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Lebenplus Über 50 Jahre Französischunterricht

Gute Bekannte: Französischlehrerin Colette Deutsch (87) und ihr Schüler Peter Stephan (80, rechts) treffen Frédéric George von der Distillerie Château de Saint-Blasemont aus der Region Vittel auf dem Schwäbisch Haller Weihnachtsmarkt. Foto: Ufuk Arslan

Porträt: Seit über einem halben Jahrhundert unterrichtet Colette Deutsch ihre Muttersprache an der Volkshochschule in Hall. Jetzt ist sie 87 Jahre alt und noch immer Lehrerin. Einer ihrer Schüler ist 80. 


Von Claudia Linz    


Auf Hausaufgaben legt Colette Deutsch schon großen Wert. Auch auf die korrekte Grammatik. Aber vor allem bereitet es ihr große Freude, dass sie ihre Muttersprache lehren darf und dadurch aus der Fremde mit ihrer Heimat verbunden bleibt. Und dass sie dabei mit Menschen zusammen ist, die sich für Frankreich interessieren. „Es ist weniger eine Arbeit als vielmehr ein Austausch“, sagt sie und lächelt.

Mitte der 1960er Jahre war Colette Deutsch gefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, in der Volkshochschule Französisch zu unterrichten. „Die Begeisterung für die romanische Sprache war damals in Schwäbisch Hall immens groß“, erinnert sich die 87-Jährige. Gerade war die Städtepartnerschaft mit dem französischen Epinal besiegelt worden. Man wollte in Kontakt kommen.

Inzwischen sei es zwar ein klein wenig ruhiger geworden, aber das Interesse an der Sprache sei ungebrochen. Immer noch gibt sie sowohl Anfänger- als auch Konversationskurse. Manche ihrer Schüler sind mit ihr älter geworden. Einer davon ist Peter Stephan. Seit 19 Jahren lernt der inzwischen 80-Jährige Französisch. „Er ist unser Macron-Spezialist“, erzählt sie. Zu Beginn des Konversationskurses unterhalten sich Lehrerin und Schüler nämlich immer über die aktuellen Ereignisse im Nachbarland. Und Peter Stephan hält über aktuelle Ereignisse rund um den französischen Präsidenten auf dem Laufenden.

Dass Colette Deutsch überhaupt nach Deutschland kam, liegt an Heidelberg. Sie hatte ein Bild von der romantischen Stadt in der Kurpfalz gesehen und beschlossen, eines Tages dorthin zu reisen. Unter anderem deshalb hat sie in Paris Germanistik studiert und kurze Zeit als Deutschlehrerin gearbeitet. Dann nahm sie an einem Ferienkurs am Neckar teil und hat sich in die Stadt verliebt.

Die für ihren malerischen Ortskern und die Schlossruine bekannte Residenzstadt ist auch verantwortlich dafür, dass die Französin in Deutschland geblieben ist. Als junge Frau hat sie ihr Herz in Heidelberg verloren. Sie hat ihren späteren Mann dort kennengelernt, den sie 1957 geheiratet hat. Er stammte aus Schwäbisch Hall. Und so lebt sie seit inzwischen über 60 Jahren in der Siederstadt. Schwäbisch Hall wurde zu ihrer zweiten Heimat. „Und auch die Konversationskurse sind inzwischen ein lieb gewordener Teil meines Lebens.“


„Neugier heißt das Zauberwort“ 

Klavier: Gudrun Bolz (82) spielt Klavier und führt Gruppen durch Crailsheim.

FOTO: HELGA STEIGER
FOTO: HELGA STEIGER

Schon als Kind habe ich mir gewünscht, Klavier spielen zu können. 2004 habe ich dann in der Zeitung unter der Überschrift ,Älter werde ich später’ gelesen, man könne vier Wochen lang im Musical ,Motion’ reinschnuppern und Klavierspielen üben. Das habe ich gemacht. Leider war es dann kein Klavier, sondern ein Keyboard. Trotzdem hat es mir so großen Spaß gemacht, dass ich mir danach ein gebrauchtes Klavier gekauft und Stunden genommen habe. Jetzt spiele ich seit zwölf Jahren. Mein Lieblingsstück ist das irische ,Des Sommers letzte Rose’. Das mochte auch meine Mutter gern. Außerdem arbeite ich seit 2006 als Stadtführerin in Crailsheim. Für Interessierte vom Albverein, in dem ich schon sehr lange Mitglied bin, habe ich von alten Crailsheimer Sagen erzählt. Das hat jemand gehört, der mich sofort als Stadtführerin vorgeschlagen hat. Erst wollte ich nicht, aber dann wollten die Gemeinderäte mich. Ich habe sie überzeugt, obwohl ich nicht, wie viele der anderen Bewerber, vorher geübt hatte. Ich denke mir auch immer mal neue Themen aus. Ein großer Erfolg war die Führung zur Geschichte des Flugplatzes. Mein Tipp, um gesund alt zu werden, lautet: Man muss neugierig sein. Neugier ist das Zauberwort. Auch habe ich immer darauf geachtet, die Balance zu halten. Ich unternehme gerne etwas, bin aber auch gern einmal daheim ohne dabei Angst zu haben, etwas zu verpassen.“ dia


„Eine Wurst zum Ausspucken“ 

Unterricht: Peter Stephan (80) aus Hall über sein 19 Jahre währendes Sprachabenteuer

FOTO: CLAUDIA LINZ
FOTO: CLAUDIA LINZ

„Ein Faible für Frankreich und die herrlich melodische Sprache hatte ich schon immer. Auch unsere Urlaube verbringen wir seit zig Jahren schon in den Vogesen. Aber erst durch eine sportliche Begegnung mit den Epinaler Leichtathleten – ich war dort privat untergebracht – begann das Sprachabenteuer. Bedingt durch eine offensichtliche Seelenverwandtschaft schlug der Pierre dem Peter vor, auch weiterhin in Kontakt zu bleiben, obwohl keiner des anderen Sprache mächtig war. Meine in Deutsch verfassten Briefe könne ihm seine Schwester übersetzen, sagte er. Der Rest sei meine Sache. Ein Kursbuch mit zwei Kassetten zum Selbststudium waren meine einzigen Hilfen. Zum Eintritt in den Vorruhestand schenkten mir die ehemaligen Kollegen einen VHS-Kurs in Französisch, welcher nun schon 19 Jahre andauert. Dass dies immer noch nötig ist, zeigt ein Beispiel. Auf dem Markt in Epinal sollte ich eine Knackwurst (saucisson à craquer) kaufen. Aber zur Erheiterung der Umstehenden wurde es eine ,saucisson à cracher’, eine Wurst zum Ausspucken. Beidseitig vorteilhaft sind auch die telefonischen Unterhaltungen mit meinem französischen Patenkind Lise, eine Urlaubsbekanntschaft, welche konsequent Deutsch mit mir redet, während ich mit ihr Französisch parliere. Und damit der Pierre uns nicht vergisst, bekommt er, wie jedes Jahr, auch diesmal Haller Weihnachtsbrödle.“ dia


Wenn man schwer hört

Eine beginnende Schwerhörigkeit ist für die Betroffenen selbst nicht immer leicht zu erkennen. Denn Hörverlust ist oft ein schleichender Prozess. Ein Anzeichen ist zum Beispiel, dass jemand Naturgeräusche wie das Rauschen von Blättern oder Vogelgezwitscher nicht mehr wahrnimmt, erläutert der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Auch leise summende Geräte wie etwa der Kühlschrank sind eventuell nicht mehr zu hören.

Typisch seien auch Schwierigkeiten, bei lauter Geräuschkulisse das Gegenüber zu verstehen. Manchmal bemerken die Angehörigen zuerst, dass etwas nicht stimmt – zum Beispiel, weil der Fernseher ständig viel zu laut gestellt wird. Darüber hinaus seien schwerhörige Menschen schneller erschöpft, weil sie sich beim Hören mehr konzentrieren müssen.

Zeigen sich bei jemandem solche Anzeichen, dann sei es sinnvoll, das Gehör überprüfen zu lassen. Eventuell kann ein Hörgerät den Verlust ausgleichen und die Lebensqualität so wieder deutlich verbessern.

Mehr im Internet unter www.hno-aerzte-im-netz.de. dpa/tmn


Geld kommt meistens an

Enkel und Urenkel freuen sich über Bares oft am meisten

Es mag nicht so kreativ sein, doch mit etwas Geld im Umschlag ist man bei Enkeln und Urenkeln oft auf der sicheren Seite. Foto: Christin Klose/dpa
Es mag nicht so kreativ sein, doch mit etwas Geld im Umschlag ist man bei Enkeln und Urenkeln oft auf der sicheren Seite. Foto: Christin Klose/dpa

Kinder, Enkel, Neffen, Nichten – manche Menschen möchten einer ganze Reihe von Leuten zu Weihnachten eine Freude machen. Aber wie besorgt man halbwegs stressfrei so viele Geschenke? Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) rät, sich mit den Überlegungen und Besorgungen nicht allzu verrückt zu machen. „Den Geschmack von allen zu treffen, ist eh quasi unmöglich.“ Ihr Tipp: einfach ein bisschen Geld in Umschläge stecken – fertig. „Das mag wenig kreativ klingen, aber meine Erfahrung ist, dass sich gerade Enkel und Urenkel darüber am meisten freuen.“

Wer unbedingt etwas „Richtiges“ schenken möchte, sollte sich zumindest bei Kindern und Jugendlichen unbedingt vorher über die Vorlieben informieren. „Am besten fragt man die Eltern. Eventuell können sich Tanten oder Großeltern auch an einem größeren Geschenk beteiligen.“


Editorial

Bleiben Sie wissbegierig!

Claudia Linz Redakteurin
Claudia Linz Redakteurin

So lange man noch Neugierde in sich hat und staunen kann, ist das Alter egal.“ Dieses Zitat der Dichterin Hilde Domin macht Mut. Es ist ein Plädoyer dafür, im Leben immer mal wieder etwas Neues zu wagen. Das kann zum Beispiel eine Reise sein, die Auseinandersetzung mit dem Computer oder Smartphone, oder auch nur, ein neues Gericht zu kochen.

In dieser Ausgabe von Leben-Plus stellen wir Menschen vor, die auch im hohen Alter noch damit begonnen haben, zum Beispiel eine neue Sprache zu sprechen, Klavier spielen zu lernen oder sich im Ehrenamt zu engagieren. Aus allen spricht die Lebensfreude. Das Lernen gibt ihnen Rhythmus, aber auch Selbstbestätigung.

Es zeigt aber auch, dass das alte Sprichwort vom Hans und vom Hänschen nicht mehr gilt. Heutige Senioren beweisen das, denn sie lernen sehr wohl noch Neues. Manche beginnen sogar noch einmal eine Ausbildung oder schreiben sich an der Uni ein. Den Satz „Dafür bin ich zu alt“ haben sie aus ihren Gedanken und aus ihrem Wortschatz verbannt.

„Es ist wirklich wichtig, dass man sein Leben lang neue Herausforderungen sucht“, erklärt Marion Bär vom Kompetenzzentrum Alter der Universität Heidelberg. Man sollte sich einfach etwas trauen.

Ich wünsche Ihnen an dieser Stelle ausreichend Mut, viele Herausforderungen, frohe Weihnachten und Gesundheit im neuen Jahr,

Ihre Claudia Linz

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