Sonderveröffentlichung

100 Jahre Ensslin Kachelofenbau Feuer und Flamme fürs Handwerk

Bad Urach: Der Familienbetrieb Ensslin ist für die Zukunft gut aufgestellt.

Familienbetrieb mit Herz: Alexander, Bernd, Helmut Hummel, Walter und Elfriede Ensslin, Stefanie Hummel, Susanne Ensslin (von links). Foto: Unternehmen

24.03.2026

Ein Jahrhundert ist es her, dass Otto Ensslin der Liebe wegen von Stuttgart nach Bad Urach kam. „Das war mein Uropa“, erzählt Stefanie Hummel. „Er hat damals nach Bad Urach geheiratet und einen Sohn mit in die Ehe gebracht. Und das war mein Opa, Wilhelm Otto Ensslin.“

Der Handwerker Otto Ensslin war Hafnermeister, hat Zimmeröfen und Holz-Kohle-Öfen aufgebaut und seinerzeit den Handwerksbetrieb Ensslin gegründet. „Damals wurde rund um Urach fast jedes Haus mit Holz oder Kohle beheizt“, so die Urenkelin des Firmengründers. Seinen Betrieb gab der Uropa an den Opa Wilhelm Otto und der wiederum an ihren Vater Walter weiter. „Mein Vater war das jüngste von sechs Kindern und hat den Kleinbetrieb fortgeführt, auch wenn die Zeiten schwieriger wurden.“

Gemeinsam durch Dick und Dünn

In den 1970er Jahren dominierten Öl-Zentralheizungen. „Man kam vom Heizen mit Holz ab“, weiß Stefanie Hummel. „Holz wurde unbequem, war zu viel Arbeit. Durststrecken gab es immer wieder mal. Aber unser Vater hat trotz alldem durchgehalten. Da sind wir heute sehr stolz drauf.“ Im Zuge der Ölkrise und der damit einhergehenden hohen Preise habe man sich dann wieder auf das Heizen mit Holz besonnen. „Bis in die 1990er Jahre waren Kachelöfen mit viel Keramik im Trend – ganz verspielt mit Ornamenten, Abstufungen und Simsen.“

Unternehmen aus der Region

Stefanie Hummel ist im Handwerksbetrieb aufgewachsen, und hat im elterlichen Betrieb auch die Ausbildung zur Kachelofen- und Luftheizungsbauerin gemacht. Sie war damals eine der wenigen Frauen im Ausbildungsberuf. „1987 habe ich erfolgreich meine Ausbildung abgeschlossen, später den Betriebswirt im Handwerk abgelegt.“ Ihren Mann Helmut hat sie in Urach kennengelernt. „Er kommt auch aus dem Handwerk und führte zusammen mit seiner Mutter die Metzgerei Hummel.“

Der Metzger-Meister hat sein Handwerk aufgegeben und eine Lehre und den Meister im Ofenbau absolviert. „Seitdem ziehen wir gemeinsam an einem Strang“, sagt Stefanie Hummel und lächelt. Verstärkung kommt von Susanne Ensslin, der Schwester von Stefanie Hummel, die inzwischen schon 25 Jahre für die kaufmännischen Herausforderungen im Betrieb zuständig ist.

Gesicherte Nachfolge

Die Söhne Alexander und Bernd sind auch zwischen Kacheln und Heizeinsätzen aufgewachsen. „Die beiden durften schon als Kinder dem Opa Walter zur Hand gehen. Dabei wurde wohl die Leidenschaft fürs Feuer entfacht. Für Alexander war von Anfang an klar, dass er im Betrieb bleibt und die Passion für Wärme und Gemütlichkeit weiterführt.“ Er durfte Deutschland schon bei den Europameisterschaften 2015 in Wels vertreten und hat auch sonst schon allerhand Auszeichnungen im Handwerk heimgebracht. Seine Leidenschaft hat er noch mit dem Meistertitel als Installateur und Heizungsbauer komplettiert und ist so für die Zukunft gerüstet.

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Bernd hat sich nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Wirtschaftsfachwirt vor drei Jahren für eine weitere Ausbildung zum Kachelofenbauer im Betrieb entschieden. „Das ist toll, weil die beiden sehr gut zusammenarbeiten und harmonieren. Auf die gesicherte Nachfolge sind wir besonders stolz und sehr dankbar.“

Ursprünglich war der Betrieb in der Ortsmitte in Bad Urach ansässig. Heute findet man ihn in der Stuttgarter Straße 65, wo die Familie im Jahr 2006 ein Gebäude mit Büro- und Ausstellungsräumen gebaut hat. Ende letzten Jahres hat Stefanie Hummel ihre Anteile an der Geschäftsleitung an den Sohn Alexander übertragen, der die Geschäfte seither gemeinsam mit seinem Vater führt, bis in ein paar Jahren dann Bernd in die Geschäftsführung nachrücken wird. „Wir freuen uns, dass wir wirklich sagen können: Es läuft gut“, so Stefanie Hummel.

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Inzwischen kommen auch die Kunden schon in zweiter oder dritter Generation. „Es ist so schön, wenn Kunden kommen, die sagen, dass wir schon bei ihren Eltern und Großeltern Öfen eingebaut haben.“ Heute sind schlichte geradlinige Öfen, verputzt mit Naturstein gefragt. „Die Leute möchten weniger Kachelöfen, stattdessen eher Heizkamine oder Kaminöfen mit großem Sichtfenster, damit man das Feuer schön sehen und die Wärme spüren kann.“ Aktuell mit stark erhöhten Ölpreisen steige die Nachfrage nach Holzfeuerungen.

Bereit für die Zukunft

„Besonders interessant sind da moderne, regenerative Heizsysteme mit Holz oder Pellets in Kombination mit Photovoltaik und Wärmepumpe.“ So rüstet sich der Familienbetrieb mit neuesten Technologien fortlaufend für die Zukunft. Mit dem zweieinhalbjährigen Enkel Emil steht auch schon die sechste potenzielle Generation in den Startlöchern. Dass der Betrieb nun schon 100 Jahre besteht, ist für die Familie ein Grund zur großen Freude. „Wir waren selbst überrascht, dass das jetzt wirklich schon 100 Jahre her ist. Das ist im Handwerk für so einen kleinen Betrieb keine Selbstverständlichkeit.“

Von Natalie Eckelt