, erzählt Rita.

Fast 250 Kugeln und Figuren in allen erdenklichen Formen und Farben besitze sie. „Meine älteste ist aus dem 18. Jahrhundert. Für andere besitze ich sogar Zertifikate aus England“, berichtet sie strahlend. „Wenn es nach dem Schmuck meiner Frau ginge, könnten wir gleich zwei Weihnachtsbäume verzieren“, ergänzt Roland lachend. Immerhin: Auswahl genug hätten sie als Hobby-Christbaum-Anbauer ja.


Joggen für den guten Zweck

Baumspende-Aktion

Zehn Kilometer laufen ergibt einen Baum – diese Rechnung entsteht bei einer besonderen Spendenaktion des Heuchelbergtrail-Teams. Quasi unterwegs können Jogger auf selbstgewählten Strecken teilnehmen und damit die Aufforstung der regionalen Wälder unterstützen.

Gestartet ist der virtuelle Spendenlauf bereits am 1. Dezember. Noch bis 24. Dezember haben Läufer nun die Möglichkeit, ihre per Lauf-App auf dem Smartphone oder mittels einer Laufuhr festgehaltenen Kilometer auf der Facebook- oder Instagram-Seite des Heuchelbergtrails zu teilen. Dabei ist ganz egal, wo und wie viel gejoggt wird. Eine Teilnahme wird dadurch beispielsweise auch im Landkreis Schwäbisch Hall möglich. „An Weihnachten geben wir dann die zusammengekommene Gesamtdistanz bekannt und spenden pro zehn Kilometer einen Baum“, schreiben die Veranstalter.

Für ihre Aktion haben sie sich ein klares Ziel gesetzt: 1000 Bäume wollen sie spenden. Jeder Setzling kostet etwa einen Euro. Aufgeforstet werden soll damit ein Gebiet in der Heilbronner Region. Auch dort sind wie vielerorts durch Trockenheit und Sturm massive Schäden entstanden. Im März werden unter der Leitung von Förster Jens Hey sowohl einheimische, klimastabile Baumarten wie Eiche, Elsbeere und Waldkirsche als auch nicht-einheimische Arten gepflanzt.

Mehr Infos gibt es online unter www.heuchelbergtrail.de sowie unter „Heuchelbergtrail“ auf Instagram und Facebook. pm