Kaldekerken Bestattungen Wenn das berufliche Telefon nicht mehr klingelt

Karl und Renate van Kaldekerken haben ihr Geschäft in Langenau an Martina und Felix Bollinger übergeben. Foto: Josephine Schuster
Karl und Renate van Kaldekerken haben ihr Geschäft in Langenau an Martina und Felix Bollinger übergeben. Foto: Josephine Schuster
07.02.2019

Karl und Renate van Kaldekerken verabschieden sich nach 37 Jahren in den Ruhestand.

Von Josephine Schuster 

Der Gesprächsraum in der Achstraße 24 in Langenau ist leer. Die Särge und Urnen sind weg. Seit dem 1. Februar steht zwar Kaldekerken an der Hauswand, das Bestattungsunternehmen führen nun aber Martina und Felix Bollinger. Der Umbau ist schon abgeschlossen, ab Mitte März werden nur noch Teilstücke der Särge ausgestellt sein.

„Ich finde, dass diese großen Särge eine emotionale Bedrohung für die Hinterbliebenen sind“, erklärt Felix Bollinger. Die van Kaldekerkens können damit umgehen. „Das ist eine neue Generation. Die machen das anders – und das ist auch gut so“, sagt Karl van Kaldekerken. Er und seine Frau Renate treten nach 37 Jahren den Weg in den Ruhestand an.

Kopf komplett ausmachen

Martina und Felix Bollinger – sie Arzthelferin, er Altenpfleger – haben in ihren Berufen mit dem Tod zu tun und können gut damit umgehen. Das kennt Karl van Kaldekerken. „Bei ganz schlimmen Unfällen kann ich meinen Kopf komplett ausmachen. Da brauchte man mich hinterher nichts dazu fragen. Ich habe alles ausgeblendet.“

Der 30-jährige Felix Bollinger aus Langenau lernte das Unternehmen über ein Praktikum kennen. Er wollte wissen, was ein Bestatter macht. Bereits nach ein paar Tagen sprachen sie über eine mögliche Übernahme. „Klar ist es für viele komisch, warum wir das machen wollen. Aber du kriegst so viel zurück von den Menschen.“

Bestattungsfachkraft Claudia Zimmermann, die seit elf Jahren im Unternehmen ist, wird die Bollingers weiter unterstützen. „Ohne sie wäre ich aufgeschmissen, da meine Frau in Teilzeit in ihrem alten Job bleibt und ich die Hilfe sehr gut gebrauchen kann“, erklärt Felix Bollinger. Er wollte seiner Frau nicht komplett ihren Beruf wegnehmen. So kam es zu dieser Lösung. „Ich habe eine tolle Frau, die das alles so mitmacht. Wir fahren auch zu den schlimmen Anlässen zusammen raus. Und manchmal ist sie sogar stärker als ich“, erzählt er beeindruckt.

Nun gibt es viel zu tun für Bollinger und seine Gattin. „Die Organisation rund um die Beerdigungen und die Bürokratie sind ein größerer Anteil, als man vielleicht denkt“, wissen die van Kaldekerkens. „Uns ärgert es sehr, wenn einige sagen, wir hätten jetzt ausgesorgt. Ständig klingelt das Telefon und wir müssen wirklich viel arbeiten.“ Dass nach 37 Jahren kein berufliches Telefon mehr klingelt, wird anfangs komisch sein, sagen die van Kaldekerkens. Endlich ausgiebig auf Reisen gehen: Darauf freuen sie sich jetzt.

Ihren Nachfolgern wünschen sie, dass die Trauernden ihnen dasselbe Vertrauen entgegenbringen. „Wir waschen und kleiden die Toten bei sich zu Hause. Das macht nicht jeder Bestatter. Wir sprechen noch ein Gebet und machen alles so, wie die Trauernden es sich wünschen. Es wäre natürlich schön, wenn Martina und Felix das auch weiterhin so handhaben“, wünscht sich Renate van Kaldekerken und ergänzt: „Wir sagen immer, es soll so sein, als würde man seine eigenen Eltern beerdigen. Also ohne die emotionale Komponente, aber eben mit genauso viel Engagement und Mühe, wie man es sich für seine eigenen Eltern wünschen würde.“

Sie ist froh, dass der Umgang mit dem Tod heute einen größeren Platz in der Gesellschaft hat als früher. „Als wir klein waren, wurde das komplett von uns fern gehalten. Wir wurden nicht an das Thema herangeführt, und das hat eine Angst mit sich gebracht, die nicht gut ist.“

Weiterhin austauschen

Wirklich Zeit, die Übergabe zu feiern, war noch nicht. Aber zusammen essen sei man gewesen. Der Austausch werde weiterhin stattfinden, denn die Bollingers haben sicher noch viele Fragen. Aber eines wissen sie jetzt schon – und das ist wahrscheinlich das Wichtigste: der gute Umgang mit den Trauernden. „Herzgefühl, Menschlichkeit, im Stillen delegieren und dann zuhören, wenn jemand reden will“, fassen die van Kaldekerkens zusammen, was die Bollingers gern so weiterführen möchten.

Bestattungen Kaldekerken e.K.
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