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Ratiopharm Ulm - Das Finalturnier Super Stimmung und spielintelligente Neuzugänge

Turnieranalyse: Die Ulmer haben in München überraschend gut abgeschnitten. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Auch wenn im Halbfinale Schluss war: Ratiopharm Ulm hatte beim Titelturnier in München reichlich Gründe zum Jubeln. 
Foto: Imago

25.06.2020

Vor dem Start waren die Meinungen zum Abschneiden der Ulmer bei diesem einmaligen Turnier einhellig: Wenn es gut läuft, schafft es Jaka Lakovics Team irgendwie ins Viertelfinale, dort ist Endstation. Doch es kam ganz anders: Ratiopharm Ulm begeisterte mit schönem Team-Basketball, starker Defense und war die Überraschungsmannschaft des Turniers. Dafür gibt es mehrere Gründe:
          

ratiopharm ulm

Die Neuzugänge
Mit Dylan Osetkowski und Thomas Klepeisz kamen zwei Akteure, die perfekt ins Team passten und auch abseits des Spielfelds einen wichtigen Teil zur guten Team-Chemie beitrugen. Allerdings schwächelte Osetkowski in den Halbfinals gegen Ludwigsburg. Trotzdem kann sich der Klub darüber freuen, dass der Center noch zwei Jahre Vertrag bei Ratiopharm Ulm hat. Bei Klepeisz ist offen, wohin ihn sein Weg führen wird. Nach seinen starken Leistungen bei diesem Turnier ist er bei Ratiopharm Ulm aber mehr als willkommen.


"Schade, dass dieses Jahr kein Fanabschied möglich ist. Die Jungs hätten es verdient."

Thomas Stoll bei Twitter Geschäftsführer Ratiopharm Ulm


Die Spielweise
Angesichts der Abgänge in der Corona-Pause von Killian Hayes, Seth Hinrichs und Grant Jerrett veränderte sich die Ulmer Spielweise. Der Ball wurde häufiger gepasst, es wurde sich mehr ohne Ball bewegt und hauptsächlich versucht, über Spielsysteme zum Erfolg zu kommen. Lediglich beim Auftakt gegen die Bayern und in der Schlussphase des zweiten Halbfinals gegen Ludwigsburg versuchten es die Ratiopharm-Akteure mit Einzelaktionen. Gegen München war das der Schlüssel zum Sieg, gegen die Riesen ging es letztlich schief. Alles in allem überzeugte Ratiopharm Ulm aber in den acht Spielen mit tollem, uneigennützigem Team-Basketball.
        

Die Stimmung
Gerade bei so einem Turnier mit viel Zeit im Quarantäne-Hotel kommt es auf die die Stimmung im Team an. Und die ist umso besser, wenn man gewinnt und es keine Egomanen im Kader gibt. Das Ulmer Spiel war darauf ausgelegt, dass jeder Akteur in das Angriffsspiel eingebunden ist. Jeder konnte seinen Teil zum Erfolg beitragen. Dies beugte Unzufriedenheit vor. Und zufriedene Spieler sind glückliche, gutgelaunte Spieler. Wenn man dann noch gewinnt, ist eine super Stimmung programmiert.

Die Defensive
Ratiopharm Ulm eilt nicht der Ruf voraus, eine defensivstarke Mannschaft zu sein. Doch bei diesem Turnier war die Abwehr in allen Spielen überaus solide. Auch hier zeigte sich, dass die Mannschaft als solche toll harmonierte. Die Spieler überzeugten mit hohem Einsatzwillen, der Bereitschaft, Fehler des Mitspielers auszubügeln und mit Spaß am Verteidigen.
    

Die Rückkehrer
So richtig waren Patrick Heckmann und Per Günther in dieser Saison zwar nicht weg. Doch da angeschlagen oder noch nicht fit, konnten sie in der regulären Runde ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen und schleppten sich so durch. Die Corona-Pause gab dem Duo die Möglichkeit, ihre Blessuren auszukurieren und sich richtig fit zu machen. Beim Turnier waren die beiden Routiniers dann ein wichtiger Rückhalt und gaben dem Team in schwierigen Phasen viel Sicherheit.

Die Gruppe
Im Nachhinein entpuppte sich die Gruppe mit München, Oldenburg, Crailsheim und Göttingen als Glück für Ulm. Das waren Teams, die sich eher über Offensivbasketball definieren. Zudem erwischte das Ratiopharm-Team die beiden vermeintlichen Gruppenfavoriten gleich zum Auftakt, als die Ulmer bereits als Mannschaft unheimlich gut harmonierten, während es bei Oldenburg und den Bayern im Zusammenspiel noch ordentlich haperte. Sebastian Schmid
    

6 Mal schafften die Basketballer von Ratiopharm Ulm in den vergangenen neun Spielzeiten mindestens den Einzug ins Halbfinale. Zweimal gelang dabei sogar den Sprung ins Endspiel, wo Per Günther und Co. aber jeweils gegen Bamberg 0:3 unterlagen (2012 & 2016). In den neun Jahren war zweimal im Viertelfinale Schluss, beides Mal unterlagen die Schwaben dabei Alba Berlin. Die Playoffs wurden lediglich 2018 verpasst, als Ulm Zehnter wurde.

Rückblick

Kuriose Saison endet stark

Mit der 85:94-Halbfinal-Niederlage gegen Ludwigsburg ist eine kuriose Saison für Ratiopharm Ulm zu Ende gegangen. Dass der Klub die Spielzeit als Vierter beendet, hätte man lange nicht gedacht. Mit Spannung war im September der Saison entgegengefiebert worden. Der personelle Umbruch im Sommer warf viele Fragen auf. Nach acht Jahren unter Thorsten Leibenath war mit Jaka Lakovic ein Cheftrainer-Novize verpflichtet worden. Der sollte im Aufbau auf den zwar hochtalentierten, aber erst 18 Jahre alten Killian Hayes setzen. Zwei Experimente, von denen nicht klar war, wie sie ausgehen. Immerhin konnte mit Lakovics slowenischem Landmann Zoran Dragic ein erfahrener Spieler mit Führungsqualität verpflichtet werden.

Der Auftakt verlief mit den Siegen in der Liga und im Pokal-Viertelfinale jeweils gegen Rasta Vechta noch nach Plan. Doch mit den Niederlagen in Braunschweig und Berlin, der 75:106-Klatsche in Ludwigsburg und dem verlorenen Heimspiel gegen Frankfurt folgten heftige Dämpfer. Zudem lief es im Eurocup gar nicht, mit nur einem Sieg aus zehn Spielen wurde Ulm Gruppenletzter.

Siegesserie startet im November
Von Mitte November bis Ende Dezember spielte Ulm dann plötzlich den erfolgreichsten Basketball, siegte unter anderem in Bamberg und Oldenburg und zog mit einem Erfolg gegen Göttingen ins Pokal-Halbfinale ein. Dort verlor man allerdings Mitte Januar trotz Heimvorteils gegen Oldenburg. Trotzdem sah es so aus, als ob sich das Team nach dem durchwachsenen Start gefangen hat und auf Playoff-Kurs ist.

Ende Januar dann der Rückschlag: Zoran Dragic, zu diesem Zeitpunkt Topscorer in der Liga, zog seine Ausstiegsklausel und wechselte mit sofortiger Wirkung nach Spanien zu Vitoria-Gasteiz. In den folgenden vier Partien gelang nur ein Sieg, als Zehnter drohten die Ulmer den Anschluss an die Playoff-Plätze zu verpassen, zumal sie gegen die direkten Konkurrenten nicht gut ausgesehen hatten.

Nach der 76:94-Heimniederlage gegen Ludwigsburg wurde Mitte März der Spielbetrieb infolge der Coronakrise abgebrochen. Ende April verkündeten zehn Bundesligisten ihre Teilnahme am Titelturnier – darunter Ratiopharm Ulm, das dank Gruppensieg und Halbfinal-Einzug die Überraschungsmannschaft in München war.
      

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