Sonderveröffentlichung

300 Jahre Haller Löwenbräu LÖWENBRAUEREI HALL: 300 JAHRE BIERKULTUR

Familientradition und Zukunftsvisionen: Peter Theilacker über die Philosophie der Löwenbrauerei Hall

Die geschäftsführenden Gesellschafter der Haller Löwenbrauerei Hans Firnkorn und Peter Theilacker

20.12.2024

Peter Theilacker spricht im Interview über Werte und Ziele. Der Geschäftsführer verrät dabei, warum die Gründungsgeschichte der Brauerei für das jetzige Geschäftsgebaren immer noch eine Rolle spielt und warum er trotz sinkendem Bierkonsum zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Die Löwenbrauerei Hall steht für 300 Jahre Brautradition in der Siederstadt. Welche Rolle spielen Werte in einem Familienbetrieb mit so langer Geschichte?

Grundsätzlich ändern sich Werte natürlich immer mit der Zeit. Aber bis hin zur jetzigen fünften Generation hat die Löwenbrauerei an einem immer festgehalten: Das Unternehmen soll gesund und erfolgreich bleiben. Schließlich haben wir auch eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter und der Region gegenüber. Und natürlich macht es sich bemerkbar, dass wir einen ganz anderen Zeithorizont haben als angestellte Manager. Bei allem, was wir tun, beschäftigt uns der Wille, die Brauerei gut an die nächste Generation weiterzugeben.

Welche Werte sind es also, die das Fundament Ihres Erfolgs bilden?

Hier lohnt sich zunächst ein kurzer Blick in die Geschichte: Friedrich Erhard und Pauline Deutelin, unsere Gründer, haben ja nicht nur den Grundstein für die heutige Brauerei gelegt, sondern auch eine Familie mit zehn Kindern gegründet. Das Erbe der Eltern wurde jedoch nicht an den Ältesten gegeben. Vielmehr erhielten alle Kinder Anteile an der Brauerei. Und das geht so bis heute. Aktuell sind wir deshalb 25 Gesellschafter. Bei dieser großen Zahl braucht es klare Regeln.

Und wie sehen diese aus?

Wir haben einen Gesellschaftervertag, der eine zentrale Aussage beinhaltet: Das gesunde Unternehmen steht an erster Stelle, die Rendite für die Familie kommt erst danach - also Löwenbrauerei first, Familie last. Zudem haben wir eine Charta eingeführt, die das übergeordnete Ziel, nämlich den Erhalt der Löwenbrauerei als selbstständiges Familienunternehmen, sichert. Ausserdem haben wir drei Ziele der Geschäftstätigkeit definiert: Qualität, Fairness und Verantwortung.

Können Sie diese drei Ziele bitte noch etwas ausführen?

Die Qualität betrifft natürlich unsere Produkte. Dabei setzen wir zum Beispiel auf das „slow brewing“. Normalerweise ist ein Bier in zehn Tagen fertig, beim langsamen Brauen dauert es vier bis sechs Wochen. Die Biere werden stark heruntergekühlt, das verlangsamt die Gärung. Die entstehende Kohlensäure spült diese nicht erwünschten Fuselalkohole aus.

Fairness zeigen wir gegenüber unseren Kunden, Mitarbeitern und auch Lieferanten. Zu vielen von ihnen pflegen wir lange Geschäftsbeziehungen.

Und die Verantwortung drückt sich nicht zuletzt in unserer Verbundenheit zur Region aus. 80 Prozent unserer Produkte verkaufen wir in der Nachbarschaft. Hier gehören wir hin. Daher unterstützen wir als Sponsor zum Beispiel auch heimische Vereine und beliefern örtliche Feste. Diese Werte gelten übrigens nach innen und außen. Wir können ja nicht Wasser predigen und Bier trinken.

Diese Philosophie wird also auch von Ihren Mitarbeitern mitgetragen?

Ja, alle unsere Angestellten - vom Brauer bis zum Lkw-Fahrer - zeichnet eine tiefe Leidenschaft für ihr Tun aus. Es gibt sicherlich bequemere Jobs. Jedes Jahr muss bei uns zum Beispiel die Sommerspitze überwunden werden. 60 Prozent unseres Geschäfts machen wir ja im zweiten und dritten Quartal. Daher gilt unser spezieller Dank im Jubiläumsjahr auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Sehen Sie sich gut aufgestellt für die Zukunft?

So wie Automobilhersteller häufig nur auf ihre Absatzzahlen schauen, messen viele Brauer ihren Erfolg oft in den verkauften Hektolitern. Aber der Bierkonsum geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Es ist also idiotisch, auf ewiges Wachstum zu hoffen. Trotz dieser Rahmenbedingungen bleibe ich zuversichtlich. Unser Laden ist gut aufgestellt. Und etwas Glück gehört ja auch immer dazu.

Interview Adina Bauer/Südwestpresse

DAS GESUNDE UNTERNEHMEN STEHT AN ERSTER STELLE


Wir sagen Danke!

2024 war für uns ein besonderes Jahr, da wir mit großer Dankbarkeit auf 300 Jahre Brautradition in unserer Familie und in unserer Firma zurückschauen können. Wir blicken zum Beispiel stolz auf die Feste und Aktionen in diesem Jubiläumsjahr. Es war uns wichtig, nicht die eine BIG-PARTY zu geben, sondern an vielen verschiedenen Stellen persönlich DANKE sagen zu können: bei unseren Kunden mit unserer Jubiläumsaktion von März bis September und mit 12 verschiedenen Prämien. Ab dem 30. September, dem Ende der Prämienaktion, war unser Briefkasten täglich voll. Es war uns sehr wichtig, uns damit bei unseren Endkunden für die Treue zu bedanken und das scheint gelungen. Die Beteiligung war groß: 600 Prämien sind auf die Reise gegangen oder wurden bei uns abgeholt. Allein 45 „ertrunkene“ Brauereiführungen zeigen das große Interesse an uns, unseren Produkten und wie sie hergestellt werden. Was uns besonders gefreut hat, waren Briefe von Kunden, in denen sie uns zum 300-Jährigen gratulierten.

Bei unseren Händlern und Gastronomen haben wir uns mit Produkt-Aktionen bedankt, wo sich vieles um die Zahl 1724, unserem Gründungsjahr, drehte.

Zusammen feiern, den Tag ausklingen lassen oder besondere Jubiläen begehen: Wir geben mit unseren Produkten die Basis für einen wunderschönen analogen Gegenpol zu einem künstlichen Leben und der Kl. Wir versuchen den Menschen, die zusammensitzen, eine emotionale Heimat zu geben. Ob im Biergarten, im Restaurant oder zuhause auf der Terrasse. Wir glauben an die Daseinsberechtigung unserer Produkte - seien es unsere Wasser, unsere Erfrischungsgetränke oder eben unser Bier. Darauf ein hällisch gutes Prosit!