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Mobilität: Lennart Herrlich macht ein FSJ beim betreuten Fahrdienst des DRK in Schwäbisch Hall. Dabei bringt er Menschen mit Handicaps etwa zur Arbeit und zum Arzt oder holt sie von Krankenhäusern ab.

Lennart Herrlich (rechts) und Daniel Lämmle kennen sich seit der Grundschule. Durch den Fahrdienst haben sie sich wieder getroffen.

19.05.2020

Wie so viele seiner Altersgenossen wusste auch Lennart Herrlich nicht so genau, was er nach dem Abitur eigentlich machen sollte. „Ich wollte in den medizinisch-sozialen Bereich, hatte aber noch keinen konkreten Beruf vor Augen“, erzählt er. „Also entschied ich mich dafür, erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) zu machen“, sagt der Haller. Nun bringt er seit Oktober 2019 im Rahmen des betreuten Fahrdienstes „SHA-mobil“ rund fünf Mal am Tag Menschen mit Handicaps zum Beispiel zur Arbeit, zum Arzt, zur Reha und nach Hause. Ein häufiges Fahrziel ist auch das Krankenhaus, wo er die behandelten Patienten abholt. „Der Umgang mit verschiedenen Menschen macht mir total Spaß“, betont der 18-Jährige. Oft handele es sich bei den Passagieren um interessante Persönlichkeiten jeden Alters, die spannende Geschichten zu erzählen hätten. „Einmal hat mir eine ältere Dame erzählt, wie es war, aus der DDR zu fliehen. Da habe ich natürlich gebannt zugehört“, betont er. Generell hätten gerade ältere Menschen vieles aus ihrem Leben zu berichten. Ihnen leihe er stets gerne sein Ohr.

Viele Touren zu Lebenswerkstätten

Der FSJler sitzt gerne am Steuer des Kleintransporters. Fotos: Hannah Pompalla
Der FSJler sitzt gerne am Steuer des Kleintransporters. Fotos: Hannah Pompalla

Der DRK-Kreisverband Schwäbisch Hall-Crailsheim hat rund 30 „Stammgäste“. Diese gilt es, in festen Abständen, beispielsweise einmal in der Woche, von A nach B und wieder zurück zu transportieren. Manche sind chronisch krank und müssen regelmäßig zur Dialyse. Andere sind aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen nicht (mehr) mobil und dadurch auf den Fahrdienst angewiesen. Viele Touren führen daher zu Lebenswerkstätten. „Ich mag diese Klienten besonders gerne, sie sind sehr nett und angenehm“, beschreibt Lennart. Zu den festen Fahrgästen gehört auch Daniel Lämmle. Der 17-Jährige ist durch eine körperliche Behinderung an den Rollstuhl gebunden. Er besucht eine weiterführende Montessori-Klasse der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West. Daher muss er einmal in der Woche zum Freilandmuseum in Wackershofen gebracht werden: Dort pflanzt eine gemischte Lerngruppe etwa Gemüse an, füttert Tiere und kocht gemeinsam. Schließlich setzt das Bildungskonzept der italienischen Ärztin Maria Montessori auf eine freie Entwicklung in einem kreativen Umfeld.

„Daniel und ich kennen uns seit der Grundschule“, schildert Lennart. „Durch den Fahrdienst haben wir uns wieder getroffen, das ist schon witzig“, sagt er schmunzelnd. Der junge Mann findet es generell schön, mit einigen Kunden immer wieder in Kontakt zu treten. „So lernt man die Leute mit der Zeit besser kennen und weiß, wie sie so drauf sind.“

Strengere Hygienemaßnahmen

Inzwischen fährt der Freiwilligendienstler mit dem Kleintransporter wie ein Profi. „Anfangs war das natürlich etwas ungewohnt. Aber dafür bekommt man ein ausgiebiges Training“, erläutert er. „Eine gewisse Fahrsicherheit sollte man natürlich trotzdem mitbringen.“

Durch Corona gelten gerade verschärfte Hygienemaßnahmen: Pro Strecke darf nur ein Passagier befördert werden, und dieser muss, wie der Fahrer, eine Maske tragen und sich sorgfältig die Hände desinfizieren. „Wir haben außerdem ein Lager an Schutzmasken geschaffen. Die liefere ich regelmäßig an Arztpraxen aus. Deswegen haben wir gerade sehr viel zu tun“, weiß er.

Im Juni wird sein FSJ enden. „Ich möchte aber vermutlich nochmal verlängern“, erklärt Lennart. Schließlich darf er seinen Freiwilligendienst auf bis zu 18 Monate ausweiten. Bisher hat er bereits einige Ideen, was er danach machen möchte. Doch noch nutzt er die Chance, sich weiter inspirieren zu lassen. Von Hannah Pompalla

FSJ mit Rettungshelfer-Kurs

Das nächste FSJ beim betreuten Fahrdienst „SHA-mobil“ des DRK startet am 1. August. Es dauert in der Regel 13 Monate. Es kann auf insgesamt 18 Monate verlängert werden. Voraussetzung ist ein absolvierter Erste-Hilfe-Kurs, der nicht länger her ist als zwei Jahre und ein Führerschein der Klasse B. Neu ist ein vierwöchiger Kurs zum Rettungshelfer, der 2020 erstmals stattfindet. Die Teilnehmer lernen Anatomie und Krankheitsbilder und üben Notfallszenarien. So sollen sie professionell in Ernstfällen helfen können. Die FSJler erhalten ein Taschengeld von 555 Euro im Monat.

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