Sonderveröffentlichung

KFZ aktuell Lust und Frust

Die Nachfrage nach E-Autos steigt weiter, aber viele Fragen sind noch offen.

Einer Umfrage zufolge können sich viele Bundesbürger vorstellen, aufgrund der Kaufprämie von bis zu 9.000 Euro sich ein E- oder Hybridfahrzeug zuzulegen. Foto: Jan Woitas/dpa

4.09.2020

In den ersten sechs Monaten 2020 wurden nach Schätzungen des Verbands der internationalen Kfz-Hersteller (VDIK) über 90 000 batteriegetriebene Fahrzeuge in Deutschland verkauft, ein Plus von 90 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Selbst in Corona-Zeiten stiegen die Neuzulassungen von E-Autos, während der Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennern stark rückläufig war. Seit dem 1. Juni 2020 gibt es zudem noch die auf bis zu 9000 Euro erhöhte Kaufprämie für E-Autos, außerdem wurde vom 1. Juli bis Jahresende die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent abgesenkt. Wird sich der Boom bei den E-Autos also weiter verstärken?

Jeder dritte erwägt einen Kauf

Wegen der Innovationsprämie für E-Autos und Hybridfahrzeuge sowie der Absenkung der Mehrwertsteuer will jeder dritte Teilnehmer einer online Umfrage seinen Autokauf vorziehen. Ebenfalls mehr als ein Drittel der Umfrageteilnehmer kann sich jetzt viel eher vorstellen, sich aufgrund der Prämie ein E- oder Hybridfahrzeug zuzulegen. Und jeder Zehnte hat sich allein wegen der Innovationsprämie zum Kauf eines Elektro- oder Hybridmodells entschieden. Die Studie zeigt auch, für wen Elektro- und Hybridfahrzeuge besonders interessant sind. So gibt insgesamt ein Drittel der Befragten an, dass sie diese Fahrzeuge als relevant erachten. Vor allem in den Großstädten und bei jüngeren Bevölkerungsschichten steigt das Interesse noch deutlicher an. So bewerten 41 Prozent der Großstädter das Thema Elektromobilität als relevant, bei den unter 40 Jahre alten Teilnehmern ist es sogar fast jeder zweite. Allerdings wachsen beim Thema E-Mobilität die Bäume längst noch nicht in den Himmel. Ein Hemmschuh für die stärkere Verbreitung von Elektro- und Hybridmodellen ist derzeit vor allem ein als zu gering empfundenes Informationsangebot.


80 Prozent machen sich beim Thema E-Autos Sorgen um eine zu geringe Reichweite und fehlende Lademöglichkeiten.

Quelle: AutoScout24


Sorgen um die Reichweite des Autos

So geben fast vier von fünf Befragten an, dass ihnen zum Thema Elektromobilität noch Informationen fehlen. Vor allem beim Thema Unterhaltskosten fühlen sich die Autokäufer nicht ausreichend mit Daten versorgt: Jeder Dritte wünscht sich hier weitere Fakten. Zudem ist die große Mehrheit mit 87 Prozent der Meinung, dass Elektroautos teurer als vergleichbare Benziner oder Diesel sind. Auch eine möglicherweise zu geringe Reichweite oder wenig Lademöglichkeiten sorgen bei über 80 Prozent der Befragten für Verunsicherung. Bei diesen Ergebnissen verwundert es nicht, dass fast zwei Drittel der Befragten mehr Investitionen in die Infrastruktur für E-Autos fordern, ebenfalls fast zwei Drittel wünschen sich mehr Investitionen der Autobauer in diesem Sektor. djd
         

Das nervt Autofahrer am meisten

Staus, Drängler, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer – die Liste für potenzielle Aufreger im Straßenverkehr ist lang. Der ADAC hat seine Mitglieder auch in diesem Jahr wieder befragt und wollte wissen, was Autofahrer am meisten nervt.

Die Mehrheit der 1000 befragten Mitglieder ist durch Verhaltensweisen anderer genervt. Wie schon in den vergangenen Jahren ärgern sich Autofahrer am meisten über zu dichtes Auffahren bei hohen Geschwindigkeiten. 77 Prozent gaben dies als den größten Störfaktor an. Damit ging die Zahl im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück (79 Prozent im Jahr 2019).

Weit oben rangieren auch die Ablenkung durch das Smartphone (75 Prozent) und das plötzliche Abbiegen oder ein spontaner Spurwechsel ohne zu blinken (61 Prozent). 60 Prozent gaben Staus und zähflüssigen Verkehr als belastend an. Aber auch auf der Autobahn kommt es zu Situationen, welche die Befragten als lästig empfinden – insbesondere bei Überholmanövern.

Hier werden überholende Lkw-Fahrer (55 Prozent) sowie rechts überholende Pkw-Fahrer (54 Prozent) oft genannt. Neu dabei sind seit diesem Jahr Verkehrsteilnehmer auf E-Scootern. Mit 45 Prozent gaben fast die Hälfte der Befragten an, E-Scooter-Fahrer auf der Straße als störend zu empfinden. pm