Weihnachtszauber III Ein Lob auf die Tanne!

Jedes Bäumchen verdient Lob. Foto: Smileus/Fotolia.com
Jedes Bäumchen verdient Lob. Foto: Smileus/Fotolia.com
14.12.2018

Christbäume haben ihren Reiz. Wer das Christbaumloben kennt, kann ein Lied davon singen. 

Von Heike Viefhaus    

„Ein schöner Baum!“ – „Ein unfassbar schöner Baum.“ – „Der Baum ist so schön, dass …“ ja, dass einem sprichwörtlich die Worte fehlen. Aber darauf kommt es ja auch nicht an beim schwäbischen Brauch des „Christbaumlobens“. Entscheidend ist einzig und allein der mitschwingende Unterton in dieser Lobhudelei – dezent ironisch bis geradezu überschwänglich und mit großer theatralischer Geste vorgetragen. Mindestens ebenso wichtig ist, weil spendiert: Der Schnaps danach!

Ein Haufen Lob für den Baum

Beim Christbaumloben gilt ausnahmsweise mal nicht das schwäbische Klischee „net g‘schimpft, isch g‘nug g’lobt“. Und auch das in hiesigen Regionen fremdelnde Sozialverhalten, schmeißt man an den weihnachtlichen Festtagen bei der „Tour des Lobens“ sorglos über den Haufen. Zwischen den Jahren zieht man in der Gruppe um die Häuser. Mal sind es die Freunde, mal die Kumpels aus dem Verein, mal die eigene Familie mit denen man die Adressen von Verwandten und Freunden ansteuert. Man klingelt und bittet höflich um Einlass, mit dem Wunsch, den „Christbaum loben zu dürfen“. Man traut sich sogar zu, dem Weihnachtsbaum des ungeliebten Nachbars Avancen zu machen. – obwohl des Nachbars Gattin ja eher Bewunderung verdient, weil … ach, egal. Neben dem hochprozentigen Genuss geht es also beim schwäbischen Christbaumloben um ein fröhliches gemeinschaftliches Vergnügen. Besonders engagierte und kreative Lober begnügen sich nicht mit bloßen Worten. Mit einem selbstverfassten Gedicht auf den Baum, wird dessen unnachahmliche Schönheit gepriesen. Der Vortrag eines selbst (um)gedichteten Liedes treibt die Ergriffenheit des Betrachters beim Anblick des herrlich geschmückten Nadelgewächses noch auf den Gipfel. Man trifft beim Christbaumloben nicht selten Menschen wieder, die man lange nicht gesehen und gesprochen hat. Oder man knüpft neue Kontakte. Das muss man feiern und begießen – warum denn nicht einfach mit, na? Einem Schnäpschen! Ja, das macht locker! Und da geteilte Freude bekanntlich doppelte Freude ist, lobt man pro Abend nicht unbedingt nur einen Baum. Nei-hein! Nicht im Süddeutschen Raum. Das war schon in den Anfangszeiten dieses Brauchtums vor hundert Jahren so: Es lebe die Vielfalt. Es lebe der feucht-fröhliche Gruppenzwang: „Wo ist der Baum?“ – „Da ist der Baum.“ – „Ach, ist der schön!“. Her mit der Spirituose und dann: Prost!

Ein Schwips für alle Sinne

Auf selbige Liedmelodie summt zu vorgerückter Stunde eine beschwingte Stimme – irgendwo zwischen körpereigenen Vernunftzentrum im Oberstübchen und der Schmarotzerhöhle des inneren Schweinehunds: „Eihei-hei-ner geht noch, ei-heiner geht noch rein.“ – Warum denn aufhören, wenn wenn’s grad am Schönsten ist? Wenn das Denken schwer fällt und das Loben locker von alleine läuft? Christbaumloben, der weihnachtliche Schwips für die Sinne … einmal im Jahr drückt man da beseelt sogar beide Augen zu – den Wald sieht man vor lauter Bäumen eh nicht mehr.
Söll Mühle
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